Wiener Arbeitsmarktoffensive 2004: Drei neue WAFF-Angebote

Weiterbildung und Beratung für 3.500 Menschen

Wien (OTS) - "Bessere Qualifikation schützt vor Arbeitslosigkeit. Unsere Anstrengungen im Rahmen der Wiener Arbeitsmarktoffensive 2004 beinhalten deswegen drei neue, zusätzliche Angebote zur Weiterbildung und beruflichen Fortentwicklung von Beschäftigten. Insgesamt können damit 3.500 Personen beraten und / oder gefördert werden", erklärten Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder und Frauenstadträtin Mag. Renate Brauner am Dienstag im Rahmen des Mediengesprächs des Bürgermeisters. "Damit unterstützen wir auch die Wiener Betriebe, da qualifizierte MitarbeiterInnen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sind." Das Budget für diese drei neuen Programme beträgt 1,2 Millionen Euro. Mit den drei neuen und den bisher schon bestehenden fünf Angeboten können insgesamt im Rahmen des WAFF pro Jahr fast 15.000 Wienerinnen und Wiener beraten und / oder bei Weiterbildungsaktivitäten finanziell unterstützt werden.

Rund 321.000 Beschäftigungsverhältnisse werden pro Jahr durch in Wien wohnende Personen neu aufgenommen (Mehrfachwechsel mitgezählt). 52 Prozent der arbeitslosen Wienerinnen und Wiener haben "nur" einen Pflichtschulabschluss, dagegen sind lediglich 19 Prozent der Arbeitnehmer insgesamt aus der Gruppe der Pflichtschulabsolventen. Diese Tatsachen machen die Bedeutung von beruflicher Weiterbildung klar. Der Wiener ArbeitnehmerInnenförderungsfonds - WAFF bietet im Jahr 2004 deswegen folgende neue Produkte an:

o "Qualifizierung 45+" (Förderung für Beschäftigte ab 45 Jahren für berufliche Weiterbildung) o eine Beratungsstelle für berufliche Entwicklungschancen für alle Interessierte o "NOVA" Informations- und Beratungsangebot für schwangere Frauen und Frauen mit aufrechtem Dienstverhältnis in Karenz.

Informationen zu den drei neuen und den fünf bestehenden Weiterbildungsangeboten des WAFF sind unter der Telefonnummer : 217 48/0 erhältlich.****

Seit 1996 insgesamt 50.000 Menschen beraten oder gefördert

Im Rahmen der bisher bestehenden 5 Programme konnten insgesamt fast 50.000 Menschen beraten oder gefördert werden. Allein das Weiterbildungskonto wurde von über 41.000 Menschen genutzt, mehr als 4.000 Personen wurden bei FRECH, Amandas Matz und der IT-Lounge beraten. 1.300 WienerInnen wurden im Rahmen der Beratungsleistungen für eine berufliche Weiterbildung gefördert.

Wirtschaftliche Dynamik - Neue Herausforderungen für ArbeitnehmerInnen

Die globale wirtschaftliche Entwicklung zwingt Unternehmen zur immer rascheren Anpassung an geänderte Marktverhältnisse. Die Produktlebenszyklen werden immer kürzer, innovative Technologien sind einzuführen, Rationalisierungspotentiale zu nutzen, neue Märkte aufzuschließen. Die Beschäftigten in diesen Unternehmen stehen damit zunehmend vor neuen Herausforderungen: Einmal erworbene Qualifikationen veralten immer schneller, spezielle Anforderungen, wie Teamfähigkeit und soziale Kompetenz, gewinnen an Bedeutung, berufsbezogene Weiterbildung wird zur zwingenden Voraussetzung für Arbeitsplatzsicherheit und berufliche Entwicklungschancen. Gleichzeitig sind immer mehr ArbeitnehmerInnen mit wechselnden Episoden von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit konfrontiert.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In Wien werden rund 321.000 Beschäftigungsverhältnisse durch in Wien wohnende Personen neu aufgenommen (Mehrfachwechsel mitgezählt). Dem gegenüber stehen rund 194.000 Fälle, die in die Arbeitslosigkeit wechseln. 54,2 Prozent davon aus Standardbeschäftigungen, 4,7 Prozent aus geringfügiger Beschäftigung. Die Bedrohung, beschäftigungslos zu werden, und das Qualifikationsniveau stehen dabei in engem Zusammenhang.

Jeder zweite Arbeitslose hat "nur" Pflichtschulabschluss

Klar ist, dass geringere Qualifikation die Gefahr von Arbeitslosigkeit erhöht. Die cirka 685.000 Beschäftigten mit Wohnsitz in Wien verteilen sich folgendermaßen auf die unterschiedlichen Bildungsniveaus:

o 19,4 Prozent der Beschäftigten haben als höchste abgeschlossene Bildung die Pflichtschule, 32,1Prozent einen Lehrabschluss usw. o Bei den Arbeitslosen ist der Anteil mit Pflichtschulabschluss deutlich höher: 52 Prozent der Arbeitslosen haben lediglich Pflichtschulabschluss. Die niedrig qualifizierten sind somit viel stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Personen mit höheren Bildungsabschlüssen.

Beschäftigte

Uni/FH BHS AHS BMS Lehre Pflichtschule Männer 16,5% 9,2% 10,8% 7,3% 38,4% 17,7% Frauen 14,6% 10,4% 13,2% 16,3% 24,0% 21,6% Gesamt 15,7% 9,7% 11,8% 11,2% 32,1% 19,4%

Arbeitslose

Uni/FH BHS AHS BMS Lehre Pflichtschule Männer 3,0% 4,0% 3,6% 2,3% 36,3% 50,8% Frauen 4,3% 4,3% 5,6% 7,7% 22,0% 56,2% Gesamt 3,5% 4,1% 4,4% 4,5% 30,6% 52,9%

(Quelle Statistik Austria, Volkszählung 2001)

Frauen am Wiener Arbeitsmarkt

Der Zusammenhang zwischen dem Qualifikationsniveau und dem Risiko, den Job zu verlieren, ist auch bei Frauen deutlich zu erkennen: 56, 2 Prozent der arbeitssuchenden Frauen haben als höchste Qualifikation einen Pflichtschulabschluss. Wien hat mit einer Frauenerwerbsquote von 78,7 Prozent im Vergleich mit Gesamt-Österreich (63 Prozent) einen großen Vorsprung. Der IFES-Frauenbarometer 2003 (Stichprobe: 1.000 Wienerinnen ab 18 Jahren, Befragungszeitraum 23. Mai bis 29. Juni 2003) hat gezeigt, dass die Wienerinnen arbeiten wollen: 8 von 10 Frauen vertreten die Ansicht, eine Frau soll möglichst immer berufstätig sein. In Wien gibt es dazu ein klares politisches Bekenntnis. Die Rahmenbedingungen sind Kinderbetreuungseinrichtungen in ausreichender Anzahl und mit flexiblen Öffnungszeiten, sowie Weiterbildungs- und Wiedereinstiegsprogramme, die sich ausdrücklich an Frauen richten.

Berufliche Weiterbildung in Österreich

Im europäischen Vergleich liegt Österreich bei der Weiterbildungsbeteiligung eher im Mittelfeld, wie internationale Vergleichsgrößen belegen:

o Beteiligung von Erwachsenen an Aus- und Weiterbildung

1999 2000 2001 EU 8,2 8,5 8,4 Österreich 9,1 8,3 8,2 Schweden 25,8 21,6 17,5

(Quelle: Eurostat, Arbeitskräfteerhebung)

Wiener Modell für Unterstützung von Beschäftigten ruht auf drei Säulen

1) Beratung für Beschäftigte, die sich beruflich weiterentwickeln 2) Finanzielle Unterstützung für Beschäftigte bei der beruflichen Weiterbildung
3) Information über Weiterbildungsangebote in Wien

Das bereits bestehende Leistungsangebot des WAFF (z.B. Bildungskonto) wird 2004 um drei neue Leistungen erweitert:

o Qualifizierung 45+ (Förderung für Beschäftigte ab 45 Jahren für berufliche Weiterbildung; 75 Prozent der Kurskosten, max. 700 Euro) o Beratungsstelle für berufliche Entwicklungschancen (Beratungsangebot zur Klärung von Fragen der individuellen Arbeitsplatzsituation u. beruflichen Weiterentwicklung) o NOVA - Schwangerschaft und Beruf / NOVA - Karenz und Beruf (Informations- und Beratungsangebot für berufstätige schwangere Frauen und Personen in Elternkarenz zu Fragen beruflichen Perspektiven, des Wiedereinstiegs etc.)

I - Beratung zur beruflichen Weiterentwicklung

o Beratungsstelle für berufliche Entwicklungschancen (NEU)

Seit Anfang 2004 gibt es im WAFF ein neues Beratungsangebot für berufstätige Männer und Frauen, die sich beruflich verändern wollen. Im Mittelpunkt der Beratung steht die professionelle Hilfe bei Fragen, wie: Wie hat sich bisher meine berufliche Laufbahn entwickelt und wo stehe ich heute? Welche mögliche Alternativen gibt es für mich? Wo liegen meine besonderen Stärken? Brauche ich zusätzliche Qualifikationen, um meine beruflichen Ziele zu erreichen? Welche Risiken gehe ich mit einem Jobwechsel ein? Was gibt es für Förderungen?

Mit einem Team von professionellen BeraterInnen wird der WAFF in diesem Jahr für 2.000 ArbeitnehmerInnen Beratungsmöglichkeiten bieten.

o FRECH - Frauen ergreifen Chancen

Das Programm FRECH ist die herausragendste und intensivste Unterstützungsmaßnahme des waff für berufstätige Frauen. FRECH richtet sich in erster Linie an Frauen mit niedrigen Formalqualifikationen und in prekären Arbeitsverhältnissen, die einen beruflichen Auf- oder Umstieg anstreben. Die BeraterInnen von FRECH bieten den ratsuchenden Frauen Orientierungs- und Entscheidungshilfen und machen ihnen Mut, eine berufliche Veränderung anzugehen.

Die Problemstellungen, mit denen Frauen im Berufsleben konfrontiert werden, sind äußerst vielfältig: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Berufsunterbrechungen und Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg nach Familienbetreuungsphase, die nach wie vor bestehende Einkommensdifferenz zwischen Frau und Mann, Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Das sind nur einige Themen, die bearbeitet werden müssen, um eine gute Basis für einen beruflichen Neuanfang zu legen. Das Programm wurde bereits 2002 vom WAFF entwickelt und erstmals umgesetzt. Bis Dezember 2003 haben mehr als 2.200 Frauen das Beratungsangebot im Rahmen von FRECH in Anspruch genommen. Rund 800 Frauen wurden in diesem Zeitraum bei der beruflichen Weiterbildung finanziell unterstützt.

Für 2004 stehen 1.100 Beratungsplätze zur Verfügung. Für mindestens 400 Frauen besteht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, sich bei Besuch von Weiterbildungsmaßnahmen vom WAFF fördern zu lassen. Der maximale Förderrahmen beträgt 3.700 Euro.

o NOVA - Initiative zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf (NEU)

Erstmals mit Beginn dieses Jahres können berufstätige Frauen, die auf Grund einer Schwangerschaft in absehbarer Zeit eine Berufsunterbrechung in Kauf nehmen müssen, sich individuell vom WAFF bei der Vorbereitung auf diese Situation unterstützen lassen. In Form von Beratungen sollen mögliche Probleme bearbeitet und passende Lösungsstrategien entwickelt werden. Das Beratungsangebot steht grundsätzlich auch Männern offen, wenn diese nach der Geburt des Kindes für eine bestimmte Zeit die Kinderbetreuung übernehmen wollen. Gleiches gilt auch für Frauen mit aufrechtem Dienstverhältnis, die sich in Karenz befinden. Nova bietet aber auch arbeitslosen Personen Unterstützung für einen erfolgreichen Wiedereinstieg.

Insgesamt können damit 500 Personen beraten und unter bestimmten Voraussetzungen mit durchschnittlich 2.700 Euro für berufliche Qualifizierungsmaßnahmen gefördert werden.

o Amandas Matz

Amandas Matz ist eine arbeitsmarktpolitische Beratungs- und Betreuungseinrichtung für erwerbslose und von Erwerbslosigkeit bedrohte Mädchen und junge Frauen. Die Beratungsleistung für Frauen zwischen 15 und 25 in Fragen von Ausbildung, Beruf und Arbeit erfolgt unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft. Jährlich werden bei Amandas Matz rund 300 Frauen und Mädchen beraten. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit für Gruppenberatungen.

o IT-Lounge

Hochwertiges Informations- und Beratungsangebot für IT-Qualifizierungen und IT-Arbeitsplätze. Mit dieser Leistung werden beschäftigte WienerInnen angesprochen. 2004 können 500 Menschen speziell zu IT Berufen beraten werden.

II - Finanzielle Förderung von beruflicher Weiterentwicklung

o Qualifizierung 45+ (NEU)

Die Arbeitsplatzunsicherheit wächst mit zunehmendem Alter der ArbeitnehmerInnen, Qualifikationen sind oft nicht mehr am aktuellen Stand, und einmal von Arbeitslosigkeit betroffen, ist die Rückkehr in die Arbeitswelt besonders schwierig.

Um hier gezielt gering qualifizierte, ältere Beschäftigte zu unterstützen, bietet der WAFF 2004 mit dem Programm Qualifizierung 45+ eine spezielle Förderung für 1.000 Wiener Beschäftigte ab 45 Jahren. Gefördert werden 75 Prozent von Kurskosten bis maximal 700 Euro, bei einem vom WAFF anerkannten Bildungsträger. Die Förderung ist für alle Beschäftigten offen, deren höchster Abschluss Lehre oder BMS ist. Höher qualifizierte Beschäftigte, die von Arbeitsplatzverlust bedroht sind oder deren Qualifikationen am Arbeitsmarkt nicht mehr verwertbar sind, können ebenfalls diese Förderung in Anspruch nehmen.

o Weiterbildungskonto

Im Sinne des Konzepts des lebenslangen Lernens wurde bereits 1996 das Weiterbildungskonto für Wienerinnen und Wiener, die sich beruflich weiterbilden und höher qualifizieren wollen, eingerichtet. Diese Maßnahme steht auch beschäftigungslosen Personen offen, die in einem höheren Ausmaß gefördert werden. In Form einer anteilsmäßigen Refundierung werden Kosten für berufsbezogene Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen bei einem vom WAFF anerkannten Bildungsträger je nach Voraussetzungen von 150 bis maximal 450 Euro gefördert. Im Jahr 2004 stehen wieder Mittel für 5.550 Förderungen bereit.

III - Information über Weiterbildungsangebote in Wien

o Weiterbildungsinformation

Für alle weiterbildungsinteressierten Wienerinnen und Wiener stellt der WAFF seit 1999 ein spezielles Informationssystem über Wiener Angebote zur beruflichen Weiterbildung zur Verfügung. Auf Basis einer vom WAFF erstellten und gewarteten Datenbank haben Bildungsinteressierte die Möglichkeit, telefonisch (01/ 333 5000) und per Internet ( http://www.weiterbildung.at/ ) Auskünfte zu Weiterbildungsangeboten sowie Informationen über Förderungsmöglichkeiten zu erhalten.

Die Weiterbildungsinformation bietet Auskunft zu ca. 17.200 Bildungsangeboten von rund 630 Anbietern. Die Hotline wird jährlich von rund 3.000 AnruferInnen genutzt, die Website hat im Jahr rund 71.000 Besuche zu verzeichnen.

WAFF-Angebote sind einzigartig in Österreich

Das Angebot des WAFF reicht von hochwertigen Beratungsmöglichkeiten über die finanzielle Unterstützung bei berufsbezogenen Weiterbildungsmaßnahmen bis zur Information über das vielfältige Weiterbildungsangebot. Der Schwerpunkt liegt bei der Unterstützung von Personen mit niedriger Formalqualifikation und der gezielten Förderung von Frauen.

Insgesamt stehen im Rahmen des WAFF im Jahr 2004 Beratung für 4.300 Personen, finanzielle Unterstützung für 7.000 Personen bei beruflicher Weiterbildung und mehr als 3.000 direkte Informationsgespräche für Weiterbildungsinteressierte zur Verfügung. Der finanzielle Aufwand im Rahmen dieses Schwerpunkts des WAFF beträgt für dieses Jahr 5,35 Mio. Euro. (Schluss) mmr/hk

Rückfragen & Kontakt:

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Martin Ritzmaier
Tel.: 4000/81 855
martin.ritzmaier@gfw.magwien.gv.at
Mag. Heidemarie Kargl
Tel.: 4000/81840
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