Höhere Mathematik: Wie wird der EU-Durchschnittspreis für Medikamente in der 61. ASVG-Novelle berechnet?

Wien (OTS) - Ein Workshop der Österreichischen Statistischen Gesellschaft (ÖSG) und des Instituts für Pharmaökonomische Forschung (IPF) diskutiert methodische Probleme bei der EU-Durchschnittspreisberechnung für Arzneimittel. Ein korrekt berechneter Durchschnittspreis ist sowohl für die Erlöse der Pharmawirtschaft als auch für die geplanten Einsparungen des Hauptverbandes von größter Wichtigkeit

Konkreter Anlass für den Workshop ist die 61. ASVG Novelle. Darin ist festegelegt, dass die Preiskommission des BMGF bei der Preisfestsetzung einer Arzneimittelspezialität - wenn diese frei verschreibbar werden will - den EU-Durchschnittspreis ermitteln muss. Dies ist nur scheinbar eine triviale Aufgabe. An diesem scheinbar harmlosen Punkt prallen die Interessengegensätze - insbesondere von Industrie und Sozialversicherung - aufeinander. Die bisherigen Ansätze zur Auslegung spiegeln dies wider. Will man also das Problem "EU-Durchschnittspreis" nicht nur einem Bargaining-Prozess überlassen, so ist die Statistik und Ökonomie aufgerufen, hier analytische Hilfestellung zu leisten. Dazu soll genau dieser Workshop einen Beitrag leisten und das Rüstzeug der angewandten Statistik einsetzen.

In seinem Referat betonte Dr. A. Franz (ÖSG) zunächst, dass der tatsächlich verlangte Preis erst beim Umsatz erkennbar wird. D.h. dass bei Preisvergleichen auch die Mengenkomponente berücksichtigt werden muss. Weiters ist die Qualität eines Produktes (was sind idente Produkte?) von ausschlaggebender Bedeutung, will man tatsächlich korrekte Preisvergleiche durchführen. Die Preisstatistik hat darüber hinaus die spezifischen Märkte klar abzugrenzen, sowohl nach Marktform als auch nach räumlicher Abgrenzung. Sodann müssen die korrekt beobachteten Preise statistisch aufbereitet werden (Probleme der Gewichtung!), um zu repräsentativen Aussagen über Durchschnittspreise oder Preis-Indizes zu gelangen. ...

Mag. J. Auer vertiefte in seinem Referat "Internationale Kaufkraft und Preisvergleiche" die Rolle. welche die Berechnung mit Kaufkraftparitäten (KKP) bei der Ermittlung von wechselkursbereinigten Preisentwicklungen spielen können. Vergleiche der Kaufkraft ermöglichen eine Aussage darüber, wie viele Güter ein Euro (bzw. eine andere Währung) hier und anderswo "kauft". KKP sind sozusagen "Preisindizes in räumlicher Form". Er betont, dass Nominalvergleiche inkonsistente Daten liefern, da Wechselkurse, wie z.B. US-Dollar starken Schwankungen unterworfen sind.

Diese Aspekte wurden von Frau Mag. E. Walter (IPF) auf Arzneimittelpreisvergleiche herunter gebrochen. Sie forderte die Einhaltung methodischer Standards, wenn sich nationale Preisfestsetzungen an EU-Durchschnittspreisen (in Form von Höchstpreisen, Richtpreisen etc.), orientieren. Die wichtigsten Kriterien für einen transparenten Preisvergleich seien:

  • Die Preis-Daten als Berechnungsbasis sollten standardisiert erfasst sein, um die internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten.
  • Die Preisebene (Fabriksabgabepreis, Apothekeneinstandspreis oder Apothekenverkaufspreis) ist gleichartig zu definieren; gesetzliche Rabatte sind nur bei gleichem Erstattungsstatus zu berücksichtigen, zusätzlich ausgehandelte Rabatte sind auszuklammern.
  • Arzneimittel sollten nur verglichen werden wenn sie "ident" sind, d.h. wenn Kriterien wie die Darreichungsform, die Packungsgröße, die Dosierung, der Hersteller, der internationale Produktnamen (eventuell Präparatname) und eventuell die Zulassungsnummer übereinstimmen.
  • Klare Definition des Ländersamples. Eine willkürliche Auswahl der einbezogenen Länder (z.B. mit/ohne Beitrittsländer) kann zu erheblich verzerrten Ergebnissen führen.
  • Klare Definition der Bezugsgröße (z.B. Packung, Standard Units, Tagestherapiedosen).
  • Idealerweise sind gewichtete Durchschnittswerte zu bilden.
  • Wegen der nach wie vor besehenden Einkommens- und Preisniveauunterschiede ist allein die Darstellung der Ergebnisse in Kaufkraftparitäten korrekt.

In der Zusammenfassung der Diskussion gab Prof. Clement (IPF) der Hoffnung Ausdruck, dass die methodischen Aspekte dieses Workshops und die dabei betonten Kriterien als Grundlage für eine standardisierte Ermittlung des Durchschnittspreises für Arzneimittel in der zu erstellenden Verfahrensordnung herangezogen werde.

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Mag. Evelyn Walter
IPF Institut für Pharmaökonomische Forschung
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