Ärztekammer warnt seit Jahren vor drohendem Finanzkollaps

Dorner: "Spitalsdefizit in dieser Höhe aber auch für mich überraschend"

Wien (OTS) - Bestürzt zeigt sich Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr. Walter Dorner über die jüngsten Defizitzahlen bei den Wiener Gemeindespitälern. Man habe zwar seit Jahren vor dem drohenden Finanzkollaps im Wiener Gesundheitswesen gewarnt, "dass nun heuer mit einem Defizit von knapp 70 Millionen Euro beim Wiener Krankenanstaltenverbund gerechnet wird, ist in dieser Höhe aber auch für mich überraschend und zeigt einmal mehr die Notwendigkeit von dringenden Reformmaßnahmen", so Dorner.****

Dorner unterstützt die Bemühungen von Gesundheitsstadträtin Prim. Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker ("Sie weist schon lange auf das fehlende Geld im Wiener Gesundheitswesen hin") und kritisiert die fehlende Bereitschaft des Bundes, Maßnahmen zur langfristigen Sicherung des österreichischen Gesundheitssystems zu initiieren. Es sei kein Zufall, dass gerade in Wien die finanziellen Probleme so massiv zu Tage treten würden, betont Dorner. Gerade in der Bundeshauptstadt würden eine Reihe von speziellen gesundheitlichen Problemen auftauchen, die einen vermehrten Einsatz finanzieller Ressourcen notwendig machten. Es habe sich auch nicht bewährt, das Budget der Gesundheitsstadträtin in den letzten Jahren um jährlich zwei Millionen Euro zu kürzen.

Im Speziellen verwies Dorner auf die besonderen sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen in Wien. Weltstädte hätten eine andere Patientenstruktur wie ländliche Gebiete oder kleinere Städte. Darüber hinaus leben 22 Prozent der über 75-jährigen Österreicher in der Bundeshauptstadt. "Viele Krankheiten finden sich in Wien häufiger als in Rest-Österreich, wie beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Depressionen und Drogensucht." Zudem würden 60 Prozent aller AIDS-Erkrankungen in Wien behandelt werden.

Weltstadtfaktor einbeziehen

Dorner fordert von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat die Einbeziehung eines Weltstadtfaktors, der auf die speziellen Bedürfnisse der Bundeshauptstadt Rücksicht nimmt. "Es geht nicht an, dass ohne Berücksichtigung und vielleicht auch ohne Kenntnis der spezifischen Gesundheitsdaten Wiens Gelder über Österreich verstreut werden, die nicht in der Relation zu den medizinischen Erfordernissen stehen."

Der Ärztechef fordert die sofortige Einberufung eines runden Tisches mit Vertretern der Gemeinde Wien, des Bundes und der Gesundheitsberufe. Nur so könne man zumindest jetzt noch versuchen, dem offensichtlichen Finanzdesaster in den Wiener Spitälern einigermaßen wirkungsvoll entgegen zu treten.

Dorner wiederholt bei dieser Gelegenheit auch seine Forderung nach einer moderaten Beitragserhöhung der Krankenversicherungsbeiträge und mehr Geld ins System. Dies sei der einzige Weg, um in solidarischer Weise den modernen Erfordernissen der Medizin nach State of the Art zu entsprechen und für die Bundeshauptstadt wichtiger als beispielsweise Straßenrückbauten, so Dorner abschließend. (hpp)

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223 od. 0664/1014222
Fax: (++43-1) 51501/1289
hpp@aekwien.or.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0001