"Die Presse" Kommentar: "Endlose Gewalt und verpasste Chancen" (von Wieland Schneider)

Ausgabe vom 18.3.04

Wien (OTS) - Es war eine Nacht im März, als plötzlich die Stille in Kosovos Hauptstadt Pristina von lauten Detonationen durchbrochen wurde. Die Nato-Luftangriffe zur Befreiung der Albaner von der serbischen Herrschaft hatten begonnen. Heute, fast genau fünf Jahre später, wird im Kosovo noch immer geschossen. Natürlich sind die jüngsten Unruhen zwischen Serben und Albanern nicht mit dem Krieg 1999 zu vergleichen. Sie zeigen aber, wie fragil die Lage in der Albaner-Provinz noch immer ist.
Trotz intensiver Bemühungen internationaler Organisationen ist eine Aussöhnung zwischen den Volksgruppen nicht in Sicht. Auch wenn einige ihrer Politiker anderes beteuern, betrachtet die Mehrheit der Albaner ihre serbischen Mitbürger als Fremdkörper, die zu verschwinden haben. Eine umfassende Rückkehr serbischer Flüchtlinge - wie sie die UN-Verwaltung plant - ist illusorisch.
Solange Kosovo-Albaner nicht wissen, wie die Zukunft ihrer Heimat aussieht, werden sie auch in jeder serbischen Großmutter eine Legitimation des Belgrader Herrschaftsanspruchs sehen - und sie als Feindin behandeln. Um die Spannungen zu entschärfen, bleibt nur eine Möglichkeit: endlich eine rasche, klare Lösung des Kosovo-Problems herbeizuführen. Die Chancen der Djindjic-Ära in Belgrad hat die internationale Gemeinschaft dabei verschlafen.

Rückfragen & Kontakt:

Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PPR0001