"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Die Waffe Statistik" (Von Claus Reitan)

Ausgabe vom 28. Februar 2004

Innsbruck (OTS) - Diese Nachricht hat eingeschlagen: Hohe Preise
und niedrige Gehälter bescheren Tirol eine schwache Kaufkraft. Die üblichen Aussagen dazu - Interpretation, Angriff und Verteidigung -belegen, dass hier ein doppeltes Problem vorliegt: Eines der jeweiligen Statistik, die sachlich korrekt erstellt worden sein sollte, und eines des Umganges mit den Ergebnissen. In beiderlei Hinsicht besteht Nachholbedarf.
Denn abseits dessen, was an dieser Stelle zur jüngsten Statistik über Wirtschaftsdaten Tirols im Ländervergleich schon gesagt wurde, gibt es hierzulande einige Umstände, welche das sachliche öffentliche Gespräch über Politik und Wirtschaft erheblich erschweren:
Die Neigung zur Konfrontation ist deutlich ausgeprägter als die Bereitschaft zum Kompromiss;
ein Mangel an Sachkenntnis wird locker durch eine Serie an Unterstellungen überdeckt;
Wissenslücken werden hurtig mit Moral aufgefüllt.
Auf diesem Boden gedeihen die stets gleichen, meist gleich wirkungslosen, aber sehr emotionalen Debatten über die Gehälter, den Tourismus und alles andere mehr.
Bereits im vergangenen Wahlkampf vor der Landtagswahl wurde über eine angebliche Armutsstudie polemisiert, die sich selbst lediglich als Sozialbedarfserhebung bezeichnete. Was davon blieb? Einige Tage Agitation statt Argumentation. Sonst nichts.
Wo bleibt der Landtag, der alle Studien zusammenfasst? Wo bleiben die Wissenschafter der Universität, die der Öffentlichkeit mit sachdienlichen Hinweisen, Studien oder ähnlichem dienen? Wo bleiben die für Wirtschaft zuständigen Landesräte, die alle an der Debatte ohnedies Mitwirkenden an einen Tisch zusammenholen? Wo bleiben die für das Soziale zuständigen Politiker, die auf der Grundlage unstrittiger Daten Gerechtigkeit einfordern? Antworten auf diese Frage waren bisher kaum zu vernehmen.
Tirol ist kein Armenhaus. Das zu behaupten, wäre Quatsch. Die jüngste Studie belegt keinesfalls einen Rückstand an Wohlstand. Aber die Debatte rund um die Studie belegt die Notwendigkeit, unstrittige Statistiken zu erstellen, damit diese nicht ständig in der politischen Konfrontation für einen Machtkampf instrumentalisiert werden.

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