"Kleine Zeitung" Kommentar: "Bushs neues Motto: Der Angriff ist die beste Verteidigung" (von Edith Grünwald)

Ausgabe vom 25.02.2004

Graz (OTS) - Angriff ist die beste Verteidigung. Getreu nach
diesem Motto hat US-Präsident George W. Bush jetzt früher als geplant seinen Wahlkampf eröffnet. Bei einer Rede vor republikanischen Gouverneuren in Washington hat Bush seinen Führungsanspruch deutlich gemacht und sich bereits auf den Favoriten der Demokraten, Senator John Kerry, eingeschossen.

Die Demokraten stünden für Wankelmütigkeit, Steuererhöhungen und Ausbau der Bürokratie und würden die Verteidigungsfähigkeit der USA schwächen, kritisierte der Präsident. "Wenn Amerika Schwäche zeigt, dann geht die Welt auf eine neue Tragödie zu", proklamierte sich Bush als einzig wahrer Kämpfer für die nationale Sicherheit.

Doch statt Stärke zu zeigen befindet sich Bush selber in einer Schwächephase. Der Republikaner ist in enormen Zugzwang gekommen. Seine Popularitätswerte sind auf den historischen Tiefstand gesunken. Senator Kerry hat Bush in Umfragen schon deutlich abgehängt: 55 Prozent würden heute Kerry wählen, nur noch 43 Prozent Bush. Und sogar John Edwards, der zweite Bewerber im Rennen um die demokratische Präsidentschaftsnominierung, würde Bush jetzt klar schlagen.

Der Präsident als Prügelknabe eine neue und ungewohnte Rolle für Bush. Wie ein Watschenmann wurde er zuletzt für die Probleme der USA verantwortlich gemacht: Arbeitslosigkeit in der Industrie, fortgesetzte Anschläge im Irak, Spannungen mit Europäern und UNO und Rekorddefizit.

Besonders schmerzt den Texaner wohl die Vietnam-Diskussion, die als Debatte über seinen Charakter geführt wird. Der Präsident ohne persönliche Kriegserfahrung, der monatelang nicht einmal zum Dienst in der Nationalgarde erschienen ist, macht gegen den mehrfach ausgezeichneten Vietnam-Veteran Kerry einfach eine schlechte Figur.

Bush musste handeln, und zwar schnell der Wahlkampfplan wurde umgebaut und die Kriegskasse von mehr als 140 Millionen Dollar wird bereits angetastet. Mit TV-Spots ab nächster Woche wollen die Republikaner die Stimmung wieder zu ihren Gunsten drehen.

Der Kampf um die Macht wird diesmal besonders heftig werden. Bush muss mit allen Mitteln um seine zweite Amtsperiode kämpfen, will er nicht am 2. November eine Neuauflage des Schicksals seines Vaters erleiden, der nach vier Jahren im Weißen Haus von einem Demokraten geschlagen wurde.

"Hire and fire": Im erfolgsorientierten Amerika muss auch für den Präsidenten die Erfolgsbilanz stimmen. ****

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