Gorbach zu Kaprun: Wir können das Unglück nicht ungeschehen machen, aber wir müssen alles tun, um so etwas in Zukunft zu vermeiden

Maßnahmen des Verkehrsministeriums seit dem Seilbahnunglück von Kaprun

Wien (OTS) - "Wir können das Unglück von Kaprun nicht mehr ungeschehen machen, aber wir müssen alles tun, um so etwas in Zukunft zu vermeiden. Wir haben im Verkehrsministerium in diesem Sinne bereits wichtige Maßnahmen gesetzt wie zum Beispiel das neue Seilbahngesetz oder unsere Initiative für die Europäischen Brandschutznormen für Seilbahnen. Dennoch: der heutige Tag ist für mich eine Mahnung, diese Anstrengungen konsequent fortzusetzen, damit solch ein Leid nicht mehr passiert", erklärte VK Infrastrukturminister Hubert Gorbach am Donnerstag anlässlich der Urteilsverkündung in Kaprun.

Unmittelbar nach dem Seilbahnunglück in Kaprun setzte das Verkehrsministerium eine internationale Expertengruppe ein, deren Aufgabe es war, Empfehlungen für zusätzliche Sicherheits-maßnahmen auszuarbeiten. Die Kommission setzte sich zusammen aus den jeweiligen Leiten der Seilbahnbehörden aus Frankreich, Schweiz, Deutschland, Südtirol und Österreich sowie einem international anerkannten Brandschutzexperten. Die Empfehlungen dieser Kommission flossen in die nachfolgend angeführten Aktivitäten der Behörde ein.

Sofortige Maßnahmen in Österreich nach dem Seilbahnunglück in Kaprun

Überprüfung aller Tunnelseilbahnen unmittelbar nach dem Unglück Kaprun durch das Verkehrsministerium unter Beiziehung von Brandschutzsachverständigen (Bescheidmäßige Anordnung zur Installierung von Tunnelbeleuchtungen; Anordnung zur umgehenden Durchführung von Brandschutzübungen durch das Seilbahnpersonal; Überprüfung der Hydraulikleitungen; Austausch von Heizgeräten).

Anordnung zur Entfernung sämtlicher, nicht der Brennbarkeitsklasse B1 entsprechenden Bo-denbeläge im Bereich von Verkehrs- Fluchtwegen sowie in Fahrbetriebsmitteln (September 2001).

Festlegung der Kriterien für Ausstattungsmaterialien in Fahrbetriebsmitteln und Gebäuden (Wand- und Deckenbeläge) B1/Q1 und Anordnung zur Entfernung nicht geeigneter derartiger Materialien.

Durchführung nachfolgender Maßnahmen für Fahrbetriebsmittel von Tunnelseilbahnen:

In allen mit Kaprun vergleichbaren Tunnelseilbahnen wurden Rauch- und Brandmelder sowie automatische Löscheinrichtung in den Schaltschränken eingebaut
Gegenseitige Kommunikationseinrichtung zwischen Fahrgästen und Wagenführer
Videoüberwachung der Fahrgasträume

Die Maßnahmen sind in allen Fällen bereits durchgeführt!

Seilbahngesetz vom 21.11.2003

Umfassende Sicherheitsanalysen auch für Brandschutz unter Beiziehung von Brandschutz-sachverständigen in allen Stadien der Genehmigungsverfahren sowie Sicherheitsberichte durch unabhängige Stellen.
Alle Sicherheitsbauteile und Teilsysteme von Seilbahnen (z.B. Fahrbetriebsmittel) müssen den grundlegenden Sicherheitsanforderungen der EU-Seilbahnrichtlinie entsprechen (Konformitäts-bewertungsverfahren durch unabhängige `Notified Bodies’).
Zusätzliche Überprüfung aller Seilbahnen (einschließlich Schlepplifte) im Hinblick auf Maßnah-men des vorbeugenden Brandschutzes durch Brandschutzsachverständige (mind. alle 5 Jahre!).

Leitfaden Brandschutz Seilbahnen

Der Leitfaden wurde über Initiative des Verkehrsministeriums durch die österreichischen Brandverhütungsstellen ausgearbeitet. Er ist die Grundlage für die brandschutztechnische Beurteilung bei der Genehmigung neuer Seilbahnen (Sicherheitsanalyse, Sicherheitsbericht).
Der Leitfaden bezieht sich u.a. auf die brandschutztechnische Ausführung von Stationsgebäuden und Fahrbetriebsmitteln, Brand- und Rauchabschnitte, Gestaltung von Fluchtwegen und Türen, Lagerung brandgefährlicher Materialien, sonstige Brandschutzeinrichtungen und Lösch-wasserversorgung sowie auf organisatorische Brandschutzvorkehrungen.

Europäische Brandschutznormen für Seilbahnen

Aus Anlass des Unglücks von Kaprun werden über Initiative des Verkehrsministeriums durch die CEN (Europäische Normungsorganisation) erstmals Normen für Brandschutz bei Seilbah-nen ausgearbeitet:
Sicherheitsempfehlungen für Seilbahnen und Schlepplifte -Brandverhütung und Brandbekämp-fung (Teil I Tunnelstandseilbahnen, Teil II andere Seilbahnen).

Die vorgeschlagenen Maßnahmen decken sich im wesentlichen mit dem oben erwähnten österreichischen Leitfaden bzw. den in Österreich bereits umgesetzten Maßnahmen. Beispielsweise:
Auflistung von Gefährdungsbildern
Geringhalten der Brandlasten
Feuerwiderstandsdauer und Brandverhalten verwendetet Materialien Festlegung der Qualifikation für Werkstoffe
Maßnahmen im Trassenbereich der Seilbahn
Einrichtung von Rauch- und Brandmeldern bzw. Löschgeräten in Schaltschränken von Standseilbahnen, Gegensprechanlagen, Videoüberwachung in Fahrgasträumen von Fahrbe-triebsmitteln.

Es ist zu erwarten, dass die Normen Ende 2004 fertiggestellt sind (nächste Sitzung Ende März). (Schluss bxf)

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