- 24.03.2004, 09:24:10
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Brandsteidl: Wiens Kinder brauchen mehr Lehrer
Bund muss Bildungsblockade endlich aufheben
Wien (OTS) - "Die fortgesetzte Bildungsblockade des Bundes muss
sofort aufgehoben werden, um die pädagogische Qualität unserer
Schulen zu sichern. Es besteht kein Zweifel daran: Wiens Kinder
brauchen dringend mehr Lehrer", stellte Wiens Amtsführende
Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl Mittwoch fest.
Brandsteidl übte in diesem Zusammenhang Kritik an den jüngsten
Aussagen von ÖVP-Bildungssprecher Strobl: "Es macht den Eindruck, als
ob Strobl sich entschlossen hätte, sich lieber den Sparstrumpf des
Bundes anzuziehen als die Schultüten der Wiener Kinder zu füllen.
Dabei hätte es seine Partei in der Hand, durch eine Umkehr in der
Bildungspolitik zu mehr Zukunftschancen für unsere Schüler
beizutragen."
Als Skandal bezeichnete sie die Forderung der ÖVP, die
"Jugendwohlfahrt" solle einen großen Teil der Arbeit mit Kindern mit
besonderen Bedürfnissen übernehmen: "Hier geht es der ÖVP nur darum,
Kosten zu verlagern. Dass die Wiener ÖVP einer Mehrbelastung Wiens
das Wort redet, stimmt bedenklich und wirft die Frage auf, wem sie
sich in Wahrheit verpflichtet fühlt: den Wiener Kindern oder dem
Bundesminister für Finanzen?"
Überdies sei diese ÖVP-Forderung ganz klar im Widerspruch zur
geltenden Gesetzeslage: "Offensichtlich ist es noch nicht bis in die
Kreise der Wiener ÖVP vorgedrungen, dass auch nach dem Gesetz Schule
mehr ist als ein Ort reiner Wissensvermittlung." So sei im
Zielparagraphen des Schulgesetzes vorgegeben, dass neben Untericht
auch Erziehung ein Auftrag von Schule ist. Überdies sei es klar
geregelt, dass Integration ein Auftrag der Schule ist. Wien, so
Brandsteidl, nehme diesen gesetzlichen Auftrag ernst und sorge daher
mit Stützlehrern (für Kinder mit Lernschwächen), Sprachheillehrern
(für Kinder mit Sprachschwierigkeiten), Integrationslehrern (für
Kinder mit Behinderungen), Beratungslehrern und Psychagogen (für
verhaltensauffällige Kinder) sowie mit Heilstättenlehrern (für
Kinder, die für einen längeren Zeitraum im Krankenhaus sind) oder
etwa speziell ausgebildeten Lehrern für blinde oder 'taubstumme'
Kinder für die Bedürfnisse ALLER Kinder.
Brandsteidl: "Wien ist stolz auf dieses fein abgestimmte System
von schulischer Hilfe und Förderung und erfüllt damit diesen Auftrag
des Gesetzes besser. Nur: Wenn das Gesetz diese Dinge eben vorsieht,
dann muss es auch ausreichend Ressourcen hierfür geben - und zwar zur
Verfügung gestellt von jenen, die verantwortlich sind: in diesem Fall
somit vom Bund."
Ganz generell, so Brandsteidl, sei der Bund aufgerufen, im Zuge
des nächsten Finanzausgleichs für mehr Lehrer in allen Bereichen der
Pflichtschulen zu sorgen: "Nur so können wir überfüllte Klassen
vermeiden und allen Kindern eine individuell abgestimmte optimale
Bildungskarriere ermöglichen." Zur Frage, wieviele Lehrer Wiens
Kinder zusätzlich benötigten, stellte sie fest: "Keine Frage, dass
der Abbau von 1.400 Lehrern im Pflichtschulbereich allein in der
Geltungsdauer des derzeitigen Finanzausgleichs Gräben aufgerissen
hat. Um diese zu schließen und um die pädagogische Qualität zu
verbessern, wäre es das Beste, wenn wir diese Lehrer wiederbekämen.
Realistisch muss man bloss sagen, dass angesichts der Weigerung des
Bundes, etwas für die Schulen zu tun, jeder Lehrer zusätzlich schon
ein Erfolg wäre." (Schluss) ssr
OTS0034 2004-03-24/09:24
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