Leitl zu EU-Aktionsplan Unternehmertum: Richtige Vorschläge, denen nun Taten folgen müssen

"Europäer brauchen mehr Mut zum Risiko, um dynamischste Region der Welt zu werden"

Wien (PWK136) - Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) begrüßt den Aktionsplan Unternehmertum, den EU-Kommissiar Erkki Liikanen heute, Dienstag, in Brüssel im Rahmen des "Entrepreneurship Day" offiziell präsentiert. "Jede Initiative, die das Unternehmertum in Europa fördert, kann nur auf unsere Zustimmung stoßen", sagt WKÖ-Präsident Christoph Leitl, der auch Präsident der Europäischen Wirtschaftskammern Eurochambres ist. Nun gehe es darum, den Vorschlägen konkrete Taten folgen zu lassen.

47 Prozent alller Europäer möchten lieber Unternehmer oder Unternehmerin werden als unselbständig zu arbeiten, doch nur 17 Prozent realisieren diesen Traum. "Es gibt also in Europa genug unternehmerisches Potenzial. Das müssen wir ausschöpfen", so Leitl. Im Vergleich zu den USA fehle es den Europäern am Mut, Risiken auf sich zu nehmen, und an der Bereitschaft, neue Chancen zu entdecken und für sich zu nützen. Leitl: "'Give risk a chance' muss unser Motto heißen. Wir brauchen eine Gründerwelle, wenn wir das Projekt 2010 erreichen und zum dynamischsten Wirtschaftsraum in der Welt aufsteigen wollen."

Unternehmertum sei nicht zuletzt eine Sache der Einstellung. Die im Aktionsplan aufgestellte Forderung, unternehmerische Ausbildung in die Lehrpläne aller Schulen zu integrieren, trifft deshalb auf die volle Zustimmung der österreichischen Wirtschaft. Leitl: "Die Lehrer müssen unsere Verbündeten werden". Außerdem müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden - etwa am Beispiel der Unternehmensübertagungen, die in den nächsten Jahren drastisch ansteigen werden. "Die Überlebenschancen dieser übertragenen Unternehmen sind viel höher als die von neu gegründeten -vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen. Erleichterungen sind etwa bei der Erbschafts- und Gesellschaftsbesteuerung nötig", fordert Leitl. Außerdem müsste insbesondere Klein- und Mittelunternehmern geholfen werden, um auf internationalen Märkten Fuß zu fassen - etwa durch eine entsprechende Clusterpolitik. Wie die Kommission hält es auch die Wirtschaftskammer für wichtig, im Rahmen der Politik-Gestaltung einen Dialog zwischen KMU und den politischen Entscheidungsträgern und der Verwaltung zu organisieren, damit die Interessen der KMU bei Rechtssetzung und Verwaltung besser zur Geltung kommen.

Letztlich wird der Erfolg des Aktionsplans jedoch davon abhängen, ob er in konkrete Politik und Projekte mündet, die tatsächlich auf die Interessen der KMU abgestellt sind. Aus Sicht der WKÖ ist es daher dringend nötig, die verschiedenen Aktionspläne, Mehrjahresprogramme und die Charta für kleine Unternehmen miteinander abzustimmen. "Das bedeutet zum Beispiel auch ein viel stärkeres Engagement der GD Unternehmen, wenn es darum geht, Belastungen für Unternehmen abzuwehren, die von den anderen Generaldirektionen der EU-Kommission vorgeschlagen werden", so Leitl. "Die KMU haben wenig davon, wenn auf der einen Seite eifrig Aktionspläne geschmiedet werden, während auf der anderen Seite Regeln ausgeheckt werden, die insbesondere den kleinen und mittleren Unternehmern die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Das neue Chemikalienrecht ist ein Paradebeispiel dafür."

Leitl abschließend: "Für die meisten sachpolitischen Dossiers ist die GD Unternehmen nicht zuständig bzw. ist sie auf die gnädige Zustimmung der anderen Generaldirektionen und das Mitziehen der Mitgliedstaaten angewiesen. Doch KMU-Politik geht uns alle an. Deshalb sollte noch klarer und mit detaillierten Zeitvorgaben dargelegt werden, was die Kommission zu tun gedenkt und welche Maßnahmen von den Mitgliedstaaten zu setzen sind." Deshalb unterstützt die Wirtschaft auch den Vorschlag, einen Vizepräsidenten der EU-Kommission mit einem Schwerpunktressort Wirtschaft zu installieren: "Seine dringlichste Aufgabe wird es sein, konkrete Zwischenziele zur Erreichung der Lissaboner Ziele bis 2010 festzulegen und die notwendigen Organisationsänderungen in der EU-Kommission durchzusetzen, damit diese Ziele auch erreicht werden." (SR)

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