WirtschaftsBlatt-Kommentar Schlussrally mit schlechter Optik

von Arno Maierbrugger

Wien (OTS) - Wer wirklich die spektakuläre Schlussrally der
Telekom Austria (TA)-Aktie am Donnerstag verursacht hat, ist bis dato ungeklärt. Tatsache ist aber, dass über diesen Schlussgeschäften, der den TA-Managern fast neun Millionen Euro Gewinn aus ihren Stock Options gebracht hat, der Geruch des Manipulativen hängt. Sowohl Anleger als auch Finanzmarktaufsicht haben grosses Interesse, Licht in die Angelegenheit zu bringen, auch wenn alle Beteiligten jeglichen Verdacht von Kursmanipulationen von sich weisen und selbstverständlich für alle die Unschuldsvermutung gilt.

Dass Kleinaktionäre der TA-Aktie sich aber nach diesem Kursverlauf fragen, ob es bei der "Volksaktie" auch mit rechten Dingen zugeht, ist nachvollziehbar. Es sei den TA-Managern gegönnt, sich die Millionen abzuholen - denn schliesslich haben sie im Wesentlichen gute Arbeit geleistet. Aber der Kauf von mehr als 900.000 Aktien im Gegenwert von rund 10,7 Millionen Euro in der Schlussauktion am Donnerstag bleibt mysteriös.

Die Vertrauensfrage kann man der Aktie selbst stellen: Steigt sie in Zukunft vom 11,70er-Niveau kontinuierlich weiter, dann hat der gestrige Kurssprung nur die weitere Entwicklung vorweggenommen und die TA-Manager reichlich für ihr Können belohnt.

Sinkt die Aktie aber wieder ab und dümpelt wie in langen Monaten des Vorjahres lustlos vor sich hin, dann ist Misstrauen angesagt. Tatsache ist, dass das TA-Papier am Tag nach dem "Options-Kurssprung" fast mit mathematischer Präzision zurück auf das Niveau davor gesunken ist. Genauso, wie der Kursanstieg am Donnerstag sogar auf drei Kommastellen genau die Anforderungen des Optionen-Programms erfüllt hat.

Unbedarfte Kleinaktionäre der TA wollen ein Kurswachstum sehen, das der organischen Entwicklung dieses Unternehmens entspricht; sie wollen der "Volksaktie" vertrauen können und sich nicht über verdächtige Kursbewegungen den Kopf zerbrechen müssen. Der Eindruck, dass das Papier den Interessen von Insidern und Profiteuren ausgeliefert sei, könnte sich verfestigen.
Nun haben die TA-Manager also ihre Optionen versilbert - Gratulation. Jetzt wollen wir aber auch ein starkes Jahr 2004 sehen. Denn die Börsestory der Telekom Austria ist noch nicht zu Ende erzählt.

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