KfV: Hohe Verletzungsschwere bei Tunnelunfällen!

Die Unfallrate in Tunnels ist geringer als auf anderen Straßenarten, wenn sich jedoch ein Verkehrsunfall ereignet, ist die Verletzungsschwere wesentlich höher.

Wien (OTS) - Pro Jahr ereignen sich in Österreich 71 Tunnelunfälle mit Personenschaden auf Autobahnen und Schnellstraßen. Dabei werden durchschnittlich pro Jahr 15 Verkehrsteilnehmer getötet, 38 schwer verletzt und 91 leicht verletzt. Die volkswirtschaftlichen Unfallkosten betragen pro Jahr rund 13 Millionen Euro. Die heute präsentierte Studie, die im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) entstanden ist, gibt Aufschluss darüber, wie verkehrssicher Tunnelstrecken im Verlauf von Autobahnen und Schnellstraßen im Vergleich mit anderen Straßenarten sind und wie es um die Tunnelsicherheit von einröhrigen (mit Gegenverkehr) und zweiröhrigen Tunnels (im Richtungsverkehr) steht.

Tunnelunfälle: 0,2% des Gesamtunfallgeschehens
Statistisch belegt ereignen sich in Tunnels knapp 0,2 Prozent des Gesamtunfallgeschehens. Nicht die Tunnelunfälle sind im österreichischen Straßenverkehr das Hauptproblem, sondern die generell mangelnde Verkehrsmoral in punkto Geschwindigkeit und Abstand. So ist jeder zweite Unfall auf zu geringen Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zurückzuführen.

Geringes Unfallrisiko in Tunnels
Angst vor Tunnelfahrten ist unbegründet. Manche Autofahrer verspüren zwar ein mulmiges Gefühl, wenn sie durch das "schwarze Loch" müssen, für die meisten wirkt ein Tunnel aber erst dann beängstigend wenn äußere Umstände dazu Anlass geben - eine Baustelle zum Beispiel oder ein entgegenkommender Lkw in einröhrigen Tunnels. "Untersuchungen des KfV haben gezeigt, dass bei manchen Tunnels eine Fluchttendenz zu bemerken war: Je näher der Ausgang in Reichweite rückte, desto schneller wurde gefahren. Es entstand offenbar eine Sehnsucht, sobald wie möglich wieder in die 'Freiheit' zu gelangen. Wir empfehlen allen Autolenkern im Tunnel zu ihrer eigenen Sicherheit:
Ruhe bewahren und cool bleiben", weiß Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV).

Studienautor DI Klaus Robatsch vom KfV kommt zu folgendem Ergebnis:
"Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Unfall in einem Tunnel ereignet bzw. dass Verkehrsteilnehmer im Tunnel verunglücken, ist geringer als Unfälle auf Autobahnen und Schnellstraßen. Die meisten Unfälle ereignen sich auf Freilandstraßen." Wenn es aber zu einem Unfall kommt, ist die Verletzungsschwere in Tunnels höher als auf anderen Straßenarten.

Bei hohen Verkehrsstärken sind zweiröhrige Tunnels sicherer als einröhrige
Die Untersuchungsergebnisse der KfV-Tunnelstudie haben ergeben, dass die untersuchten zweiröhrigen Tunnels bei hohen Verkehrsstärken sicherer sind als einröhrige. Generell hat die Tunnellänge einen sehr starken Einfluss auf das Unfallgeschehen, wie auch Abstand, Verkehrsaufkommen und Geschwindigkeit. Das Unfallrisiko ist im Einfahrtsbereich des Tunnels am höchsten.

Abstands- und Geschwindigkeitsmoral muss überdacht werden
Das KfV führt regelmäßig Geschwindigkeits- Abstands- und Seitenmessungen zum Rand in Tunnels durch, um die besten Maßnahmen zur Erhöhung der Aufmerksamkeit herauszufinden. Ursache für Unfälle, die sich dennoch ereignen ist häufig das Fehlverhalten der Lenker. Es muss stärker ins Bewusstsein der Straßenverkehrsteilnehmer gelangen und immer wieder vor Augen gehalten werden, dass vor allem im Tunnel die Einhaltung des erforderlichen Sicherheitsabstandes unverzichtbar ist. Das Einhalten der Geschwindigkeitsbegrenzung und das Überholverbot stellt eine weitere lebensrettende Maßnahme dar.

Gerade aufgrund des eingeschränkten Geschwindigkeitsgefühls in Tunnels ist es besonders wichtig, sich durch einen regelmäßigen Blick auf die Tachonadel von der korrekten Geschwindigkeit zu überzeugen. Viele gefährliche Situationen resultieren aus zu hoher Geschwindigkeit. "Bei einer Fahrt durch einen Tunnel müssen zusätzliche Stressfaktoren vermieden werden, da hier erhöhte Konzentration notwendig ist. Auf CD-Wechseln oder Telefonieren sollte allein schon aus Eigenschutz verzichtet werden. Jede auch noch so kurze Ablenkung kann gerade in einem Tunnel fatale Auswirkungen haben", warnt Thann.

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Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Alexandra Ludvik
Pressestelle
Tel.: +43/1/717 70-225

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