Online spenden steckt noch in den Kinderschuhen

Trotz enormer Möglichkeiten noch geringe Spenden-Erlöse aus dem Internet - Zukunft gehört aber dem Web

Wien (OTS) - Das Potenzial, Spender via Internet anzusprechen, ist vorhanden, doch wird es noch zu wenig genutzt, waren sich die Teilnehmer der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstag Abend, einig. "Das Internet bietet viele Möglichkeiten, Non Profit Organisationen müssen aber noch einiges nachholen", meinte etwa Robert Francan von der B'VM Beratergruppe für Non Profit Organisationen (NPO). Francan sieht dabei auch die Politik gefordert, die Spendierfreudigkeit der Österreicher weiter zu steigern.

Es zahle sich derzeit noch nicht wirklich aus, an das Spendenklientel auf elektronischem Weg heranzutreten, erläuterte Andreas Plöckinger, Chef-Fundraiser bei Ärzte ohne Grenzen: "Zum Beispiel fehlen uns noch die Adressen, 300.000 herkömmlichen stehen 6.000 E-Mail-Adressen gegenüber." Und das Verhältnis der Response-Rate von einer traditionellen Aktion zu einer Onlinekampagne liege bei 10:1. Dafür seien die Spendensummen, die aus dem Webbereich kommen, weit höher, räumte er ein. Was für das Internet als Fundraising-Instrument spreche, sei der Kostenfaktor, die Flexibilität, die Geschwindigkeit und die Interaktivität.

Dem konnte sich auch Jürgen Burger, der das Online-Marketing bei SOS-Kinderdorf Österreich betreut, nur anschließen. Der Onlinemarkt für NPOs werde immer nur ein Teilaspekt einer Gesamtstrategie bleiben, doch in Zukunft zunehmend an Bedeutung gewinnen. SOS-Kinderdorf erwirtschafte erst 0,5 Prozent der Spenden über das Internet, doch mit steigender Tendenz. Als sehr positiv bewertet Burger, dass sich die Besucherfrequenz der Kinderdorf-Seite von 2002 auf 2003 mehr als verdoppelt habe.

Kritisch bewerten beide noch den Kosten-Nutzen-Faktor. So liege der Return of Investment (ROI) bei einer klassischen Direct Mailing-Aktion derzeit bei 1:12 (für einen eingesetzten Euro kommen zwölf zurück), im Onlinebereich erst bei 1:3. Doch wird nicht bestritten, dass genau dort die Zukunft liegt, da es sich meist um neue, junge und zahlungskräftige Spender handle.

In einer speziellen Situation befinde sich die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreich, berichtete Klaus Höckner von der Hilfsgemeinschaft. "Unsere Zielgruppe sind die über 60-jährigen, die kaum mit den neuen Medien umzugehen wissen." Hier gebe es noch einiges zu tun - für die NPOs und die gesamte Internet-Gemeinde. Bedauerlich findet es der blinde Gerhard Bruckner, der für die Hilfsgemeinschaft seit 20 Jahren am Computer arbeitet, dass von den Homepage-Verantwortlichen noch zu wenig Wert auf einen barrierefreien Zugang zum Web gelegt werde.

Genau in dieser Hinsicht sieht Alexander Szlezak, Geschäftsführer der Gentics EDV Dienstleistungen GesmbH, die NPOs als Vorreiter für ein zielgruppengerechtes Netz gefordert. Für weniger kapitalkräftige NPOs wies er auf die Möglichkeit der Mietsoftware hin, mit der sich geldschonend gute Fundraisingseiten bauen ließen. Weiters könnten sich die Organisationen durch einen gelungen Auftritt abheben und so einen "Wettbewerbsvorteil" sichern.

"Für uns ist es wichtig, mit adäquater Technik zu unterstützen", so Volker Stöger, Sales Director Center Solutions bei NextiraOne Austria. Ein wichtiger Aspekt sei dabei das Spendenmarketing. Hier liege die Herausforderung in der Planung einer Kampagne, im Strukturieren, in der Dokumentation und der weiteren Spendenabwicklung.

Florian Petter, Geschäftsführer Dynatools Communication Services, kann sich vorstellen, dass NPOs auch auf andere Instrumente zurückgreifen, um potenzielle Spender auf ihrer Seite zu halten. Das reiche von einem Gewinnspiel bis hin zu einem "Wissensportal" abseits der eigentlichen NPO-Thematik, appellierte er an die Phantasie der verantwortlichen Online-Fundraiser. Geld sparen können NPOs auch durch den gezielten Einsatz des Internet im Bereich der Verwaltung, des Personalwesens aber auch bei der Materialbeschaffung.

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