"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Außer Kontrolle" (Von Johannes Huber)

Ausgabe vom 19.03.2004

Wien (OTS) - Warum steht Alfred Gusenbauer nicht zu dem, was er
tut? Vor einem Jahr hat er bekanntlich damit angefangen, die Freiheitlichen nicht mehr auszugrenzen, sondern, ganz im Gegenteil, zu kontaktieren. Das Bild, auf dem er Spargel essend mit niemand geringerem als Jörg Haider zu sehen ist, sagt mehr als tausend Worte. Gusenbauer scheint jedoch nicht ganz wohl dabei zu sein. Geht es darum, diesen Kurswechsel zu erklären, tut er sich jedenfalls sehr, sehr schwer.
Grundsätzlich wäre es ja recht einfach: Wenn die SPÖ auch nach der nächsten Nationalratswahl als große Verliererin dastehen möchte, dann muss sie die Blauen nur weiter verdammen. Wenn sie aber wieder ganz vorne liegen möchte, dann muss sie zumindest signalisieren, dass sie rein theoretisch mit ihnen zusammenarbeiten könnte.
Wie auch immer: Gusenbauer hat es nicht nur versäumt, seine Genossen davon zu überzeugen. Nein, jetzt, da die Kärntner den Tabubruch gewagt haben und einen blau-roten Pakt eingegangen sind, bemüht er sich nicht einmal, das spät, aber doch nachzuholen.
Der SPÖ-Vorsitzende hat denn auch vollends die Kontrolle über seine Partei verloren: Südlich der Karawanken geht es drunter und drüber, aus anderen Ländern mischen viele - u.a. der gewichtige Wiener Bürgermeister Michael Häupl - ganz und gar nicht in seinem Sinne mit.

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