"Kleine Zeitung" Kommentar: "Alfred Gusenbauer - ein roter Häuptling reitet ohne Indianer" (Von Reinhold Dottolo)

Ausgabe vom 24.3.2004

Graz (OTS) - Der neue kärntnerische Umgang mit der FPÖ teilt die SPÖ in Lager.

Mehr hat er nicht gebraucht, der Vorsitzende der Bundes-SPÖ. Seit Alfred Gusenbauer den (berechtigten) Eindruck erweckte, nicht dezidiert gegen den rot-blauen Schulterschluss nach der Kärntner Landtagswahl gewesen zu sein, hat er keine Ruhe mehr. In seiner Partei rumort es, im Blätterwald rausch(er)t es, die europäischen Levitenleser haben wieder Saison und der rote Häuptling hat Zores. Musste er doch die Front begradigen, als er merkte, dass er zu weit vorgaloppiert war und seine Indianer im Bund ihm nicht folgten.

Wie könne man Grundsätze über Bord werfen und mit einem Jörg Haider ein Arbeitsübereinkommen abschließen? Wie könne man diesen aufwerten und so aus der Isolation holen? Das sind die Fragen an Gusenbauer und die Kärntner, gestellt von jenen, die schon im Jahr 2000 als die schwarz-blaue Wenderegierung in Wien antrat, das Abendland untergehen sahen. Garniert werden die Reklamationen mit Auszügen aus Jörg Haiders Sündenregister, das in voller Länge abzudrucken in der Tat selbst großformatigen Zeitungen schwer fallen dürfte. Eines fehlt aber in den Analysen der vereinigten Bedenkenträger: Der Versuch der Einsicht, dass Jörg Haider in Kärnten wiedergewählt wurde, nicht weil er einem Massenmörder wie Saddam Hussein den Hof gemacht hat, nicht weil er sich bewusst missverständlich zur NS-Vergangenheit geäußert hat und nicht weil er das Partei-Desaster von Knittelfeld verschuldet hat - sondern obwohl.

42,5 Prozent der Kärntner Wähler (noch mehr als 1999) hatten im März 2004 den Eindruck, dass Jörg Haider samt FPÖ im Lande mehr weiter bringen könne als seine Mitbewerber - und taten dies per Stimmzettel kund. Das ist der Kern des Problems. Konnte es für Haiders Konkurrenten erfolgsverheißend sein, dagegen mit einer unveränderten Politik anzutreten? Oder gar den Landeshauptmann aus dem Amt zu drängen - mit Hilfe einer Allianz aus SPÖ, den unerfahrenen Grünen und der am Boden liegenden ÖVP, die halbiert wurde, eben weil sie angekündigt hatte, Haider auf keinen Fall zu wählen? ****

Der Kärntner SPÖ-Chef Peter Ambrozy sowie starke Kräfte seiner Partei meinten Nein und setzen auf ein neues Kooperationsmodell -auf einen mehr pragmatischen und weniger moralischen Ansatz im Umgang mit der FPÖ. Alfred Gusenbauer tat dies anfangs auch und muss nun damit leben, dass ein Indianer in Wien keinen Schmerz kennen darf. Vor allem dann nicht, wenn er der Zeit und seiner Partei voraus sein möchte.

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