Handke über Peymann und den Suhrkamp-Streit

Wien (OTS) - Fünf Jahre nach der Uraufführung am Burgtheater wird Peter Handkes einst skandalisiertes Serbien-Stück "Die Fahrt im Einbaum" wieder in Wien gezeigt. Die kleine, aber exzellente "Gruppe 80" bringt das Werk über die Medienhetze gegen Jugoslawien im Kosovo-Krieg zum Teil mit serbischen Schauspielern heraus. Handkes Tochter Amina verantwortet die Musik-Collage.

Aus diesem Anlass führte Peter Handke ein Interview für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe, in dem er sich an das Uraufführungsgetöse und die Verrisse anno 1999 erinnert. Handke schreibt den Misserfolg der Inszenierung Claus Peymanns zu: "Leider war die Inszenierung missraten. Peymann war nicht bei der Sache, war nicht eingetaucht in den Rhythmus, in die Haltung, in die Sprache, in die Situationen und den Zusammenhang des Stücks. Die Schauspieler sind auf verlorenem Posten gestanden, waren völlig alleingelassen. Es war ja mitten im Krieg gegen Jugoslawien, und Peymann hat nur auf die Medien gehört und sich in seine Arbeit nicht vertieft. Es war ja auch viel verlangt. Ich weiß nicht, wer da versagt hat. Mit kommt jedenfalls vor, dass es nicht ich war. Mir war bewusst, dass ich meine Arbeit verloren geben musste. Es war schon heroisch, dass das Burgtheater die Uraufführung überhaupt herausgebracht hat. Aber wenn schon, dann hätte sich der Regisseur hineinlassen müssen wie in ein Tiefseeabenteuer, um es ans Licht zu bringen. (...) Es wurde nachgespielt, aber ich wollte es nicht mehr sehen. Ich hatte nicht mein Stück, sondern die Theater verlorengegeben, und es tut mir immer noch leid, dass ich das Stück dem Theater als freiem Medium gewidmet habe. Ich habe gedacht, das Theater ist unter all den Medien noch am ehesten das geeignete, um freie Formen und freie Blicke zu entwickeln. Ich habe mich auf die dümmste Weise getäuscht." Für das Theater möchte Handke dennoch weiterarbeiten.

Im NEWS-Interview nimmt er auch den Suhrkamp-Verlag in Schutz. Das traditionsreiche Haus wird nach dem Tod Siegfried Unselds von Autoren-Abwanderunsgerüchten, die u. a. Martin Walser betreffen, heimgesucht. Handke wird den Verlag im Gegensatz zu prominenten Kollegen nicht verlassen: "Sicher nicht! Warum denn? Das ist der Verlag für deutschsprachige Literatur, und das wird er auch bleiben. Ich habe meine Achtung vor Walser, aber ich verlange auch dieAchtung vor den Büchern, vor der Arbeit mit und an der Literatur. Dass man einmal eine Zeit vergehen lässt und die Pappen hält. Lassen Sie doch Suhrkamp in Ruh! Lassen Sie doch die Bücher, die Schriftsteller und die Leute, die das jetzt machen, ihre Arbeit tun! Es wird nur gemunkelt, getuschelt und gestritten. Was soll das? Es geht um ganz andere Dinge. Es geht um die Literatur, und die ist das Herz der Welt."

Über die gescheiterte Akademiertheater-Uraufführung seines Monologs "Unteragblues" - Regisseur Luc Bondy brach die Proben ab -äußert sich Handke knapp: "Mich geht es nichts an. Die Geschichte des Stücks ist halt von Anfang an vergiftet." Und über Peymann, der das Stück im Herbst am Berliner Ensemble herausbringt: " Was bleibt ihm übrig, als treu zu sein? Wär ja noch schöner, wenn er das auch nicht wäre."

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