Weltweite Stahlverknappung, Preisexplosion - Versorgungsprobleme für Stahlverbraucher

FMS/FMWI sieht echte Gefährdung der Konjunktur

Wien (PWK194) - Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, ist bei der Preisentwicklung auf dem Stahlmarkt eine absolut explosive Situation eingetreten. Für die beiden Obmänner der Fachverbände Maschinen & Metallwaren Clemens Malina-Altzinger und Wolfgang Welser stellt die Preisentwicklung auf dem Stahlmarkt ein echte Gefährdung für das noch zarte Konjunkturpflänzchen dar. Während noch vor wenigen Wochen eine allgemeine Zuversicht geherrscht habe, sind die Voraussetzungen für Optimismus nicht mehr wirklich gegeben.

Seit der Einführung der US-Schutzzölle auf Stahl und Stahlprodukte vor rund zwei Jahren und der Gegenmaßnahmen der EU-Kommission hat ein konstanter und starker Anstieg der Stahlpreise stattgefunden. "Trotz der laufenden und fortgesetzten Steigerungen der Stahlpreise in Europa, haben die europäischen und auch die österreichischen Firmen nun die größten Schwierigkeiten, ihren Stahlbedarf zu decken", betonen die beiden Obmänner.

Auslöser für diese Situation ist einerseits eine übergroß starke Nachfrage des chinesischen Marktes. Und in Asien und in den USA werden heute Preise für Stahl bezahlt, die weit über den derzeit extrem hohen europäischen Preisen liegen. Daher beliefern die bisherigen EU-Importeure vorwiegend diese Märkte. Andererseits leiden die europäischen Stahlerzeuger gleichzeitig unter einer internationalen Verknappung und Verteuerung der Rohstoffe Eisenerz, Koks und Schrott. Darüber hinaus haben sich die Schiffsfrachten für Rohstoffe in den letzten 12 Monaten verfünffacht.

Die europäischen Stahlerzeuger sind derzeit nicht imstande, die notwendigen Rohstoffe für den europäischen Markt zu bekommen. Außerdem haben die heimischen Stahlhersteller durch den Rückgang des Stahlimportes in die EU-15 einen höheren Versorgungsanteil bei ihren europäischen Kunden, wodurch die Verknappung weiter angeheizt wird. Das Problem wurde momentan durch die starke Dollarabwertung etwas gemildert, da die Rohstoffkosten in US-Dollar abgerechnet werden.

Die Verunsicherung ist in der Zwischenzeit so groß, dass alle, die Stahl verarbeiten und/oder abnehmen, von einer echten Bedrohung für die Branche sprechen. "Das Vormaterial für die eigene Weiterverarbeitung ist kaum zu erhalten, Preisvereinbarungen haben keine Gültigkeit mehr und um Vormaterial überhaupt zu erhalten, muss man sich regelrecht an Versteigerungen an den Meistbietenden beteiligen", so Malina-Altzinger. Unter diesen Umständen ist es nicht mehr möglich, seriöse Kalkulationen bei Ausschreibungen abzugeben. Viele Firmen können aufgrund dieser Unwägbarkeiten keine Aufträge mehr annehmen.

Zu erhebliche Wettbewerbsverzerrungen kommt es auch durch die unterschiedlichen Vertragsmodelle und Laufzeiten der Stahlindustrie, ihren Abnehmern und deren Kunden. Während in der Automobilindustrie mit langfristigen Altverträgen gearbeitet werden kann, muss die Zulieferindustrie mit Quartalsabschlüssen zurechtkommen. Preiserhöhungsschübe können daher auf der Einkaufsseite in vielen Fällen nicht auf der Kundenseite auf Grund anderweitiger vertraglicher Fristen weitergegeben werden. Das trifft vor allem Projekte der Autozulieferer, Maschinen- und Anlagenbauindustrie, aber auch Projekte der Bauindustrie (konstruktiven Stahlbau und Brückenbau). Dadurch kommt es insbesondere bei materialintensiven Verarbeitern zu existenzgefährdenden Situationen.

Auch der europäische Dachverband der Maschinen-, Metallwaren und Elektro- und Elektronikverbände ORGALIME, der immerhin zwei Drittel es gesamten europäischen Stahlverbrauches repräsentiert, hat das Thema längst aufgegriffen und die EU-Kommission in Brüssel bereits aufgerüttelt. Die Europäische Kommission hat die Gefahr und einen Konsultationsmechanismus zwischen der Europäischen Kommission, den Stahlerzeugern (EUROFER) und den Stahlverbrauchern eingeleitet. ORGALIME ist bei diesem Konsultationsmechanismus der wesentlichste Vertreter der Stahlverbraucher.

In den Diskussionen der Stahlverbrauchergruppe ORGALIME wurde der Wunsch deponiert, auf Grund der unterschiedlichen Vertragslaufzeiten bei den Stahlverbrauchern für Stahlbasisprodukte bei der London Metal Exchange (LME) eine eigene Notierung einzuführen. "Diese LME-Notierung hätte den Vorteil, dass der Stahlverbraucher zukünftig selbst das Preisrisiko an der LME hedgen könnte. Er hat damit die Möglichkeit selbst zu entscheiden, ob er das Preisrisiko übernimmt oder sich absichert. Hiermit wäre auch das Problem der unterschiedlichen Vertragslaufzeiten bei den Stahllieferanten eliminiert", so Bernd Wehling österreichischer Vertreter bei der Stahlverbrauchergruppe in Brüssel.

"Auf österreichischer Ebene werden die beiden Fachverbände bei der Unabhängigen Schiedskommission beim Wirtschaftsministerium versuchen, dass diese Preissteigerungen entsprechend berücksichtigt werden", betont Berndt-Thomas Krafft, Geschäftsführer der beiden Verbände. (us)

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