Landau: "Danke, Herr Kardinal"

Wiener Caritasdirektor zum Tod von Kardinal Franz König

Wien (OTS) - Es ist an der Zeit "Danke" zu sagen. Denn ein großer Mann mit einem weiten Herzen und einem weiten, offenen Geist ist uns geschenkt gewesen. Kardinal Franz König war Begleiter, Unterstützer, Mitgehender, Wegweisender - er war dies alles und noch viel mehr, er war es weit über das hinaus, was man als selbstverständlich voraussetzen durfte.

Kardinal Franz König hat eine starke persönliche Nähe zu den irischen Segenswünschen gehabt. Einer von den vielen lautet: "Möge dein Suppentopf unerschöpflich sein, wenn du an den Hunger des Gastes denkst." Bei Kardinal König empfand man sich als Gast, wertgeschätzt, als Mensch, als Person ernst genommen. Er war "der" Kardinal, Alterzbischof von Wien, ein großer Kirchenmann - und der hat seinem Gegenüber das Gefühl der persönlichen Zuwendung, in einer besonderen Intensität geschenkt - dem Generaldirektor, wie der Frau von nebenan, aus dem Altersheim bei den Barmherzigen Schwestern.

Er hat ein besonderes Gefühl gehabt, für das, was "den Hunger des Gastes" betrifft. Das trifft spirituelle und intellektuelle Unterernährung und Mangelerscheinungen des Einzelnen genauso, wie jene der Gesellschaft oder der Kirche insgesamt. Er hat die Kunst einer - fast möchte man sagen - "Spiritualität in kleiner Dosis".

Der Mensch als Ganzes hatte seine Aufmerksamkeit, behutsame Hinweise, Führung, das war ihm wohl näher, als die große Operation, der massive Eingriff. Dies alles aus einer Haltung des Respektes, aber auch des Vertrauens, das dem der glaubt in einer besonderen Weise geschenkt ist.
Der Kardinal hat angeboten, hat sich nicht in den Vordergrund gespielt, das hatte er nicht nötig. Er hatte Stil, und weil er Stil hatte, wusste er auch zu schweigen. Auch in seinem Schweigen, war der Suppentopf gefüllt, beispiel- und zeichenhaft für eine manchmal schwatzhafte und schwätzerische Gesellschaft.

Er war Priester und Bischof - Hirte, Seelsorger - er konnte zuhören und dann zielsicher mit Fragen neue Wege anbieten.

Der Caritas war Kardinal König ein sorgsam beobachtender Gesprächspartner und Wegweiser, aber auch ein Helfer und Unterstützer mit offenen Augen für die Not der Menschen. Sein Einsatz für "Lebensfragen", für Hospiz und Sterbebegleitung, gegen alle Bestrebungen der Euthanasie Durchschlupflöcher zu ermöglichen, das wird für uns auch weiterhin Auftrag sein. Aber auch seine Bereitschaft zu jenen zu gehen, die eine tiefe persönliche Krise erleben, zB. zeichenhaft umgesetzt, solange es ihm möglich war, durch die weihnachtliche Feier in der "Gruft" mit obdachlosen Frauen und Männern, auch das werden wir nicht vergessen. Nicht zuletzt aber seine Fähigkeit und auch die immer wieder erfolgte Ermutigung, auch über die Grenzen Österreichs hinaus zu denken, europäisches und weltweites Denken zu fördern, ebenso wie Begegnung und das Bestreben Zusammenhänge zu erkennen und nach Ansätzen für mehr soziale Gerechtigkeit zu suchen, auch das wird uns weiterhin Richtschnur bleiben.

Nicht zuletzt auch in seiner gelebten Verbindung von tiefer persönlicher Spiritualität und dem Ringen um die ständige Frage, welchen Themen sich die Kirche in der Welt heute zu stellen hat, auch in dieser Hinsicht ist Kardinal König ein Wegweiser, der Mut macht und herausfordert. Der offen war auch für den politischen Dialog und für eine Kirche stand, die zu den Menschen geht.

Es ist an der Zeit "Danke" zu sagen. Ein großer Mann mit einem weiten, offenen Herzen und einem weiten Geist ist uns geschenkt gewesen. Eine "Danke" an ihn, der sich nicht verweigert hat, sondern gegeben hat, bis zur "letzten Wegstrecke" - wie er es immer wieder gesagt hat. Ein "Danke" auch Ihn, Gott, den Herrn der Zeiten, der Franz Kardinal König, nun noch näher zu sich kommen hat lassen und zu sich gerufen hat.

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Peter Wesely
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