"Presse"-Kommentar: Blau-Rot wie Chianti (von Rainer Nowak)

Ausgabe vom 15. März 2004

Wien (OTS) - Glaubt man der Lehre von SP-Chef Alfred Gusenbauer, passt zu Spargel am besten Chianti. Vor bald einem Jahr begann die Annäherung von SPÖ und FPÖ zwischen Gusenbauer und Haider. Durch das absichtlich öffentlich gemachte Spargelessen wurde die von Franz Vranitzky begonnene Ausgrenzung der FPÖ Haiders beendet. Freitagnacht fand die Annäherung ihren Höhepunkt: Bei einer Marathonsitzung einigten sich Blau und Rot, die in Kärnten offenbar auch sozial gut zusammenpassen. Frühmorgens wurde der Chianti geköpft.
Natürlich behauptet man in der SP-Zentrale, dies sei nur eine autonome Entscheidung eines kleinen Bundeslandes und habe nichts mit der Politik des großen Alfred Gusenbauer zu tun. Die Kärntner SP sieht sich offenbar nicht als Steigbügelhalter des Faschismus. Und auch rote Länderchefs wie Michael Häupl wollen dem Vernehmen nach keine innerösterreichischen Sanktionen gegen Kärnten erlassen.
Mit dem blau-roten Pakt wurde der Beweis erbracht, dass in Österreichs lebendiger gewordenen Demokratie jede politische Variante möglich ist. Amüsanterweise wurde bisher eine Möglichkeit - obwohl bis vor kurzem wesentlich wahrscheinlicher als Blau-Rot oder Schwarz-Grün - nicht realisiert: Rot-Grün. Gusenbauers Problem.

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