Slowenien: Enorme Chancen für österreichische Unternehmen

Umwelttechnologien werden mit dem EU-Beitritt Sloweniens besonders gefragt sein und im Baugewerbe wird ein Boom erwartet

Wien (PWK105) - Mit 20.273 km² (etwa die Hälfte der Schweiz) ist Slowenien einer der kleinsten europäischen Staaten. Unter den so genannten Reformstaaten und EU-Beitrittsländern ist Slowenien aber einer der größten - nämlich die wirtschaftliche Entwicklung und die Annäherung an EU-Niveaus betreffend. Mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 12.208 EUR (2003) liegt Slowenien klar vor Ungarn und Tschechien und hat EU-Länder wie Griechenland oder Portugal längst eingeholt.

"Unter den Nachfolgestaaten Ex-Jugoslawiens hat Slowenien die Umorientierung zur Marktwirtschaft am schnellsten vollzogen, auch wenn diese bis Mitte 1993 mit einer Rezession und zu einem Rückgang von etwa einem Drittel des Bruttoinlandsproduktes und der Industrieproduktion verbunden war. Ab 1993 war jedoch ein deutlicher und bis heute anhaltender Konjunkturaufschwung zu bemerken, der immer weit über dem EU-Durchschnitt lag", sagt Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ. Die wirtschaftliche Verflechtung mit der EU ist sehr intensiv - so wurden 2003 über 58% der Ausfuhren und 67% der Einfuhren mit der EU abgewickelt. Die wirtschaftlichen Eckdaten sind auch durchwegs positiv: Für heuer wird ein BIP-Plus von 3,6% prognostiziert, die Inflation wird bei moderaten 4,9% liegen und die Arbeitslosigkeit sollte leicht auf 6,7% fallen.

Seit der Unabhängigkeit Sloweniens entwickelten sich die Handelsbeziehungen mit Österreich äußerst dynamisch. Inzwischen sind die Exporte nach Slowenien höher, als sie in das frühere Gesamtjugoslawien waren. Mit dem 1. Mai wird die Grenzöffnung im Rahmen des EU-Beitritts Sloweniens weitere Wachstumsimpulse insbesondere in den Grenzregionen bei Importen und Exporten bewirken, so vor allem in den bisher noch nicht oder nur eingeschränkt liberalisierten Bereichen wie z.B. Nahrungsmitteln. In diesem Zusammenhang kam die im Herbst 2003 von WKÖ und Landwirtschaftsministerium gemeinsam gestartete "Exportoffensive 1-24" gerade recht. Eine erste Lebensmittelpräsentation in Laibach von rund 40 österreichischen Unternehmen fand bei den slowenischen Fachkunden großes Interesse. 160 potenzielle slowenische Vertriebspartner suchten Erstkontakte mit den österreichischen Lebensmittelproduzenten. Besonderes Interesse zeigte etwa die Handelskette "Mercator", mit 50% Marktanteil die größte Supermarktkette Sloweniens, die mittlerweile auch in Kroatien, Bosnien-Herzegowina sowie Serbien präsent ist. Slowenien kann diesbezüglich als Sprungbrett in die anderen Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien gesehen werden.

Chancen für österreichische Unternehmen sieht Georg Krauchenberg, WKÖ-Handelsdelegierter in Laibach, vor allem im Umweltsektor und in der Baubranche. Krauchenberg: "Besonders im Umweltbereich hat Slowenien einen großen Nachholbedarf, etwa bei Kläranlagen und Abluftfiltern in Unternehmen." Slowenische Firmen müssen, trotz ihnen eingeräumter Übergangsfristen, mittelfristig die strengeren EU-Vorschriften im Umweltbereich übernehmen. Krauchenberg:
"Österreichische Unternehmen haben dabei mit ihrem Know-How sicher gute Chancen von diesem Nachholbedarf zu profitieren." Aus diesem Grund veranstaltet die Außenhandelsstelle Laibach heuer im Sommer eine Leistungsschau im Rahmen der Internationalisierungsoffensive für österreichische Unternehmen zum Thema Umwelt. Eine zweite Leistungsschau in Laibach wird von der Außenhandelsstelle dem Thema Infrastrukturausbau gewidmet sein. Krauchenberg: "Im Autobahn- und Bahnausbau sind in den kommenden Jahren große Investitionen und im Wohnungs- und Hausbau ein regelrechter Bauboom zu erwarten." Den Grund für diesen Boom sieht Krauchenberg in den demnächst fälligen ersten auslaufenden Bausparverträgen, die den privaten Hausbau sicherlich ankurbeln werden. "Eine Chance für österreichische Unternehmen aus der Baubranche sowie für Zulieferbetriebe, die man sich nicht entgehen lassen sollte", so Krauchenberg.

Der österreichische Außenhandel mit Slowenien entwickelt sich generell hervorragend. In den Monaten Jänner bis November des vergangenen Jahres legten die österreichischen Exporte gegenüber der Vorjahresperiode um 9,4% auf 1,4 Mrd Euro zu. Die Importe stiegen um 8,6% auf 790 Mio Euro. Slowenien liegt unter den elf wichtigsten österreichischen Exportdestinationen knapp hinter den Niederlanden und lässt andere Destinationen, wie Russland oder China weit hinter sich. Koren: "Beim Pro-Kopf-Import österreichischer Waren liegt Slowenien mit über 700 Euro unangefochten vor der Schweiz und Deutschland an der Spitze." Weiters ist Österreich in Slowenien mit einem Anteil von 29,9% an allen FDI (letztveröffentlichter Stand vom 31.12.2002) der mit Abstand wichtigste Auslandsinvestor und Österreich hat seine Position auch nach der neuen Berechnungsmethode der Slowenischen Nationalbank kontinuierlich ausgebaut:

Österreich 1.173,0 Mio Euro Anteil an den gesamten FDI: 29,9% Schweiz 440,7 Mio Euro Anteil: 11,2 %
Deutschland 428,3 Mio Euro Anteil: 10,9 %
Frankreich 384,8 Mio Euro Anteil: 9,8 %
Italien 294,3 Mio Euro Anteil: 7,5 %

Die österreichischen Direktinvestitionen erstrecken sich auf alle Wirtschaftsbereiche d.h. Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen, so u.a. das Bankwesen mit Filialnetzen von vier österreichischen Banken. Der Beitritt Sloweniens zur EU wird zu weiteren Investitionen österreichischer Unternehmen allgemein und in verstärkter Form von KMU über die Grenze führen. (BS)

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