Studentenandrang bei Medizin-Universitäten: ÖÄK fordert Medizin-Bedarfsplanung

Brettenthaler: "Seit Jahren Tausende von Ärzten zuviel" - Universitäten sollen Möglichkeiten zur Qualitätssicherung erhalten

Wien (OTS) - Im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion über die Überlegung von Zugangsbeschränkungen an der Medizin-Universität Graz und die Sorge der Medizin-Universität Wien vor einem möglichen Studenten-Ansturm hat sich der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Reiner Brettenthaler, für die Entwicklung eines Medizin-Bedarfsplans für Österreich ausgesprochen. "Angesichts der ständig steigenden Studentenzahlen ist ein Gebot des Anstands und der Seriosität zu ermitteln, wie viele Ärzte tatsächlich gebraucht werden bzw. wie die späteren Berufsaussichten der Studienanfänger aussehen", forderte Brettenthaler in einer Aussendung am Donnerstag. Seit Jahren produzierten die Universitäten "Tausende Ärzte zuviel", die später zum Teil große Probleme hätten, im Berufsleben Fuß zu fassen.

Den Medizin-Universitäten müssten angesichts der ständig steigenden Zahlen an Medizin-Studenten "faire Möglichkeiten zur Qualitätssicherung" gegeben werden, kommentierte Brettenthaler die aktuelle Berichterstattung in der Zeitung "Kurier". "Sie sollten in die Lage versetzt werden, für den jeweiligen Standort geeignete Maßnahmen für eine Studienplatzbewirtschaftung zu entwickeln", appellierte der ÖÄK-Präsident. "Jede Universität sollte dabei - ohne Denkverbot - selbst entscheiden können, mit welchen Instrumenten sie die Qualität der Ausbildung aufrecht erhält."

Der gewaltige Anstieg der Zahl der Medizin-Studienanfänger an allen drei Universitäts-Standorten im Wintersemester sei "höchst bedenklich", warnte Brettenthaler. So sei die Zahl der Studienanfänger im Wintersemester 2003 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an der Medizin-Universität Graz um 10,3 Prozent, in Wien um 7,5 Prozent und in Innsbruck um 5,7 Prozent geklettert. Bleibe es auch in den folgenden Jahren bei diesem "Run", würden die Ausbildungsprobleme fortgesetzt - mit deutlichen Negativ-Folgen für die spätere medizinische Versorgung von Patienten, die auf gut ausgebildete Ärzte angewiesen seien.

Die modernen Medizin-Curricula seien mit Blick auf die Versäumnisse der Vergangenheit bewusst auf mehr Praxisbezug und eine stärkere Betonung der Patientenbetreuung angelegt worden. Durch die wachsende Zahl von Studenten sei diese Intention gefährdet. Überdacht werden müssten in diesem Zusammenhang auch die personellen, finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen an den Medizin-Universitäten. "Sollte man die Probleme über eine bedarfsgerechte Steuerung der Studentenzahlen nicht in den Griff bekommen, so muss mehr Geld zur Verfügung gestellt werden ", so Brettenthaler.

Ebenfalls wichtig sei eine gute Ausbildungsqualität für die Konkurrenzfähigkeit österreichischer Mediziner im europäischen Vergleich. Brettenthaler: "Wir möchten, dass die Studiendauer den europäischen Normen entspricht, damit es keine Benachteiligung von Österreichern am europäischen Arbeitsmarkt gibt. Die Intention der Ärztekammer ist es, die Studenten in diesem Sinn schneller für das selbständige Arbeiten zu qualifizieren. Dieser Ansatz könnte durch den Trend zur 'Massenuniversität' unterlaufen werden."

Von einer beim EuGH anhängigen Klage der EU-Kommission befürchtet Brettenthaler "nichts Gutes". Sollte die Klage Erfolg haben, könnte es "zu einem echten Dammbruch bei den Studentenzahlen in der Medizin kommen". Beobachter erwarten, dass der EuGH eine österreichische Bestimmung aufhebt, wonach Inskriptionswerber hierzulande die Zulassung zur gleichen Studienrichtung im Herkunftsland nachweisen müssen.

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