UNESCO erklärt barocken Sammelatlas der Österreichischen Nationalbibliothek zum Weltdokumentenerbe

Der Atlas Blaeu-Van der Hem: Ein barockes Abbild der Welt

Wien (OTS) - Das Internationale Beratungskomitees zum UNESCO-Programm "Memory of the World" hat im August 2003 in Gdansk, Polen, 23 neue Einträge aus 20 Ländern in das Register des Weltdokumentenerbe beschlossen. Darunter befindet sich der fünfzigbändige "Atlas Blaeu-Van der Hem", ein barocker Sammelatlas, der als eines der kostbarsten kartographischen Objekte der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek gilt. Am 11. März 2004 findet in der Sala Terrena der Österreichischen Nationalbibliothek die feierliche Übergabe der UNESCO-Urkunde statt.

Die Aufnahme des Atlas Blaeu-Van der Hem in die UNESCO-Liste des be sonders schützenswerten Weltdokumentenerbes unterstreicht die universale Bedeutung und den außerordentlichen kulturellen und wissenschaftlichen Wert des vielleicht schönsten, sicherlich aber berühmtesten Atlas weltweit. Nach dem "Wiener Disokurides" der Handschriften-, Autographen- und Nachlass-Sammlung und der Papyrussammlung zeichnet die UNESCO zum dritten Mal Objekte aus der Österreichischen Nationalbibliothek aus.

Der Amsterdamer Patrizier, Advokat und Bibliophile Laurens van der Hem (1621-1678) stellte diesen barocken Sammelatlas in den Jahren 1662-1678 mit viel Sorgfalt, großem Sachverstand und enormem finanziellen Aufwand zusammen.

Grundlage war der elfbändige Atlas Major (lateinische Ausgabe 1662) des Joan Blaeu, welchem Van der Hem gedruckte Karten und Ansichten anderer Autoren sowie Handzeichnungen beifügte und ihn so auf etwa 2400 Tafeln (Karten, Stadtpläne, Veduten, Genrezeichnungen, Schlachtenszenen, Bauwerke, Festlichkeiten, Triumphzüge, Porträts und Kostümabbildungen erweiterte. Es handelt sich dabei um von namhaften Künstlern aufwändig kolorierte Kupferstiche, Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen.

Der Atlas Blaeu-Van der Hem bildet die ganze damals bekannte Erde ab. Er enthält sogar kartographisches Material, das zu seiner Entstehungszeit streng geheim war, wie zum Beispiel eine der ersten Darstellungen der Westküste Australiens. Der Schwerpunkt liegt naturgemäß auf Europa - mit 34 Bänden, davon sieben für Frankreich -und den niederländischen Besitzungen bzw. Interessenssphären in Übersee.

Der Atlas Blaeu-Van der Hem war schon im 17. Jahrhundert Kartenliebhabern in weiten Teilen Europas ein Begriff. Prinz Eugen von Savoyen erwarb den Atlas 1730 bei einer Auktion. Dessen Erbin, seine Nichte Victoria von Sachsen-Hildburghausen, übergab den Atlas zusammen mit der Bibliotheca Eugeniana gegen eine Leibrente an Kaiser Karl VI., der für die immer größer werdende Hofbibliothek den Prunksaal erbauen und im Mitteloval die komplette Bibliothek des Prinzen aufstellen ließ. Der Atlas Blaeu-Van der Hem wird heute in der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt.

Die Kartensammlung ist eine der zehn Sondersammlungen der Österreichischen Nationalbibliothek. Zusammen mit dem weltweit einzigen Globenmuseum, das 2005 in das Palais Mollard-Clary in die Herrengasse übersiedeln wird, gilt sie heute auch international gesehen als eine der wichtigsten Institutionen ihrer Art. Ihre Aufgabe ist es, alte und moderne Karten, Pläne, Atlanten, Globen, geographisch-topographische Ansichten (Städte- und Landschaftsbilder) sowie die geographische und kartographische Fachliteratur zu sammeln, zu erschließen und den BibliotheksbenützerInnen zugänglich zu machen.

Derzeit wird der große Bestand an alten Karten und Stadtplänen neu katalogisiert. Dazu werden die für eine zeitgemäße Katalogisierung notwendigen Daten jeder alten Karte, jedes Atlasses erhoben und diese direkt im Österreichischen Verbundkatalog erfasst. Dadurch entsteht nun erstmals ein einheitlicher, qualitativ hochwertiger und auf einem modernen Regelwerk basierender Kartenkatalog, der durch das Internet weltweit und zeitlich unbegrenzt verfügbar sein wird.

Ab 2005 werden die Benützerinnen und Benützer online in dem mehr als 260.000 Kartenblätter umfassenden Kartenbestand der Österreichischen Nationalbiblio-thek recherchieren und die ausgewählten Karten per e-mail zur Benutzung im Lesesaal der Kartensammlung bestellen können.

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