WIE WEIT IST ÖSTERREICH IN MÄNNERHAND? Zweiter NR-Präsident Fischer präsentiert neues Buch im Parlament

Wien (PK) - Die Macht der Männer und der Vormarsch der Frauen -
das ist das zentrale Thema eines neuen Buches, das heute
anlässlich des Internationalen Frauentages im Parlament präsentiert wurde. Unter dem Titel "Österreich in Männerhand? Ein Land als Herrenclub - und wie es Frauen trotzdem schaffen" begibt sich Journalistin Petra Stuiber auf Spurensuche durch das männerdominierte Österreich und "entdeckt" dabei so manche Frau, die auf dem Weg nach oben ist bzw. es schon geschafft hat.

Zweiter Nationalratspräsident Heinz Fischer konnte zur heutigen Buchpräsentation ein bunt gemischtes Publikum begrüßen, darunter Bundesministerin Maria Rauch-Kallat, Ex-FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer, SPÖ-Frauenvorsitzende Barbara Prammer, FPÖ-Abgeordnete Helene Partik-Pable und die ehemaligen Spitzenpolitikerinnen
Heide Schmidt (L) und Freda Meissner-Blau (Grüne). Er erneuerte dabei einen jüngst gemachten Vorschlag, um die Chancen von Frauen in der Politik zu verbessern. Fischer fragt sich, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn alle vier Parlamentsparteien gemeinsam im Österreich-Konvent anregen, bei KandidatInnenlisten für Wahlen verpflichtend ein Reißverschlusssystem vorzusehen. Auf einer
Liste dürften demnach keine zwei Personen des gleichen
Geschlechts hintereinander kandidieren, dieses Prinzip hätten
alle Parteien zwingend anzuwenden.

Ein Vertreter des Verlags Carl Ueberreuter berichtete, der Verlag habe eigentlich ein Buch über das "schwarze" Österreich haben wollen, über die von der ÖVP dominierten Bereiche und über ihre Wählerschaft, und sei auch in diesem Sinn an die Autorin herangetreten. Politische Bücher hätten allerdings den großen Nachteil, dass sie, wenn sich die politische Situation ändere,
sehr bald alt ausschauten, verwies er auf entsprechende
Widerstände Stuibers. Letztendlich sei es also ein Buch über die Männerdominanz in Österreich geworden, und diese sei so groß, dass das Buch wahrscheinlich noch lange aktuell sein werde.

Petra Stuiber wies auf die zahlreichen Frauen hin, die in irgendeiner Weise am Buch mitgewirkt haben, sei es, dass sie ihr lange, persönliche Interviews gaben, sei es durch Versorgung der Autorin mit Datenmaterial. Eine dieser Frauen, SPÖ-Abgeordnete Beate Schasching (ASKÖ Wien), verlieh ihrer "ungeheuren Freude" über das Erscheinen des Buches Ausdruck und meinte, es habe Spaß gemacht, an dessen Zustandekommen beteiligt zu sein.

Über das Thema des Buches diskutierten anschließend neben Schasching Eleonore Bayer (Katholische Frauenbewegung), Brigitte Handlos (Frauennetzwerk Medien), Harald Katzmeier (FAS.research), Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat, Susanne Riess-Passer (Wüstenrot), Universitätsprofessorin Marianne Popp und Gabriele Zuna-Kratky (Technisches Museum).

DAS BUCH

Stuiber beschreibt in ihrem Buch, welche Netzwerke Männer für ihren Aufstieg nutzen und wie sie weibliche Konkurrenz abwehren, vertritt aber gleichzeitig die optimistische These, dass sich Österreichs Frauen auf dem Vormarsch befinden. Zwar würden Männer nach wie vor an den Schaltstellen der Republik sitzen, starke
Frauen kümmerten sich aber, so Stuiber, immer weniger darum. Überall würden sie weiter nach vorne dringen, sich vernetzen und ihre Karriereplanung professionalisieren. "Der Fortschritt ist weiblich."

Um dies zu unterstreichen, webt Stuiber in die einzelnen Kapiteln des Buches Geschichten von erfolgreichen Frauen ein, seien es prominente wie Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, Ex-FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer, Siemens-Managerin Brigitte Ederer, Spitzensportlerin Steffi Graf oder ORF-Generalintendantin Monika Lindner, seien es weniger bekannte wie ÖGB-Organisationssekretärin Roswitha Bachner oder Anna Maria Hochhauser, stellvertretende Generalsekretärin der Wirtschaftskammer. All diese und viele andere Frauen, die die Autorin beim Namen nennt, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Männer nach wie vor Politik und Wirtschaft, Verwaltung und Sozialpartnerschaft, Wissenschaft und Kultur,
Medien und Sport und nicht zuletzt auch die Kirche dominieren,
wie Stuiber in den jeweiligen Kapiteln aufzeigt und auch immer wieder mit Daten und Fakten belegt.

Frauen sind in der Minderzahl, nicht nur im Parlament und in der Regierung, sondern überall, wo es um Leitungsfunktionen und Führungspositionen geht: im öffentlichen Dienst ebenso wie im ÖGB, in der Landwirtschaftskammer wie in den anderen Interessenvertretungen, in privaten Unternehmen wie an den Universitäten, in den Sportverbänden wie im Kulturbetrieb, usw. Was Wunder, dass, um nur einige der im Buch aufgezeigten Sachverhalte zu nennen, gendergerechte Budgetpolitik in
Österreich kein Thema ist, in Medien immer wieder die gleichen Experten zu Wort kommen und Frauen kaum sichtbar gemacht werden, wissenschaftliche Arbeiten nachgewiesener Maßen in der Regel schlechter bewertet werden, wenn ein Frauenname darunter steht,
und die Präsenz weiblicher Kunst in kommerziellen Galerien nur 10
% beträgt.

Je mehr man sich in das Buch vertieft, umso mehr verwundert
Stuibers Optimismus in Bezug auf den Vormarsch der Frauen. Wobei
sie sich selbst über das Tempo des Vormarsches keinen Illusionen hingibt. Es werde, heißt es im Vorwort, "mit Sicherheit noch dauern, bis auch an den Spitzenspositionen in Politik,
Wirtschaft, Medien, Sport und überall anders Geschlechterparität herrscht".

Petra Stuiber, geboren 1967 in Wien, war Redakteurin des
"Standard" und des "Format". Seit 2002 ist sie Österreich-Korrespondentin für "Die Welt". Das Buch "Österreich in Männerhand? Ein Land als Herrenclub - und wie es Frauen trotzdem schaffen" ist ihm Verlag Carl Ueberreuter erschienen, hat 191
Seiten und kostet 19.95 €. (Fortsetzung)

Rückfragen & Kontakt:

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPA0002