NÖ Ärztekammer: Wollen Verwaltungsdirektoren zukünftig medizinische Alleinverantwortung übernehmen?

Wien (OTS) - Verwundert zeigte sich heute der Präsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Lothar Fiedler, über das gestern von der ARGE der NÖ Verwaltungsdirektoren präsentierte 7 Punkte-Papier zur Verbesserung der Effizienz der niederösterreichischen Krankenhäuser: "Für mich ist es ein eigenwilliges Vorgehen, wenn Verwaltungsdirektoren neue Konzepte für eine Restrukturierung der NÖ Krankenhäuser präsentieren, ohne dabei auch nur im Ansatz jene eingebunden zu haben, welche tatsächlich die Arbeit machen - nämlich die Ärzte. Leider sehen die Inhalte dieses Papiers auch dementsprechend aus. Wenn man ein Fußballspiel gewinnen möchte, formiert man mit Topspielern und Trainern eine Mannschaft und überlässt Mannschaftsaufstellung und Taktik auch nicht den Architekten, die das Fußballstadion geplant haben."

Grundsätzlich begrüßt der Präsident der NÖ Ärztekammer jede Initiative, die dazu dient, die Strukturen im NÖ Gesundheitswesen zu verbessern. Wenn ein Strukturpapier jedoch so aussieht, dass Verwaltungsdirektoren versuchen, Verantwortung für Agenden zu übernehmen, welche in keinster Weise ihren Aufgaben zuzuordnen sind -wie beispielsweise medizinische Behandlungspfade, medizinische Ausbildung u. ä. so ist dies nach Meinung des NÖ Ärztechefs eine ausgesprochene unglückliche Vorgangsweise.

Ähnlich sieht dies der Vorsitzende der NÖ Spitalsärzte, Kurienobmann Dr. Gerhard Schuh: "Wenn die Verwaltungsdirektoren etwas Konstruktives im ärztlichen Bereich beitragen möchten, so könnten sie dafür plädieren, dass es endlich einen gesetzlich geregelten Fortbildungsurlaubs-Anspruch für Spitalsärzte gibt. Dies würde medizinische Fort- und Weiterbildung nicht zu einem ungeregelten 'Privatvergnügen' ambitionierter Ärzte stempeln." Der Sprecher der Spitalsärzte sieht auch die Ausrichtung nach rein ökonomischen Gesichtspunkten als gefährlichen Ansatzpunkt. Krankheiten von Menschen würden so zu "ökonomisch kostenverursachenden Faktoren" degradiert. Man vergesse dabei völlig darauf, dass es sich hierbei um Menschen handle, die sich in einer gesundheitlichen Ausnahmesituation befinden. Eine Bewertung von menschlichem Leid in Euro und Cent als statistischer Wert zeuge nicht von einer modernen sozialen Einstellung eines reichen Industriestaates so Dr. Schuh weiter.

Striktest abgelehnt wird seitens der Ärztekammer die Etablierung von Facharzt-Kassenpraxen in Krankenhäusern. Präsident Dr. Lothar Fiedler: "Dies wäre der Beginn eines qualitativen Rückschrittes in der medizinischen Versorgung in unserem Bundesland. Über Jahre hinweg wurde - im übrigen im Einvernehmen zwischen Land, Krankenkassen und Ärzteschaft - ein Strukturplan erstellt, welcher eine flächendeckende Versorgung durch Fachärzte im niedergelassenen Bereich in optimaler Weise für Patienten und unter sehr sorgfältigen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen darstellt. Der Vorschlag der Verwaltungsdirektoren würde zu einer Zentralisierung der Fachärzte in Ballungsräumen und zu einem Aushungern der fachärztlichen Versorgung im ländlichen Bereich führen. Dies ist sicherlich nicht im Sinne der niederösterreichischen Bevölkerung."

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