1. Fall der Woche: 46 Arbeitsjahre, Pension um 7,5 % gekürzt

~ AK Niederösterreich beweist: Pensionskürzung ist bereits in Kraft ~

Wien (OTS) - Die wiederholt aufgestellte Behauptung von Seiten der Regierungsparteien, dass es in diesem Jahr noch keine dramatischen Pensionskürzungen geben könne, ist falsch.
Pensionskürzungen von bis zu 10 % treten nicht nur bereits heuer in Kraft, sie treffen Arbeitnehmer mit 44, 45, ja sogar mit 46 Beitragsjahren. Die AKNÖ wird jede Woche einen konkreten Fall veröffentlichen, der durch Berechnungen der Pensionsversicherungsanstalt und einer zusätzlichen Überprüfung durch die Sozialrechtsexperten belegt und bewiesen ist.

Lauftext:
Paul Sch. aus dem Bezirk Lilienfeld (NÖ) wird im November dieses Jahres 60 Jahre alt. Dieser Arbeitnehmer hat im Alter von 14 Jahren eine Lehre als Werkstoffprüfer begonnen. Ein 9. Pflichtschuljahr gab es 1958 in Österreich noch nicht. Nach dem Bundesheer arbeitete Paul Sch. in einem Metallbetrieb im Traisental. Im Zuge der Krise der Verstaatlichten Industrie verzichtete die Belegschaft auf 10 bis 15 Prozent ihrer Löhne, um den völligen Zusammenbruch der Standorte Traisen, Marktl und St. Aegyd und die Verödung ganzer Landstriche zu verhindern. Ohne den Lohnverzicht Zehntausender Arbeiter in den Krisenjahren gäbe es in vielen alten Industrietälern heute statt Werks- höchstens Lagerhallen.
Nach 32 Jahren als Metallarbeiter erwarb Paul Sch. im 2. Bildungsweg zusätzliche Qualifikationen und wurde Angestellter und zum Glück nie arbeitslos. Durch Fleiß und Weiterbildung wird Paul Sch. bis zu seinem 60. Geburtstag im November 553 Versicherungsmonate (davon 9 Ersatzmonate beim Bundesheer) vorweisen können. Bekommt Paul Sch. nach 46 Versicherungsjahren nun 80 Prozent Pension von seiner Bemessungsgrundlage? Nein. Seine 46 Versicherungsjahre reichen nach der Pensionsreform 2003 nur noch zu 73,99 Prozent. Das ist gegenüber den versprochenen 80 Prozent ein Verlust im Auszahlungsbetrag von 7,5 Prozent.
Paul Sch. wird mit Abschlagszahlungen von 3,5 Prozent pro Jahr als "Frühpensionist" bestraft, weil er nach 46 Arbeitsjahren schon mit 60 und nicht mit 65 Jahren in Pension geht. Zusätzlich trifft ihn die Senkung des Aufwertungssatzes von 2 auf 1,78 Prozent, obwohl er - so wie viele Tausende Arbeiter mit ähnlichem Berufsverlauf - das Maximum an Beiträgen in das Sozialsystem geleistet hat. "Aber nach der Pensionsreform 2003 reichen auch 46 Arbeitsjahre nicht für eine gerechte Pension", kritisiert AKNÖ-Präsident Staudinger den sozialpolitischen Rückschritt. Und Paul Sch. ist sich sicher, dass keiner der Abgeordneten, die im Parlament für diese Pensionskürzung gestimmt haben, bereits als 14-Jährige in einer rußigen, rauchigen, einmal heißen, einmal kalt-zugigen Fabrikshalle zu arbeiten begonnen haben.

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