"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das Debakel in Salzburg war mehr als ein Betriebsunfall " (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 10.03.2004

Graz (OTS) - Kärnten war ein Spektakel, Salzburg ein Debakel.

Klar, dass alle gebannt in den Süden blicken, weil es dort dem Zorro der Politik gelungen ist, in einer verwegen Aufholjagd die bereits verloren gewähnte Macht zurückzuerobern. Gut
möglich, dass Jörg Haider jetzt die Erwartungen, dass er sich für die ihm von Wolfgang Schüssel angetane Schmach rächen werde, enttäuscht und Ruhe gibt. Das muss nicht heißen, dass
er sich ins Ausgedinge am Wörthersee zurückzieht. Der Kärntner Landeshauptmann ist und bleibt die bestimmende Kraft der FPÖ.

Auch der Bundeskanzler wird seine Lehren aus Knittelfeld gezogen haben. Schüssel ist klug genug, um Haider einzubinden. Der Pakt von Kitzeck hat gezeigt, dass es funktionieren kann.
Die Steuerreform wurde rasch und geräuschlos beschlossen.

Viel mehr muss Schüssel wegen Salzburg beunruhigt sein. Hätte Haider nicht triumphiert, dann gäbe es jetzt vier rote Bundesländer:
Wien, Burgenland, Salzburg und Kärnten. Die Säulen,
auf denen die ÖVP die bitteren Zeiten der Opposition überdauerte, sind mit dem Fall der uneinnehmbar geltenden Festung an der Salzach ins Wanken geraten.

Allein Franz Schausberger für den Verlust verantwortlich zu machen, wäre Selbstbetrug. Der abgetretene Landeshauptmann trägt ein gerüttelt Maß an Schuld. Er war kein Landesvater,
sondern ein Landesfürst, der in der prachtvollen Festspielstadt Residenz hielt. Dass die ÖVP ihren Stimmenanteil halten konnte, war ohnehin ein kleines Wunder.

Das eigentliche Alarmsignal für Schüssel ist aber die Rückkehr ehemaliger Blauer zur den Roten. Der Bundeskanzler verdankte seinen Sieg bei den Nationalratswahlen 2002 dem Umstand,
dass die von der FPÖ enttäuschten Haider-Wähler von 1999 innerhalb des schwarz-blauen Bündnisses die Lager wechselten. Auch bei den auf die Neuauflage der Koalition folgenden
ahlen in Graz und in Niederösterreich kam es zum Blutaustausch. Es handelte sich nur um Leihstimmen und um keine Erbpacht. In Oberösterreich und nun in Salzburg erntete die SPÖ -
mit dem proletarischen Erich Haider und der modernen Gabi Burgstaller.

Ein später Nachtisch zum Spargelessen. Alfred Gusenbauer hat zwar nicht die Unterstützung der FPÖ im Parlament erhalten, aber das Stigma beseitigt, dass Haider-Wähler Aussätzige
wären. Das erleichterte die Heimkehr abgewanderter SPÖ-Wähler. Dort, wo sie nicht mehr ausgegrenzt wurden.

Schüssel wird sich etwas einfallen lassen müssen. ****

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