"Noch einmal: Ich bin nicht verantwortlich" - DER STANDARD-Gespräch mit SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny

Von Claus Philipp und Thomas Trenkler - Ausgabe vom 17.2.2004

Wien (OTS) - Und: "Über das Musical will ich jetzt nicht mehr reden." Im Gespräch mit dem Standard hofft SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, dass man Intendantin Kathrin Zechner eine Chance gibt, und will er sich um Transparenz der Gehälter der Wiener Kulturmanager bemühen.

Wien - Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) kann die Diskussion rund um die Reform der Vereinigten Bühnen Wien ab 2007, die mit einer Verdoppelung der Subvention von 20 auf 40 Millionen Euro pro Jahr einhergeht, und die darauf folgende Kritik an seiner Person nicht verstehen: "Ich finde es zumindest beachtenswert, wenn sich die Stadtregierung dazu bereit erklärt, großzügig in die Kultur zu investieren."

Aber riet nicht Finanzstadtrat Sepp Rieder seinem Kollegen, bereits jetzt zu sparen? Und sagte er nicht, dass Mailath künftig Umschichtungen im Kulturbudget vornehmen werden müsse? Mailath sieht keine Probleme dräuen: "Wir finanzieren zusätzlich etwas, ohne dass deshalb für andere Bereiche weniger da ist."

Auch von einer Unverhältnismäßigkeit des Mitteleinsatzes will er nichts wissen: "Wir haben in den letzten Jahren ja auch sehr viel in die anderen Bereiche investiert, in das Kino, in die bildende Kunst, in die freie Szene."

Mailath steht voll hinter der Reform: "Es war von Haus aus auch meine Idee, dass man das Theater an der Wien, das für die Kunstgattung Oper gebaut wurde, wieder dieser widmet." Den Einwand, dass das Theater für Schikaneder als Unterhaltungsbühne errichtet und Oper nur ausnahmsweise gespielt wurde, lässt er nicht gelten: "Wir können jetzt auch eine theaterhistorische Diskussion führen. Aber das Thema ist die Theaterreform."

Und diese hat Implikationen: "Wenn man gleichzeitig das Angebot der Musicals aufrechterhalten will, dann heißt das, dass ich dafür zwei Bühnen benötige. Und wenn sich der Finanzstadtrat bereit erklärt, eine zweite Stufe der Ronacher-Sanierung zu finanzieren, kann ich dazu nur sagen: Ich bin sehr glücklich, weil auch das Ronacher ein einzigartiges Haus ist."

Aber es ist ungeeignet für Musicals: Um diese kosten^deckend zu spielen, braucht es z. B. ein Haus mit 2000 Sitzplätzen. Warum macht man es dann? "Weil man diesen Ort im Zentrum der Stadt dafür nutzen will. Eine lustlose Bespielung wie in den letzten Jahren mit Tourneeproduktionen will ich nicht. Zudem geht es uns um Kontinuität, Qualität und soziale Sicherheiten für die Mitarbeiter. Das alles wird man nicht kostendeckend machen können, auch wenn man irgendwo eine Halle für 2000 Leute bespielt."

Unterhaltungsbereich

Wie kam es eigentlich zur Bestellung von Kathrin Zechner als Konsulentin? Mailath sagt, die Entscheidung sei gemeinsam gefallen. Kathrin Zechner hätte ein Konzept vorgelegt: "Aufgrund dieser Tatsache wurde sie von den Vereinigten Bühnen zur Intendantin für den Unterhaltungsbereich bestellt." Nachsatz: "Es gibt bei mir keine parteipolitischen Bestellungen." Und man solle Zechner eine Chance geben, da sie beim ORF erfolgreich im Unterhaltungsbereich agiert habe.

Zechner wurde also von den Vereinigten Bühnen bestellt. Und diese gehören zur Wiener Holding, und diese wiederum untersteht dem Finanzstadtrat. Für Mailath gibt es daher keine Möglichkeiten, einzugreifen. Er sieht auch keine Notwendigkeit dazu. Selbst wenn sich Rudi Klausnitzer als Intendant, der er bis 2002 war, als Barbarella-Autor einsetzt und daher Tantiemen kassiert: "Ich wusste nicht, dass Klausnitzer das Script geschrieben hat. Aber ich kümmere mich nicht um einzelne Produktionen. Es ist durchaus nicht unüblich, dass Intendanten, wenn sie Produzent sind oder Regie führen, zusätzliche Gehälter bekommen. Da ich weder verantwortlich bin noch den Vertrag abgeschlossen habe, kann ich dazu nichts sagen."

Ob die Stadt ausreichend Kontrolle ausübt? "Noch einmal: Ich bin nicht verantwortlich. Es gibt die zuständigen Organe. Außerdem wurden die Vereinigten Bühnen vor wenigen Jahren vom Rechnungshof geprüft." Die Kritik an der Gehältern war damals eine heftige. Zudem legt der Bund alle zwei Jahre in einem RH-Bericht die Einkommen der staatlichen Manager offen, die Stadt hingegen nicht. "Ich habe kein Problem damit, Managerbezüge im Kulturbereich offen zu legen. Ich werde mich gerne dafür einsetzen, dass man in Wien Mittel und Wege findet, diese transparent zu machen." Nachsatz: "Aber über das Musical will ich jetzt nicht mehr reden."

Themenwechsel: Mozartjahr. "Wir wollen den Anlassfall nutzen, nachhaltige Projekte zu initiieren. Peter Marboe ist als Intendant die ideale Persönlichkeit. Ihm stehen 30 Millionen Euro zur Verfügung." Tatsächlich? "Die Projekte werden vom Intendanten vergeben." Aber Peter Sellars redet von zehn Millionen Euro für sein Projekt. Die kommen also noch dazu? Nein, sagt Mailath, die seien Teil der 30 Millionen. Also ist doch schon ein Drittel des Budgets vergeben. Welche Projekte sind sonst noch fix? "Nichts", sagt Mailath, "das Ganze ist ein Work in Progress. Es wird laufend Veränderungen geben."

Josefstadt-Stiftung

Wird das Theater in der Josefstadt nun wirklich, wie von Mailath 2001 "für die nächsten Wochen" angekündigt, eine Stiftung? "Sie wird gegründet. Dafür braucht es die Zustimmung aller Beteiligten. Und die kann selbst ein Kulturstadtrat nicht erzwingen. Jetzt gibt es die Zustimmung."

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Kunststaatssekretär Franz Morak? "Wir haben eine konstruktive Gesprächsebene bezüglich der Josefstadt und des Volkstheaters, die wir gemeinsam erhalten - aber das hindert uns nicht, auf anderer Ebene die Konflikte auszutragen. Und ich werde auch nicht müde werden, das zu tun, weil ich nach wie vor die Politik von Morak, Geld aus Wien abzuziehen, für falsch halte."

Ob er im März die Diagonale besuchen wird, die Morak nicht fördern will? "Ich fahre nach Graz. Wir haben eine Unterstützung von 40.000 Euro zugesagt. Ich hoffe sehr, dass sie ein Erfolg wird."

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