Weizsäcker: Politik und Wirtschaft leiden heute unter erheblicher Spielraumbegrenzung

Buchpräsentation des neuen Club of Rome-Bericht "Nachhaltigkeit schafft neuen Wohlstand" - Institut Umwelt-Friede-Entwicklung mit Beitrag vertreten

Wien (OTS) - Steuervorteile für Pensionsfonds

Bei der vom Institut Umwelt-Friede-Entwicklung mitveranstalteten Buchpräsentation des neuen Berichts an den Club of Rome unter dem Titel "Nachhaltigkeit schafft neuen Wohlstand" referierte gestern der bekannte deutsche Naturwissenschafter und Mitglied des Club of Rome Berlin, Ernst Ulrich von Weizsäcker, im Haus der Industrie (IV) über die Rolle von Politik und Technologie für eine nachhaltige Entwicklung. Sowohl Politik als auch Wirtschaft litten heute unter "erheblichen Spielraumbegrenzungen". Dies hänge mit dem Phänomen der Globalisierung zusammen. Weizsäcker plädierte für eine neue Balance zwischen Marktwirtschaft und Demokratie und eine "Neuerfindung der Demokratie." Es gehe um eine sanktionsbewehrte "global governance", sagte der Naturwissenschafter.

Weizsäcker setzte große Hoffnung in die nationale und internationale Zivilgesellschaft: "Was wir brauchen, ist der Schulterschluss zwischen der moralisch bewussten, langfristige denkenden Zivilgesellschaft, den nationalen Parlamenten und den Regierungen." Die Politik solle Steuerprivilegien für Pensionsfonds schaffen, "die sich anständig verhalten", sagte Weizsäcker. In den Mittelpunkt seiner Ausführungen über den notwendigen technologischen Paradigmenwechsel stellte er das "Faktor 4"-Konzept. Um doppelten Wohlstand bei halbiertem Naturverbrauch zu schaffen, sei ein entsprechendes Bewusstsein der Konsumenten erforderlich. Den Bewusstseinswandel bezeichnete Weizsäcker als "Titanenaufgabe."

Dem Wohlstand neuen Sinn geben

Petra C. Gruber, Geschäftsführerin des Instituts Umwelt-Friede-Entwicklung und Mitautorin des neuen Berichts an den Club of Rome, erklärte, dass Nachhaltigkeit nicht verordnet werden könne. Es brauche einen gesellschaftlichen Konsens über die Wahrung des Gemeinwohlinteresses und der Natur. Gruber: "Es geht um die Wiederbelebung politischer Gestaltung, es geht darum, welche Werte uns wichtig sind und welche Normen wir daraus ableiten." Menschliches Glück sei nicht eine Frage des Wohlstandes. "Nachhaltigkeit meint eine andere Art des Reichtums, sie gibt dem Wohlstand neuen Sinn weit über die materielle Bedürfnisbefriedigung hinaus", erklärte Gruber. Die Wissenschafterin verwies auf den jahrzehntelangen Export des Entwicklungsverständnisses der Industrieländer in die "Entwicklungsländer": "Ohne Umkehr unserer Fehlentwicklungen bleibt unsere Anwaltschaft für die Umwelt unglaubwürdig." Eine wichtige Perspektive eröffne das Konzept der "global governance". Dabei sei nicht ein "Weltstaat" gemeint, sondern ein dynamischer Prozess der Konsens- und Entscheidungsfindung und die Kooperationskultur eines grenzüberschreitenden Netzwerkes aus staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren. Gruber: "Es liegt an jedem Einzelnen, das Sein in intakter Umwelt zu genießen und Herausforderungen partnerschaftlich zu lösen."

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