NEWS: Tobias Moretti macht sich kritische Gedanken über Österreich

Im NEWS-Interview spricht der Schauspieler über Vergangenheits-bewältigung und politische Gegenwart: "Gott hat für uns Hitler erfunden damit wir eine Ausrede haben."

Wien (OTS) - In einem Interview für die morgen erscheinende
Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS macht sich der Schauspieler Tobias Moretti kritische Gedanken über sein Heimatland. Moretti, der zur Zeit in der Fernsehproduktion "Speer und Er" Adolf Hitler verkörpert, sieht seine schwierige Rolle auch als notwendige Aufarbeitung unserer Vergangenheit. Moretti: "Es gibt bis heute keine auch nur annähernd akzeptable Aufarbeitung unserer Vergangenheit. Genauso viele Bürgerliche wie Sozialisten waren bei den Nazis. Heute sagt jeder, damit will ich nix zu tun haben. Wir gehen den Weg des geringsten Widerstands, und das ärgert mich, weil es Betrug ist. Wir betreiben eine Schuldzuweisung, die uns nicht weh tut - der Hitler allein war's, der Verrückte, der Teufel! Manchmal denke ich mir, der liebe Gott hat für uns Hitler erfunden, damit wir eine bequeme Ausrede haben."

Nach wie vor orte er, Moretti, in unserer Gesellschaft faschistisch totalitäre Gefahr. Moretti: "Ja, es gibt eine grauenhafte Polarisierung zwischen einer funktionierenden Konsumgesellschaft und einer wirtschaftlich ausgepowerten Randgesellschaft - eine Kluft, die etwas unheimlich Faschistoides hat. Auch wenn die Führer ausgedient haben, aber ihre Handlanger bleiben. Die Täter, die sich zu Opfern machen, findet man heute in jeder Vorstandssitzung zur Genüge."

Kritik übt Moretti auch an der österreichischen Innenpolitik: "Ich kann unsere Politik schon lange nicht mehr ernst nehmen. Das Parlament ist ein völlig unwichtiges Komödiantenkabinett. In Wien ist man sich weder seiner Rechte in Europa noch seiner Pflichten für Europa bewusst. Einerseits wollen wir immer nur abschöpfen und nichts einbringen, andererseits ist unsere Politik zu feige die Grundrechte des Einzelnen gegen die Unbarmherzigkeit der Globalisierung zu verteidigen." Bittere Konklusio: "Bei uns herrscht betuliche Operettenzufriedenheit."

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