Khol würdigt Kardinal Franz König

Geistiger Baumeister des neuen Österreich

Wien (OTS) - Große Trauer erfüllt uns bei der Nachricht vom Tode des Alterzbischofs von Wien, Kardinal Dr. Franz König. So gerne hätten wir mit ihm die Papstmesse in Mariazell im Mai und dann seinen 100. Geburtstag gefeiert. Wir alle schulden Kardinal Franz König Dank. Er war einer der geistigen Baumeister des neuen Österreichs, das 1945 aus Schutt und Asche entstand.

Kardinal Franz König hat zuerst das Verhältnis von Katholischer Kirche und Staat im Geiste des Mariazeller Manifests der österreichischen Bischöfe neu geordnet: "Eine freie Kirche in einem freien Staat". Damit zog die katholische Kirche den Schlussstrich unter den "politischen Katholizismus" der ersten Republik. Dieser war geprägt von der engen Zusammenarbeit von Bischofskonferenz und christlich-sozialer Partei - personifiziert in der Person von Prälat Dr. Ignaz Seipel, dem langjährigen Kanzler einer von den Christlich-sozialen geführten Regierung.

Im weiteren Schritt ordnete Kardinal Franz König das Verhältnis zwischen Katholischer Kirche und den politischen Parteien neu. Ausgehend vom Faktum, dass in allen Parlamentsparteien Christen vertreten waren und mitgestalteten, rief er diese Christen auf, in ihren Parteien jeweils die Grundregeln der christlichen Soziallehre umzusetzen. Seine Regel war: Die Parteien bestimmen ihre Nähe oder Ferne zur Katholischen Kirche selbst - je nach dem, wie sie ihre Politik nach der christlichen Soziallehre gestalten. Damit war prinzipiell die Kirche allen Parteien gegenüber gleich eingestellt. Das Kardinal König fälschlich zugeschriebene Wort von der Äquidistant der Kirche zu allen Parteien hat er nie verwendet und abgelehnt. Damit öffnete Kardinal König den Weg zum innerkirchlichen Pluralismus und zu einem entspannten Verhältnis zu allen Katholiken in allen Parteien.

Kardinal Franz König war Gründer und Spiritus-Rektor der päpstlichen Stiftung "Pro Oriente". Sie war und ist wichtiges Instrument der Zusammenarbeit in der Ökumene, vor allem mit den Ostkirchen und den vielen orientalischen christlichen Kirchen in Asien. Mit Kardinal König wurde Wien ein Zentrum der Ökumene und der Aussöhnung.

Kardinal Franz König suchte den Dialog mit allen Parteien. Er kam der Berufung der Kirche stets nach - in Grundsatzfragen, ohne Einmischung in die Tagespolitik, Orientierung zu geben. Angesichts einer sonst schweigenden Kirche erhob er, obwohl bereits Alterzbischof, seine Stimme, um die Österreicherinnen und Österreicher über Rundfunk und Fernsehen zu einem Ja bei der Volksabstimmung zum Beitritt zur Europäischen Union aufzufordern. Kardinal König war überzeugter Europäer der ersten Stunde und nach dem Fall des eisernen Vorhangs Wegbereiter für die Osterweiterung der Europäischen Union, die heuer Wirklichkeit wird.

Seine letzten Anliegen, die er im Nationalrat vertrat, galten dem Schutz des Lebens und dem Kampf gegen die Euthanasie. Kardinal König war es, der gemeinsam mit Michael Landau in einem Brief alle Parteien aufforderte, ein Gesetz zur Sterbebegleitung anstelle der unmenschlichen Sterbehilfe zu beschließen. Nach einer parlamentarischen Enquete, an der er trotz seines hohen Alters persönlich teilnahm, beschloss der Nationalrat dann die Familienhospizkarenz. Noch vor wenigen Wochen richtete sich Kardinal König an das Präsidium des Österreich-Konvents und rief dazu auf, die Euthanasie in der neuen künftigen Verfassung durch Verfassungsgesetz im Grundrechtskatalog zu verbieten.

Kardinal König war auch ein liebevoller Seelsorger, auch für viele Politiker und ein großer Neugestalter - nicht nur der Kirche in Österreich, sondern auch der zweiten Republik. Die Trauer um seinen Tod verbindet sich mit großer Dankbarkeit für sein Wirken.

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