ÖSTERREICHISCHE FRAUENKARRIEREN UND IHRE BARRIEREN Prominente Frauen und ihre persönlichen beruflichen Erfahrungen

Wien (PK) - Im Anschluss an die Präsentation des Buches "Österreich in Männerhand? Ein Land als Herrenclub - und wie es Frauen trotzdem schaffen" fand noch eine spannende Diskussion
statt, bei der die portraitierten Frauen von ihren persönlichen Erfahrungen und Schwierigkeiten im beruflichen Leben berichteten. Die Autorin des Buches Petra Stuiber moderierte das Gespräch, an dem Nationalratsabgeordnete Beate Schasching (ASKÖ Wien),
Eleonore Bayer (Katholische Frauenbewegung), Brigitte Handlos (Frauennetzwerk Medien), Harald Katzmeier (FAS.research), Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat, Susanne Riess-Passer (Wüstenrot), Universitätsprofessorin Marianne Popp sowie Gabriele Zuna-Kratky (Technisches Museum) teilnahmen.

Keinesfalls einfach gestaltete sich etwa der Einstieg in die
Politik für die Frauen- und Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat. Sie berichtete zum Beispiel davon, dass sie aufgrund
einer von zwei männlichen Konkurrenten initiierten
"Streichaktion" auf einen unwählbaren Platz auf der Bezirksparteiliste gerückt wurde, obwohl sie immer "nett und lieb war" und die ganze Arbeit gemacht habe. Erst ein Gespräch mit Erhard Busek konnte sie davon abhalten, gleich wieder aus der Politik auszusteigen, bevor sie noch richtig eingestiegen war. So ergehe es sicher vielen jungen Frauen, war Rauch-Kallat
überzeugt, und außerdem unterliege ihre Arbeit einer sehr kritischen Bewertung durch die Gesellschaft. Warum tut sie das?
Hat sie keinen Mann gefunden? Oder, wenn sie einen Mann gefunden hat, ist es ihm überhaupt Recht? - Mit solchen Fragen seien
Frauen, vor allem aus ihrem unmittelbaren Umfeld, konfrontiert. Außerdem sind Frauen wohl auch weniger bereit, um Ämter zu streiten. Rauch-Kallat erachtete es daher für wichtig, Frauen zu ermutigen, politisches Engagement zu ergreifen und sie auch entsprechend darauf vorzubereiten.

Obwohl schon viele Frauen Entscheidungspositionen in den Medien innehaben, gebe es zum Beispiel noch immer keine weibliche Chefredakteurin bei den österreichischen Tageszeitungen, zeigte Brigitte Handlos auf. Die Vorsitzende des Frauennetzwerkes Medien meinte, dass den Frauen in den obersten Ebenen, wie etwa beim
ORF, eine besondere Vorbildwirkung zukomme. Für ausgesprochen wichtig hielt Handlos die beruflichen Netzwerke, auch wenn sie
nicht die "große Wunderwaffe" sind. Die primären Handikaps der Frauen seien ihrer Meinung nach, dass sie häufig zu scheu sind, Konflikte offen auszutragen und die Tatsache, dass Frauen sehr
oft "in die Freundschaftsfalle tappen". Ein wichtiges Anliegen
von Handlos war auch, Frauen in den Medien präsenter zu machen, zumal Untersuchungen zeigen, dass der weibliche Teil der Bevölkerung nur zu 18 % in den Hauptnachrichten vorkomme.

Über reichhaltige Erfahrungen in männerdominierten Berufszweigen verfügt auch die ehemalige Vizekanzlerin und FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer, die nach dem Ausstieg aus der Politik Vorstandsvorsitzende bei Wüstenrot wurde. Sowohl im politischen Bereich als auch in der Finanzwirtschaft seien Frauen in hohen Positionen noch immer nicht selbstverständlich, meinte sie. Riess-Passer war davon überzeugt, dass Frauen grundsätzlich mehr zu leisten hätten als Männer und außerdem sehr stark nach äußeren Kriterien beurteilt würden. Sie habe allerdings festgestellt,
dass die Frauen mit immer mehr Selbstbewusstsein im Berufsleben auftreten. Wichtig sei ihrer Meinung nach auch, sich nicht in "Frauenbiotope" abdrängen zu lassen.

Die Nationalratsabgeordnete und Präsidentin des ASKÖ Wien, Beate Schasching, berichtete über ihre Erfahrungen in der Männerdomäne Sport. Obwohl mehr als die Hälfte der aktiven Sportler bereits weiblich sind, gebe es wenige Funktionärinnen und auch kaum Sportjournalistinnen. Grund dafür sei oft das "frauenfeindliche Umfeld" bei den Vereinen, da z.B. bei den Sitzungen kaum auf die Bedürfnisse von Frauen mit Kinderbetreuungspflichten Rücksicht genommen werde. In den letzten Jahren habe aber schon ein
gewisser Bewusstseinswandel stattgefunden und dieser Weg müsse
auch fortgesetzt werden, da gerade bei den Vereinen der
Grundstein für eine Funktionärstätigkeit gelegt werde.

Das Verhältnis der Kirche zu den Frauen beleuchtete dann Eleonore Bayer von der Katholischen Frauenbewegung Österreichs. Sie sei zu einer Zeit eingestiegen, als es eine große Aufbruchstimmung gab. Auch wenn die Entwicklungen sehr langsam vor sich gehen, seien Veränderungen feststellbar, führte sie weiter aus, und wies
darauf hin, dass das ökumenische Forum für Christinnen vor mehr als zehn Jahren den sexuellen Missbrauch in der Kirche erstmals thematisiert habe. Mittlerweile gebe es auch eine Beratungsstelle für Opfer von sexueller Gewalt und Frauenförderpläne in einigen Bundesländern.

Die Universitätsprofessorin Marianne Popp sprach die spezifischen Probleme von Frauen im wissenschaftlichen Bereich an. Obwohl es immer mehr Studentinnen an den Unis gebe, liege der Frauenanteil
bei den Professorenstellen nur bei 6,8 %. Die Dekanin an der Fakultät für Naturwissenschaften und Mathematik sprach sich dafür aus, jene Institute besonders zu fördern, die sich bemühen, den Frauenanteil zu erhöhen. Sie beklagte auch, dass z.B. bei Kongressen und Tagungen noch immer keine Kinderbetreuungsmöglichkeiten angeboten werden. Für problematisch erachtete sie es jedoch, wenn Professorenstellen nur für Frauen ausgeschrieben werden.

Der einzige männliche Vertreter in der Diskussionsrunde, der Sozialwissenschafter Harald Katzmeier (FAS.research), zeigte auf, welche strukturellen Unterschiede im Hinblick auf die
"Vernetzung" von Männern und Frauen festzustellen sind. Die Untersuchungen hätten gezeigt, dass Männer meist Multifunktionäre sind und in bis zu 40 Aufsichtsräten vertreten wären. Männer machen auch dadurch Karriere, dass sie abteilungsübergreifende Netzwerke aufbauen, während Frauen "fokussieren" und sich etwa Mentoren in der Organisation suchen. Auffallend sei auch, dass es bei Männern keinen Unterschied mache, ob sie ledig oder
verheiratet sind, während bei verheirateten Frauen mit Kindern
die "Netzwerke einbrechen".

Die Bedeutung von Netzwerken hob auch Gabriela Zuna-Kratky, die Direktorin des Technischen Museums in Wien,, hervor. Sie müssten allerdings breit gefächert sein und viele altersspezifische und berufsspezifische Sparten umfassen. Wichtig wäre es auch, dass
sich die Frauen zur Macht bekennen und sie selbstbewusst
ergreifen. In ihrem beruflichen Umfeld sehe sie jedoch, dass
immer mehr Frauen, in Männerdomänen vordringen und sie hoffe daher, dass das Buch nicht lange aktuell sein wird. (Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPA0003