"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Wahlsonntag als Anfang vom "Ende der Wende"?" (von Hans Winkler)

Ausgabe von 06.03.2004

Graz (OTS) - Es haben sich zwar auch schon die Meinungsforscher kräftig geirrt, aber durch zumindest eine der beiden Landtagswahlen von morgen dürfte Österreich einen weiteren sozialdemokratischen Landeshauptmann bekommen, und zwar eher den in Salzburg als den in Kärnten.

Jörg Haider hat in einer beispiellosen Aufholjagd, die zuletzt mit Politik fast nichts mehr zu tun hatte, sondern einem ins Irrwitzige gesteigerten Faschingstreiben glich, zu Peter Ambrozy von der SPÖ aufgeschlossen, der mit einem satten Vorsprung in die Auseinandersetzung gegangen war.

In beiden Ländern wird der ÖVP ein Debakel vorhergesagt. In Kärnten hat sich die unerfahrene Elisabeth Scheucher zu einem schweren strategischen Fehler bewegen lassen. Mit der Ankündigung, sie werde Haider nicht zum Landeshauptmann wählen, hat sie diesem viele Wähler, die keinen roten Landeshauptmann wollen, direkt in die Arme getrieben.

Das System von Anwesenheits- und Stimmenquoren im Wahlgesetz lässt bei der Wahl des Landeshauptmanns durch den Landtag allerlei Winkelzüge zu. Letztendlich wird der ÖVP der Offenbarungseid aber nicht erspart bleiben.

In Salzburg dagegen hat Landeshauptmann Franz Schausberger im Wahlkampf eher Terrain verloren als gewonnen. Die Präsentation seines Nachfolgers war nicht die Ursache seines Scheiterns, sondern nur dessen unbeabsichtigtes Eingeständnis. Es war kein Akt der Ehrlichkeit, sondern die Verzweiflungstat eines, der den Untergang vor Augen sah.

Mit dem Sohn des ehemaligen Landeshauptmanns Haslauer hat Schausberger noch dazu einen unpolitischen Außenseiter erwählt, der die Chance, das Ruder herumzureißen, nicht ergriff.

Bei so viel Inkompetenz brauchte Schausbergers geschickte Herausforderin Gabi Burgstaller nur keine Fehler zu machen und das tat sie auch nicht.

Der ÖVP könnte damit das "Kunststück" gelingen, ein bürgerlich-bäuerlich-konservatives, von Wohlstand sattes Bundesland nach 59 Jahren an die SPÖ zu verspielen.

Wird der Sonntag das "Ende der Wende" einläuten? Kaum.

Eine starke Burgstaller als Landeshauptmann wird Alfred Gusenbauer zwar das Leben erschweren, ihn aber nicht ablösen wollen. Die ÖVP wird die Niederlagen zwar nicht als bloßen Betriebsunfall abtun können, sich aber sagen, dass doch jede "hausgemacht" ist. Sie hat weder zu Schüssel noch zu seiner Politik eine Alternative und mit Haider hat sie - so oder so - zu leben gelernt. ****

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