"Keim des Scheiterns" von Thomas Neuhold

DER STANDARD - Ausgabe des 10.3.2004

Wien (OTS) - Wie ernst nimmt die Salzburger Volkspartei nach der Niederlage vom vergangenen Sonntag eigentlich die Regierungsverhandlungen mit der SPÖ? Diese Frage müssen sich die Schwarzen an der Salzach nach der Präsentation ihres Verhandlungsteams gefallen lassen.

Die meisten der VP-Unterhändler werden die politischen Konsequenzen allfälliger Abmachungen mit den Sozialdemokraten selbst nur mehr als Beobachter miterleben. Franz Schausberger verlässt die politische Bühne, auch Landtagspräsident Georg Griessner ist ein Auslaufmodell. Halleins Bürgermeister Christian Stöckl wiederum schwört tausend Eide, nicht in die Landesregierung zu wechseln. Und dass der bisherige Wirtschaftslandesrat Wolfgang Eisl seinen Sessel retten kann, ist unwahrscheinlich. Bleibt Wilfried Haslauer junior als einziger Fixstarter für einen Regierungssitz, der ein allfälliges Regierungsübereinkommen auch leben müsste.

Dass die ÖVP noch einmal die alte Garde aufbietet, kann den Versuch, eine rot-schwarze Regierung zu bilden, ernsthaft gefährden. Für die in den Jahren der schwarzen Dominanz groß gewordenen ÖVP-Männer sind inhaltliche Zugeständnisse und der Machtverlust an die Roten psychologisch viel schwerer zu verdauen als für junge und unverbrauchte Politiker. Das gilt vor allem für Schausberger selbst. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Chemie zwischen dem barocken Schausberger und der SP- Powerfrau Gabi Burgstaller nicht stimmt. Und dann soll ausgerechnet der von Burgstaller am Sonntag so schwer Gedemütigte über seinen Schatten springen und ohne persönliche Ressentiments mit der siegreichen Konkurrentin klug und geschickt verhandeln? Das ist vom abgewählten Landeshauptmann schon sehr viel verlangt - vielleicht zu viel.

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