Volkswagen-Konzern detailliert Entwicklung 2003

Erfolge beim Strukturwandel können schwierige Rahmenbedingungen nicht ausgleichen

Wolfsburg (OTS) -

  • Pischetsrieder: "ForMotion" verdoppelt Anstrengungen für Einsparungen und Leistungssteigerung
  • Modelloffensive wird fortgesetzt
  • Marktanteile in wichtigen Märkten gewonnen

Der Volkswagen-Konzern ist mit seinem Umbau hin zu einem schlagkräftigen Mehrmarken-Konzern 2003 trotz der unbefriedigenden Ergebnisentwicklung ein erhebliches Stück weitergekommen. "Wir haben damit einen weiteren wesentlichen Schritt hin zur Zukunftssicherung getan", resümierte der Vorstandsvorsitzende Dr. Bernd Pischetsrieder am Dienstag in Wolfsburg bei der Vorlage der Bilanz 2003. Durch die vor zwei Jahren eingeleitete Neuausrichtung der Modellstrategie rücke das Ziel einer Marktabdeckung von 85 Prozent näher. Volkswagen wolle in allen relevanten, das heißt lukrativen Nischen vertreten sein. Die im Berichtsjahr eingeleitete Reorganisation des Vertriebs hin zu weltweiter Volumen- und Ergebnisverantwortung der Marken trage Früchte. Im Berichtsjahr sei trotz des harten Wettbewerbsumfelds wieder die Marke von 5 Millionen Fahrzeugauslieferungen überschritten und der weltweite Marktanteil leicht gesteigert worden. In Deutschland habe er sogar erhöht werden können. "In China haben wir zudem unsere Marktführerschaft erfolgreich verteidigt", so der Vorstandsvorsitzende. Der Umsatz erreichte 87,2 (Vorjahr: 86,9) Mrd. EUR.

Allerdings hätten sich diese Erfolge nicht im gewünschten Maße im Ergebnis niedergeschlagen. Sie seien vielmehr durch negative Effekte wie den starken Euro, die schwache Konjunktur und den daraus resultierenden Margendruck überlagert. Das Ergebnis vor Steuern lag bei 1,5 (4,0) Mrd. EUR, das Nachsteuerergebnis bei 1,1 (2,6) Mrd. EUR. Der Hauptversammlung schlagen Vorstand und Aufsichtsrat eine Dividende je Stammaktie von 1,05 (1,30) EUR und je Vorzugsaktie von 1,11 (1,36) EUR vor.

Volkswagen müsse zur Kenntnis nehmen, dass es bislang keine Anzeichen für ein Anziehen der Konjunktur gebe. Die gesamte Automobilbranche sei anhaltenden Belastungen aus den Märkten und hohen Wechselkursen ausgeliefert. Der Volkswagen-Konzern begegne dieser Entwicklung mit dem Maßnahmenprogramm "ForMotion". Mit "ForMotion" verdoppele der Volkswagen-Konzern seine Anstrengungen zur Ergebnissicherung und wolle bis Ende 2005 rund 2 Mrd. EUR zusätzlich einsparen. Wie Pischetsrieder weiter erklärte, belief sich der für diesen Zeitraum bisher geplante Umfang der Einsparungen auf ebenfalls 2 Mrd. EUR.

"ForMotion" habe vorbeugenden Charakter und ziele ab auf Umsatzsteigerung, Ertragssteigerung, Kostensenkung und eine weitere Reduzierung der Kapitalbindung im Konzern. "Wir arbeiten an wesentlichen Teilen des Programms bereits seit zwei Jahren - jetzt allerdings mit deutlich verschärftem Tempo und zusätzlichen Maßnahmen", so der Vorstandsvorsitzende.

"ForMotion" sei in seiner umfassenden Form einmalig für Volkswagen und umfasse sieben Themenkreise:

  • Produktkosten
  • Einmalaufwand
  • Gemeinkosten/Prozessoptimierung
  • Leistungssteigerung des Vertriebs
  • Ausschöpfung der Ertragspotenziale bei Financial Services
  • Ergebnisverbesserung bei Volkswagen Nutzfahrzeuge
  • Ergebnissteigerung bei Auslandstöchtern

Jeder Themenkreis werde von einem Vorstandsmitglied als Promotor begleitet, dem wiederum ein funktionenübergreifendes Team zur operativen Umsetzung unterstehe. Es gehe bei "ForMotion" nicht nur um Kosten, sondern auch um Leistungssteigerung, also die Differenz zwischen Aufwand und Ertrag, so der Vorstandsvorsitzende. Kein Konzernteil werde davon ausgenommen, alles komme auf den Prüfstand. So würden alleine vier der sieben Programmpunkte auf eine konzernweite Wirkung abzielen, drei seien auf maßgebliche Einflussnahme bei Konzernteilen zugeschnitten.

Beispielhaft nannte der Vorstandsvorsitzende den konzernweit angelegten Themenkreis "Produktkosten", der den prozentual höchsten Beitrag zur Ergebnissicherung leisten soll. Dazu gehöre eine deutliche Ausweitung des Einbaus gleicher Teile in unterschiedliche Modellreihen. Damit ließen sich die Stückkosten verringern, ohne die hohen Qualitätsstandards zu gefährden. Als weiteres wichtiges Element von "ForMotion" bezeichnete Pischetsrieder alle Maßnahmen zur Verringerung des Einmalaufwands. "Wir entwickeln die Plattformstrategie noch schneller als bisher geplant zu einer Modulstrategie weiter. Es wird noch mehr Energie darauf verwendet, Doppelarbeit im Konzern zu vermeiden und unsere Ressourcen damit effizienter einzusetzen". Als weiteres konzernweites Ziel von "ForMotion" nannte Pischetsrieder die Absenkung der Gemeinkosten. Diese führe u.a. dazu, dass durch die Vorruhestandsregelung in Deutschland und natürliche Fluktuation weltweit 3,5 Prozent der derzeit beschäftigten Mitarbeiter abgebaut würden. Pischetsrieder betonte, dass dies nicht mit einem Einstellungsstopp verbunden sei.

Ein weiteres Element von "ForMotion" ist die Prozessoptimierung sowie die Leistungssteigerung des Vertriebs. Die Maßnahmen für Teilkonzerne konzentrieren sich auf Ergebnissteigerungen bei Vertriebstöchtern im Ausland, eine Ergebnisverbesserung bei Volkswagen Nutzfahrzeuge sowie die Ausschöpfung weiteren Ergebnispotenzials bei Financial Services. Letztere habe auch 2003 wieder einen stabilisierenden Beitrag zum Konzernergebnis geleistet. "In der derzeitigen Wirtschaftslage ist das Geschäftsfeld attraktiver denn je", hob Pischetsrieder die strategische Bedeutung dieser Sparte für die Entwicklung des Unternehmens hin zum Mobilitätskonzern hervor.

"Als verantwortungsbewusst handelndes Management sichern wir mit "ForMotion" die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens", sagte der Vorstandsvorsitzende weiter. Minimalziel sei ein ausgeglichener Cash-flow im Jahr 2004.

Ausblick 2004

Die Automobilmärkte sind laut Pischetsrieder extrem schwach in das neue Jahr gestartet. Das gelte besonders für den Januar während im Februar leichte Tendenzen zu einer Verbesserung erkennbar gewesen seien. Obwohl der Volkswagen-Konzern in dem Zeitraum seine Marktanteile in wichtigen Märkten gegen den Trend steigern konnte, stehe fest, dass "das erste Quartal auch im Vergleich zum Vorjahr miserabel wird". Neben der Marktlage belasteten hier einmalig Neuanläufe für Konzernfahrzeuge wie den Audi A6, den SEAT Altea oder den Skoda Octavia. Dazu kommen Einmaleffekte durch die Umstellung von Händler- und Importeurverträgen gemäß Gruppenfreistellungsverordnung (GVO).

Die sich damit bislang abzeichnende schwierige Gesamtmarktsituation führt für Volkswagen außerhalb Chinas voraussichtlich nur zu einer leichten Steigerung des Fahrzeugabsatzes in 2004 gegenüber dem Vorjahr. Mit der Fortführung der Modelloffensive kommt Volkswagen 2004 dem Ziel näher, immer stärker auch in profitablen Marktsegmenten vertreten zu sein. "Das ist für Volkswagen eine echte Chance. Wir können den harten Preiskampf im Massenmarkt ausbalancieren, indem wir die Margenspielräume in lukrativen Nischen nutzen", so der Vorstandsvorsitzende. Dazu gebe es keine Alternative. "Ein 'entweder - oder' ist für die Segmentpolitik von Volkswagen keine Option." Das Programm "ForMotion" stelle sicher, dass trotz des skizzierten schwierigen Umfelds die erforderlichen Mittel erwirtschaftet würden, um diesen Weg konsequent weiter zu beschreiten.

Pischetsrieder machte zudem deutlich: "Eine Volumensteigerung um jeden Preis ist nicht sinnvoll." Vor dem Hintergrund des zunehmenden Preisdrucks, der schwachen Konjunktur und der ungünstigen Wechselkurse sei es für den Konzern ein durchaus anspruchsvolles Ziel, in 2004 das Operative Ergebnis des Vorjahres von rund 2,5 Mrd. EUR vor Sondereinflüssen zu übertreffen. "ForMotion" werde dabei maßgeblich unterstützen.

Wechselkurseffekte drücken auf Umsatz und Ergebnis

Zum abgelaufenen Jahr führte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch aus, dass der Umsatz des Volkswagen-Konzerns von 87,2 (Vorjahr: 86,9) Mrd. EUR ohne Belastungen aus Wechselkurseffekten um 3,5 Mrd. EUR höher ausgefallen wäre. Preisdruck, Nachfrageschwäche und Belastungen aus Modellumstellungen und Neuanläufen summierten sich zu einem Rückgang des Bruttoergebnisses um 23,8 Prozent auf 10,7 (14,0) Mrd. EUR. Damit erklärt sich die Verminderung des Operativen Ergebnisses vor Sondereinflüssen um 47,7 Prozent auf 2,5 (4,8) Mrd. EUR.

Sondereinflüsse belasten zusätzlich

Die belastenden Sondereinflüsse setzten sich zusammen aus Restrukturierungsaufwendungen in Brasilien in Höhe von 133 Mio. EUR und Neubewertungen von Vorleistungen im Volumen von 578 Mio. EUR. Es handle sich hierbei um außerplanmäßige Abschreibungen auf in Vorjahren aktivierte Entwicklungskosten und Spezialwerkzeuge sowie nicht vorgenommene Aktivierungen von Entwicklungskosten des Jahres 2003. Diese negativen Sondereinflüsse drückten das Operative Ergebnis des Volkswagen-Konzerns weiter auf 1,8 Mrd. EUR, was einem Rückgang um 62,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

2003 erzielte einzig die Sparte Finanzdienstleistungen/Europcar einen Zuwachs im Operativen Ergebnis und erreichte 894 (721) Mio. EUR.

Das Ergebnis vor Steuern erreichte 1,53 (3,99) Mrd. EUR. Der Steueraufwand verringerte sich um 70,3 Prozent auf 0,41 (1,39) Mrd. EUR. Ursache sind die Verminderung des Vorsteuerergebnisses sowie ein positiver Einmaleffekt durch erstmalig zu erfassende Steuervergünstigungen bei Konzerngesellschaften mit Sitz in osteuropäischen EU-Beitrittsländern. Die Steuerquote sank somit auf 26,9 (34,9) Prozent. Nach Steuern erwirtschaftete der Volkswagen-Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Überschuss von 1,1 (2,6) Mrd. EUR.

Absicherung gegen Währungsschwankungen

Der Export des Volkswagen-Konzerns in den US-Dollar-Raum hat gegenwärtig ein Volumen von rund 12 Mrd. EUR pro Jahr. Rund die Hälfte davon sei durch so genannten Natural Hedge abgesichert, worunter beispielsweise die Produktion in dieser Region zu verstehen sei. Der "Natural Hedge" würde weiter ausgebaut, um die Wertschöpfung im US-Dollar-Raum zu erhöhen. Die andere Hälfte sei für 2004 zu rund 70 Prozent mit Finanzinstrumenten abgesichert, die keinen spekulativen Charakter hätten.

Investitionsquote weiter reduziert

Mittelfristig strebt der Volkswagen-Konzern nach den Worten Pötschs eine Investitionsquote von unter 7 Prozent vom Umsatz an. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden die Sachanlagenzugänge des Konzernbereichs Automobile gegenüber dem Vorjahr bereits um 416 Mio. EUR oder 4,5 Prozent auf 8,8 Mrd. EUR reduziert. Gegenüber dem ursprünglich geplanten Budget sei der Rückgang mit 820 Mio. EUR noch wesentlich deutlicher ausgefallen. Der Netto-Cash-flow verminderte sich um 1,5 Mrd. EUR und lag demnach bei - 2,5 Mrd. EUR.

Weltmarktanteil leicht gestiegen

Volkswagen erreichte 2003 mit weltweit 5,015 (4,984) Mio. an Kunden ausgelieferten Fahrzeugen einen Weltmarktanteil von 12,1 (12,0) Prozent. In Westeuropa waren es 2,729 (2,827) Mio. Fahrzeuge, wobei Deutschland mit 943.136 (940.129) Auslieferungen weiterhin der größte Einzelmarkt war. In Zentral- und Osteuropa erreichte die Zahl ausgelieferter Fahrzeuge 332.259 (322.263), in der Region Asien-Pazifik 807.029 (620.761), in Nordamerika 630.936 (663.278) und in Südamerika/Südafrika 425.315 (476.612). Dabei entfielen 3,526 (3,501) Mio. Fahrzeuge auf die Markengruppe Volkswagen sowie 1,231 (1,203) Mio. auf die Markengruppe Audi und 257.957 (280.385) auf den Nutzfahrzeugbereich.

Beschäftigungssituation

Weltweit beschäftigte der Konzern im Durchschnitt des Berichtsjahres rund 335.000 (324.000) Mitarbeiter, davon 174.000 (168.000) bei inländischen Gesellschaften, was einem Anteil von 52,0 Prozent entspricht. Die Zunahme der Beschäftigten ist im Wesentlichen auf Erweiterungen im Konsolidierungskreis zurückzuführen.

ots Originaltext: Volkswagen AG

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