Geisterfahrer auf der Zielgeraden

"Presse"-Glosse

Wien (OTS) - KARL ETTINGER

Da wird sich der blaue Wahlkämpfer Jörg Haider, der in der Pose des Formel-I-Piloten in den Wahlkampf gestartet ist und sich im Finale gerade auf der Aufholjagd gegenüber der Kärntner SPÖ sieht, bestimmt freuen! Ausgerechnet sein Parteikollege Verkehrsminister Gorbach gibt nur wenige Tage vor dem Landtagswahl-Doppelpack in Kärnten und Salzburg Vollgas bei der Diskussion um eine Verteuerung der Spritpreise. Denn auf nichts anderes läuft dessen Vorstoß für eine "Harmonisierung" der Benzinpreise in Europa hinaus. Das verwundert umso mehr, als sich Gorbach in seiner Zeit als Vizekanzler bisher als recht besonnen hervorgetan hat. Außerdem war die FPÖ in der Vergangenheit nach außen hin stets bedacht, sich als Schutzpatron der Autofahrer darzustellen.
Solche geradezu selbstmörderischen Überholmanöver in Sachen Benzinpreis in Wahlkampfzeiten waren die Österreicher früher von den Grünen gewöhnt. Aber die Öko-Partei hat in dieser Hinsicht politisch-taktisch schon einiges dazugelernt.
Verrückte, verkehrte Welt: Früher kam Jörg Haider regelmäßig die Arbeit der Koalition in Wien in die Quere, diesmal spielt "sein" Vizekanzler politisch Geisterfahrer. Da hilft Haider nur mehr eines:
Jetzt heißt es bei Gadhafi in Libyen rasch ein paar Barrel Öl zu Sonderkonditionen ordern. Und dann rein in den ölverschmierten Arbeitsanzug und ab zum Einsatz als Tankwart. Immerhin hat der Ex-FP-Chef am Sonntag schon einen Sündenbock, wenn das Rennen für die Freiheitlichen nun doch schlechter läuft als erhofft.

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