Gusenbauer fordert: Integration statt Selektion in der Schulpolitik

Vorschuljahr soll sicherstellen, dass alle Schulanfänger Deutsch sprechen können

Wien (SK) "Wir können uns keine Selektionsmechanismen in unserem Bildungssystem leisten", betonte SPÖ-Bundesparteivorsitzender Alfred Gusenbauer am Samstag im Rahmen einer vom Renner Institut veranstalteten Bildungsenquete. "Abgesehen von allen politischen emanzipatorischen Zielsetzungen ist es eine ökonomische Notwendigkeit, dass wir niemanden rechts oder links liegen lassen", zeigte sich Gusenbauer überzeugt. Die Grundvoraussetzung dafür, diesen "Integrationsansatz" durchsetzen und der Verwirklichung der Chancengleichheit einen Schritt näher zu kommen sei, dass alle Kinder Deutsch sprechen können, wenn sie in die Schule kommen. Gusenbauer forderte in diesem Zusammenhang die Umgestaltung des letzten Kindergartenjahres in ein Vorschuljahr. Von der ÖVP erwartete sich Gusenbauer indes keine fortschrittlichen Bildungsreformen, da sich diese "aus den ideologischen Verkrustungen der Diskussionen aus den 60er und 70er Jahren nie befreit hat".****

"Nur wenn die Schule und Bildung eine öffentliche Angelegenheit bleibt, können wir unsere Ziele der Chancengleichheit verwirklichen", brach Gusenbauer eine Lanze für die Ganztagsschule und gegen das Halbtagsschulwesen, das in Wirklichkeit teilprivatisiert sei. Die Halbtagsschule sei ein "Einfallstor für die Reproduktion sozialer Unterschiede", da die Beschäftigungsmöglichkeit der Schüler am Nachmittag in hohem Ausmaß vom sozialen Hintergrund der Familie abhängig sei. Bestätigt sah sich Gusenbauer in dieser Einschätzung nicht zuletzt durch die Pisa-Studie, welche festgestellt habe, dass in keinem anderen Schulsystem die Herkunfts- und sozialen Unterschiede der Schüler so stark erhalten und perpetuiert werden wie in Österreich. "Nur in einer Ganztagsschule kann individuelle Begabtenförderung stattfinden", machte Gusenbauer auch auf den pädagogischen Wert des Ganztagsschulkonzepts aufmerksam. Die Umsetzung des breitflächigen Angebots von Ganztagsschulen liegt für Gusenbauer klar in der Verpflichtung der öffentlichen Hand.

In der Volksschule noch mit Noten zu arbeiten, bezeichnete Gusenbauer als "vollkommen antiquiert". In Gusenbauers Konzept der "stressfreien Schule" erfolgt die Beurteilung der Schüler in der Volksschule auf verbale Art und Weise. "Selbst in hochzentralisierten und leistungsorientierten Schulsystemen wie in Frankreich gibt es keine Benotung", wies Gusenbauer hin.

Mit Vehemenz sprach sich Gusenbauer auch gegen die Selektionsmechanismen im österreichischen Schulsystem aus. Es sei "absurd" nicht nach dem Maß der Fähigkeiten sondern nach dem Maß der Unfähigkeit zu selektieren, so Gusenbauer. Zudem sei eine Selektion im Alter von neun bis zehn Jahren grunsätzlich abzulehnen, mit anderen Worten, eine gemeinsame Schule für die 6 bis 14-Jährigen müsse her.

Die Ausbildung für die pädagogischen Berufe, "die schwierigsten, die man nur haben kann", müsse nach den Konzepten Gusenbauers erstens einheitlich und zweitens universitär erfolgen. Das sei die Grundvoraussetzung für die Umsetzung der gemeinsamen Schule für die 9 bis 14-Jährigen.

Abschließend sprach sich Gusenbauer für die Abschaffung der Zweidrittelmehrheit für schulpolitische Fragen aus. Die politische Praxis der letzten Jahre habe gezeigt, dass diese mehr ein Verhinderungs- als ein Schutzmechanismus sei.(Schluss)lm

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