EU-Erweiterungsländer unter den Top-Exportregionen Österreichs

Entgegen dem weltweiten Trend satte Zuwächse bei österreichischen Ausfuhren in die 10 Erweiterungsländer zwischen 1,5% und 58,4%

Wien (PWK159) - "Auch wenn die Entwicklung der österreichischen Exporte im vergangenen Jahr im Vergleich zum Rekordjahr 2002 verhalten war, so stechen unter den Top-Exportdestinationen nach wie vor die EU-Erweiterungsländer hervor", betonte Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich(AWO) der WKÖ, anlässlich der Pressekonferenz zur WKÖ-Außenhandelstagung "EU-Erweiterungsländer". Während die weltweiten Ausfuhren in den ersten elf Monaten 2003 um nur 0,5 Prozent zulegten, lagen die Exportzuwächse etwa nach Litauen (+58,4%), Slowakei (9,5%), Slowenien (9,4%), Tschechien (5,2%), Polen (1,7%) oder nach Estland (1,5%) weit darüber. In alle zehn Erweiterungsländer machte der Zuwachs 1,4% aus. Der Anteil an den weltweiten österreichischen Exporten legte im Beobachtungszeitraum gegenüber der Vorjahresperiode für die EU-Erweiterungsländer von 12,5% auf 12,7% zu. Koren: "In den 80er Jahren waren es 4%, in den 90ern 10% und unser Ziel ist es, den Anteil bis 2007 auf 14% zu erhöhen."

Zum Vergleich: Die Ausfuhren nach Deutschland, der wichtigsten österreichischen Exportzieldestination, steigerten sich in den ersten elf Monaten 2003 nur um 0,5%. Die Ausfuhren in die EU-15 stagnierten in diesem Zeitraum und das Exportvolumen von 9,1 Mrd Euro in die Erweiterungsländer ist fast drei Mal so hoch wie jenes in die USA (3,7 Mrd Euro). Weiters deckt Österreich 9% des gesamten EU-Außenhandels mit den Erweiterungsländern ab - wobei Österreich aber nur 2% der EU-Bevölkerung stellt.

Unter den wichtigsten Exportdestinationen Österreichs nimmt Ungarn -trotz eines Rückgangs der Austro-Ausfuhren nach Ungern - immer noch vor Spanien, China oder Japan den siebenten Rang ein - die Tschechisch Republik ist 9., Polen 12. und die Slowakei 15.. Koren:
"Gute Chancen für österreichische Exportunternehmen oder Investoren bieten sich nach wie vor in den Erweiterungsländern, die sich mit dem bevorstehenden EU-Beitritt aber noch verbessern sollten - etwa durch den Wegfall der Grenzwartezeiten, die Just-In -Time-Lieferungen erleichtern werden."

Ein Ziel der AWO ist es, in allen benachbarten Ländern unter die Top 3 bei Auslandsinvestitionen zu gelangen - in Slowenien ist Österreich bereits die unangefochtene Nummer Eins, unter die Top 5 bei den Handelspartnern und bei der Anzahl der österreichischen Niederlassungen sollte Österreich den 2. Platz erreichen. Dafür setzt die AWO Branchenschwerpunkte und Maßnahmen (Informationspakete, Workshops, Seminare und Wirtschaftsmissionen) auch im Rahmen der gemeinsam mit der Bundesregierung gestarteten Internationalisierungsoffensive. "Ziel ist es, die Stärken der österreichischen Exportwirtschaft zu verstärken und Schwächen zu beseitigen" sagt Koren. Und weiter: "Es geht uns darum, die Anzahl der heimischen Exporteure bis 2007 zu verdoppeln und den geografischen Radius der Exporte zu erweitern." Neben der Unterstützung der Warenexporte liege ein Schwerpunkt der Initiative in der Förderung von Auslandsinvestitionen und Dienstleistungsexporten, denn "Dienstleistungsexporte für 1.000 Euro ziehen Warenexporte für rund 7.000 Euro nach sich und ein Prozent Warenexportsteigerung bedeutet rund 10.000 neue Arbeitsplätze", betont Koren.

Besonders in den Bereichen Umweltschutz und Verkehrsinfrastruktur, aber auch im Agrartechnologie- und Lebensmittelsektor sind die Möglichkeiten für österreichische Unternehmen groß und die Austro-Unternehmen werden diesbezüglich auch gezielt über die in diesen Bereichen vorhandenen EU-finanzierten Programme wie ISPA, SAPARD und TACIS informiert und bei der Teilnahme unterstützt. Alleine im Bereich Verkehrsinfrastruktur sind in den Erweiterungsländern in naher Zukunft Investitionen in der Höhe von 90 Milliarden Euro geplant und im Bereich Umwelttechnik stehen Investitionen um bis zu 115 Milliarden Euro an. Ein weiterer Schwerpunkt der Aktivitäten der AWO ist der Bereich Nahrungsmittel:
Gerade hier werden die mit 1. Mai wegfallenden Zölle vor allem Just-In-Time-Lieferungen pushen.

Zu den einzelnen Erweiterungsländern nahmen die WKÖ-Handelsdelgierten Stellung: In Ungarn war in den ersten elf Monaten des Vorjahres ein Exportrückgang, bedingt durch die Produktionsauslagerungen internationaler Konzerne, zu beobachten - ein Achtel der österreichischen Ausfuhren nach Ungarn. Die Handelsbeziehungen laufen aber in beide Richtungen hervorragend und Österreich hat am ungarischen Markt einen Anteil von 7%, und ist damit (nach Deutschland) Ungarns zweitgrößter Handelspartner. Die Tschechische Republik hat sich immer mehr - wie auch Ungarn - zum erweiterten Heimmarkt für Austro-Unternehmen entwickelt. Neben Vertriebsfirmen spielen Produktionsniederlassungen am günstigen Standort Tschechien für positive Unternehmensergebnisse immer mehr eine entscheidende Rolle. In der Slowakei ist Österreich der drittgrößter Investor. Ein Hemmschuh in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen sind jedoch die schlechten Verkehrsverbindungen. Hier ist die Politik dringend gefragt. Dennoch erleichtert das Land vor den "Toren Wiens" mit sehr günstigen Wirtschaftsbedingungen (Bsp. Flat-Tax) österreichischen KMU den Schritt in die Internationalisierung. Wie in der Slowakei, ist Österreich auch in Polen der drittgrößte Auslandsinvestor. Die österreichischen Gesamtinvestitionen in Polen erreichten ca. 1 Mrd US-Dollar. Das tatsächliche Investitionsvolumen dürfte allerdings doppelt so groß sein, da nur Investitionen über 1 Mio US-Dollar erfaßt werden und KMU im Regelfall ihr Engagement unter diesem Wert starten. Slowenien ist der größte Pro-Kopf-Abnehmer österreichischer Waren und Österreich ist in Slowenien mit einem FDI-Anteil von 29,9% der mit Abstand bedeutendste Investor. Gerade hier sind die Chancen für österreichische Lebensmittel gut, da das Preisniveau in Slowenien schon relativ hoch ist und dadurch die Absatzchancen für qualitativ hochwertige österreichische Produkte besonders groß sind.

Nach Estland haben sich die österreichischen Exporte seit 2000 verdoppelt. Ende des dritten Quartals 2003 beliefen sich die österreichischen Direktinvestitionen in Estland auf 72,7 Mio Euro -Österreich rangiert damit an 10. Stelle bei FDI. Der österreichisch-lettische Außenhandel entwickelte sich in den vergangenen zehn Jahren äußerst dynamisch. Die österreichischen Exporte stiegen um mehr als das zehnfache, gleichzeitig nahmen die Einfuhren aus Lettland um das fünffache zu. Litauen ist mittlerweile der wichtigste Handelspartner im Baltikum. Die österreichischen Ausfuhren durchbrachen erstmals deutlich die 100 Mio-Euro Grenze. Malta entwickelt sich immer mehr zur Flugdrehscheibe im Mittelmeerraum und das mit österreichischem Know-How, denn die stärkste österreichische Präsenz in wirtschaftlicher Hinsicht stellt die Beteiligung am Flughafen Malta durch ein Konsortium unter der Führung des Flughafens Wien dar. Zypern ist das wohlhabendste aller EU-Beitrittsländer. Mit einem BIP pro Kopf von 76% des EU-Durchschnitts rangiert die Insel auch vor "alten" EU-Mitgliedern wie Griechenland und Portugal. Neben dem Konsumgüterbereich eröffnen sich österreichischen Unternehmen vor allem bei Infrastruktur- und Umweltprojekten neue Absatzchancen. (SB)

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