Lipidforum austriacum: Fettsteuer ist der falsche Weg!

Stoffwechselexperten fordern umfassende Maßnahmen gegen Volkskrankheit Übergewicht Wien (OTS) - "Sozial schlechter gestellte Teile der Bevölkerung, die erfahrungsgemäß zu eher fetten, weil billigeren Produkten greifen, durch die Einführung einer Fettsteuer zusätzlich zu belasten, ist sicher der falsche Weg!", zeigt sich Univ.-Doz. Dr. Harald Kritz über den jüngsten Vorstoß der britischen Regierung im Kampf gegen die "Fett-Epidemie" entsetzt. Der Präsident des Lipdiforum austriacum (Lfa), der Plattform der führenden Stoffwechselexperten Österreichs, kann dennoch Tony Blairs Vorstoß auch Positives abgewinnen: "Dass erstmalig ein Nicht-Gesundheitspolitiker dieses Ranges sich des Themas Übergewicht annimmt, ist prinzipiell positiv zu bewerten. Blair zeigt damit, dass er erkannt hat, dass die Fettleibigkeit in der Bevölkerung so rasant im Zunehmen begriffen ist, dass es höchste Zeit ist, dass sich die Regierungen ernsthaft damit beschäftigen!"

Doch nicht nur in England und den USA werden die Menschen immer dicker, auch in Österreich ist bereits jeder 2. übergewichtig! Kritz:
"Übergewicht und Adipositas sind als Auslöser der Herz-Kreislauferkrankungen für 2/3 der Kosten im Gesundheitsbudet veranwortlich, und kosten 40.000 Österreichern pro Jahr das Leben."

Killer Fettkrankheit

Die unter dem Begriff Fettkrankheit subsumierten Krankheitsbilder Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Bauchfettsucht sowie die damit verbundenen Gefäßkomplikationen der Atherosklerose führen zu Herzinfarkt und Schlaganfall und "sind somit die häufigsten Todesursachen in der westlichen, industrialisierten Welt." ergänzt Univ-Prof. Dr. Helmut Sinzinger, Past-Präsident des Lfa.

Österreich geht anderen Weg

Kritz: "Weder Steuern noch komplizierte Ernährungsregeln können irgendetwas an der Situation ändern." Das Lfa setzt seit Jahren auf eine andere Strategie: Vereinfachung komplizierter Ernährungsregeln (Fettpunkt-Konzept) und Bewusstmachung der gesundheitlichen Gefährdung vor allem durch das Bauchfett(Bauchumfangmessung BUM)." Ein Fettpunkt steht für 5 Gramm gesättigten Fettes. Pro Tag sollte man nicht mehr als 6 Fettpunkte (30 Gramm Landtier-Fett) zu sich nehmen. Alle anderen - ungesättigten - Fette werden nicht berechnet und können in vernünftiger Menge beliebig zugeführt werden. Sinzinger: "Dank der vom Lfa propagierten Bauchumfangmessung wissen heute viele, wie gefährlich gerade das Bauchfett für die Entstehung von Atherosklerose ist. Daher: 1 cm weniger Bauchumfang bedeutet eine Reduktion des Herz-Kreislauf-Risikos um 5%!"

Politik durchaus gefragt

Kritz möchte die "Fatty Food Tax" für Österreich umdrehen: "Eine gesundheitspolitisch sinnvoller Ansatz wäre, besonders gesunde Lebensmittel steuerlich zu begünstigen, also z.B. Ölmühlen oder die Fischzucht zu fördern. Lebensmittelherstellern und Lebensmittelhandel sollten Anreize zum Umdenken geboten werden: Fettreduzierte Wurstsorten sollten gegenüber fetten Würsten oder Halbfettmilch gegenüber Vollmilch steuerlich begünstigt werden."

Motivation und Belohnung statt Bestrafung

Der Gehalt an gesättigten Fettsäuren sollte auf der Lebensmittel-Verpackung mit Hilfe von Fettpunkten ausgewiesen werden. Diese Empfehlung hat das Lfa bereits vergangenes Jahr an das Gesundheitsministerium herangetragen. Auch Gastronomiebetriebe sollten zumindest ein Menü mit Fettpunkten kennzeichnen - so wie es das Grandhotel Sauerhof in Baden bei Wien bereits tut. Hoch besteuert sollte die Werbung für nachweislich krankmachende fetthaltige Produkte werden. Ob man dann noch mit einem Bonus-Malus System z.B. bei privaten Kranken- und Lebensversicherungen nachsetzen sollte, wäre zu überprüfen, meinen Kritz und Sinzinger. Kritz weiter: "Unsere Vorstellungen decken sich mit jenen der WHO. Wesentlich ist, eine hohe Qualität nicht-medikamentöser und medikamentöser Massnahmen zu erreichen. Nur so kann unser Ziel möglichst rasch erreicht werden:
eine Reduktion der Zahl der Herzinfarkt- und Schlaganfall-Opfer."

Weiterführende Infos unter http://www.lipidforum.at/Presse

Rückfragen & Kontakt:

Univ.-Doz. Dr. Harald Kritz
Präsident Lipidforum austriacum
Tel.: 0664/ 430 30 43, harald.kritz@lipidforum.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEB0001