Ein Gespenst hat ausgedient

"Presse"-Glosse von Andreas Unterberger

Wien (OTS) - Am Wochenende sind nicht nur einige Karrieren abrupt
zu Ende gegangen. Auch das rot-grüne Gespenst ist in aller Stille verblichen. Die Warnungen vor einer Machtteilnahme der Grünen ziehen nicht mehr: Seit Oberösterreichs Volkspartei ohne nennenswerte Unverträglichkeitsreaktionen mit den Grünen regiert. Seit die Bundes-VP intensiv darüber verhandelt hat. Seit die Grünen in Habitus und Inhalt recht bürgerlich geworden sind. Seit aus Rabauken und Chaoten grauhaarige Krawattenträger geworden sind.
Das rot-grüne Deutschland eignet sich nicht mehr als ÖVP-Abschreckungswaffe gegen die einst linksradikale Opernball- und Hausbesetzer-Partei. Denn in Berlin sind die Grünen ja fast schon zum Inbegriff konservativer Vernunft geworden, etwa im Kampf für höhere Studiengebühren und eine stärkere Nato. Und wenn dennoch das Kabinett Schröder zerfallen sollte, dann nicht der Grünen wegen, sondern weil der linke SPD-Flügel gewerkschaftsnahe Realitätsverweigerung betreibt.
Das Kabinett Schröder II kann für die Wiener Regierung - wäre diese etwas besser beraten - nicht mehr das Negativbeispiel sein, das noch Schröder I gewesen ist, sondern ist eigentlich Verbündeter. Als Beispiel, das auch der SPÖ zeigen könnte: Durch die Plagen der Reform müssen wir jetzt alle durch. Auch wenn da wie dort Wähler noch eine Zeit lang davon träumen werden, dass es für überfettete Gesellschaften schmerzfreie Therapien gibt.

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