ÖAMTC: Gegen "Wildlinge" im Straßenverkehr wurden vor 99 Jahren Kfz-Kennzeichen eingeführt

Ein Auto durfte damals nicht schneller als ein "frisch trabendes Pferd" unterwegs sein

Wien (ÖAMTC-Presse) - Die Geschichte der Kfz-Kennzeichen ist fast so lange wie das Bestehen des ÖAMTC und an ihrem Anfang stand eine Drohung: Da viele Lenker von Automobilen zu schnell unterwegs waren und die Temposünder trotz Heranwinkens der Polizei nicht stehen bleiben wollten, drohten die Gesetzeshüter im Jahr 1900 mit der Einführung von Kfz-Kennzeichen. Ziel war, die Identität der Autobesitzer sicher und schnell feststellen zu können. Auch der ÖAMTC (damals: Österreichischer Automobil Club), forderte den Nummernzwang, weil "durch die rasch zunehmende Zahl an Automobilen, es immer schwieriger wird, flüchtige Lenker auszuforschen".

Erst fünf Jahre später rafften sich die Politiker auf, und am 27. September 1905 wurden vom "Ministerium des Inneren" Kfz-Kennzeichen verordnet. Die Clubzeitschrift des Automobil Clubs kommentierte damals die Einführung der Kennzeichen so: "Der Nummernzwang wird sich auf die Bevölkerung, die sich bisher schutzlos dem Treiben einiger Wildlinge ausgesetzt sah, gewiss beruhigend wirken." Übrigens: Mit dem Nummernzwang wurden 1905 auch die ersten Höchstgeschwindigkeiten auf den Straßen eingeführt. Auf Landstraßen galten höchstens 45, in geschlossenen Ortschaften 15 und an kritischen Stellen gar nur sechs Stundenkilometer. Die Bestimmung, dass ein Auto nicht schneller als ein "frisch trabendes Pferd" unterwegs sein dürfe, wurde aufgehoben.

Missstände und Unrichtigkeiten in der Auto-Evidenz zwangen vor 85 Jahren (1919) die Polizeidirektion Wien zur vollständigen Umnummerierung der Autos und Motorräder. Bis zu diesem Jahr war es üblich, dass sich die Kfz-Besitzer die Schilder bei einem beliebigen Schildermaler bestellt haben. Die neuen Kennzeichen trugen einen amtlichen Aufdruck der Polizeidirektion Wien. 28 Jahre später, im November und Dezember 1947, müssen Kfz-Besitzer ihre seit dem Jahr 1919 gültigen Nummerntafeln gegen neue umtauschen.

"Maler gegen Streicher"

Ein Streit teilte 1988 Österreich in zwei Lager. Verkehrsminister Rudolf Streicher stellt "seine" neuen Nummerntafeln vor: schwarze Schrift auf weißem Grund mit rot-weiß-roten Streifen am oberen und unteren Rand. Nur wenige Tage später meldete sich der im Jahr 2000 verstorbene Maler Friedensreich Hundertwasser mit seinem Kennzeichen-Vorschlag: weiße Schrift auf schwarzem Grund. Eine emotional geführte Diskussion begann. Verkehrsminister Streicher setzte sich und seine Nummerntafeln durch. Auch Wunschkennzeichen sind erhältlich - die Verwirklichung des Nummerntraums kostete zu Beginn 2.200 Schilling (160 Euro).

Der letzte "Meilenstein" in der Chronik der Nummerntafeln war die Einführung der EU-Kennzeichen mit blauem Feld, Sternenkranz und einem "A" als Länderkennung im November 2002.

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ÖAMTC-Pressestelle/Michael Holzinger

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