WirtschaftsBlatt-Kommentar Fees sind meistens fies

von Peter Muzik

Wien (OTS) - Der englische Begriff "Fees" ist laut Langenscheidt
mit "Gebühren", "Honorare", "Vergütungen", "Taxen" oder "Beiträge" zu übersetzen.
Die Vokabel "fies" steht laut Duden für ekelhaft oder widerwärtig. Dass die beiden Worte verdammt identisch klingen, ist sicher kein Zufall - auch wenn es im Business-Alltag durchaus stinknormale und hochseriöse "Fees" gibt.

Der halbseidene Hautgout dieses Modeworts lässt sich anhand vieler praktischer Beispiele unschwer dingfest machen: So etwa hat der Salzburger Baukonzern Alpine Mayreder vorgestern, nach langem Zögern, endlich zugegeben, im Zusammenhang mit dem Münchner Stadionbau eine "Arrangement Fee" an einen Strohmann bezahlt zu haben. Das soll an sich noch nichts schrecklich Böses sein, erinnert aber spontan an die geradezu weltbekannten russischen Usancen: Wer z.B. in Moskau rasch zu einem hübschen Geschäftsabschluss kommen möchte, der forciert das bekannter- und üblicherweise mit Hilfe irgendeiner "Fee" an hilfsbereite Kontaktleute - früher hat man das ganz profan "Schmiergeld" genannt.

Aber auch in weitaus seriöseren Gefilden, beispielsweise bei Fusionen oder Übernahmen von Unternehmen, können engagierte Drahtzieher oder Mittelsmänner für gute Dienste zumeist mit einer angemessenen Belohnung rechnen - diese trägt dann Titel wie "Success Fee". Der Fantasie sind ja im Geschäftsalltag praktisch keine Grenzen gesetzt: Man kann "Contact Fees" oder "Contract Fees" erfinden, es mit "Sponsoring Fees" oder "Achievement Fees" versuchen und bei Bedarf auch "Information Fees" oder "Research Fees" blechen.

Das Blöde daran ist nur, dass diese neumodischen Begriffe allmählich die gesamte Wirtschaft in Verruf zu bringen scheinen. Ihnen haftet nämlich ein weitaus mysteriöserer, dubioserer, ja unanständigerer Touch an als jenen geradezu biederen Begriffen, die früher in den meisten Unternehmen gebräuchlich waren - Provisionen oder Prämien etwa.

Die Unterscheidung zwischen seriöser Dienstleistung und zwielichtiger Gefälligkeit ist nicht so schwer. Wer ohne Missbrauch seiner Stellung dazu beiträgt, dass ein Projekt oder ein Geschäft zu Stande kommt, darf sich hiefür ehrlichen Lohn erwarten. Er hat immerhin eine Leistung erbracht. Wenn indes jemand bestochen wird bzw. sich bestechen lässt, dann überdeckt auch das englische "Fee" nicht den fiesen Charakter seiner Handlung.

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