GLOBAL 2000 kritisiert: Chaos um Pestizidzulassungen

Gesetzesänderung bringt unzählige Pestizide nach Österreich - Verwirrung um deutsche und holländische Höchstwerte - Effektive Kontrolle wird unmöglich

Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 kritisiert
das Chaos im Landwirtschaftsministerium um Pestizidzulassungen. Mit der am 6. Februar 2004 in Kraft getretenen "Gleichstellungsverordnung mit Holland" sind mit einem Schlag alle in Holland erlaubten Pestizide auch in Österreich zugelassen. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde bereits 2002 der österreichische Pestizid-Markt für alle deutschen Pestizide geöffnet. "Damit lässt der vielzitierte Feinkostladen Österreich endgültig seine Rollläden herunter. Mit diesem Gesetz, das als Geschenk an Österreichs Bauern gedacht war, hat der ehemalige Landwirtschaftsminister Molterer der heimischen Landwirtschaft in Wahrheit ein Kukucksei gelegt", kritisiert GLOBAL 2000-Pestizidexperte Helmut Burtscher. Denn während bisher jedes Pestizid vor seiner Zulassung in Österreich einer humantoxikologischen und ökotoxikologischen Überprüfung standhalten musste, werden mit der neuen Verordnung all diese Sicherheitsstandards über Bord geworfen. "Damit wird zum einen die Lebensmittelkontrolle ausgehebelt und zum anderen eine völlige Verwirrung um die gesetzlichen Höchstwerte geschaffen", so Burtscher. Chaos und Erstaunen löst die Tatsache aus, dass ab jetzt gleichzeitig zwei oder sogar drei gesetzliche Höchstwerte für ein und das selbe Pestizid gelten, nämlich neben dem österreichischen auch der holländische oder deutsche. Der strengere österreichische Höchstwert für beispielsweise Cyromazin von 0,01 mg/kg gilt fortan nur mehr für ausländische Tomaten. Österreichische Tomaten dürfen zukünftig die 100-fache Menge enthalten, denn für sie gilt zukünftig der holländische Höchstwert von 1 mg/kg. Für den Konsumenten bedeutet dies, dass er zukünftig beim Kauf österreichischer Produkte damit rechnen muss, holländische und deutsche Pestizide mitzukaufen, die in diesen Mengen in importierten Produkten verboten wären.

Was die Neuregelung für ein Produkt bedeuten kann, zeigt folgendes Beispiel: Bisher waren für österreichische Tomaten 15 verschiedene Pestizidwirkstoffe zugelassen. Seit Anfang Februar sind auf einen Schlag genau 51 chemische Wirkstoffe erlaubt. "Dass sich unter den neuen Wirkstoffen auch Pestizide wie das Hormongift Cyhexatin finden, welches 1992 in Österreich gemeinsam mit DDT verboten wurde, scheint den für das Gesetz verantwortlichen ehemaligen Landwirtschaftsminister Molterer nicht interessiert zu haben", empört sich Burtscher. Das chaotische Gesetz hat eine effektive Kontrolle des Pestizideinsatzes in Österreich unmöglich gemacht. "Der jetzige Landwirtschaftsminister Pröll muss das absurde Molterer-Gesetz sofort rückgängig machen und das Chaos beseitigen. Sonst ist er als Landwirtschafts- und als Umweltminister unglaubwürdig", so Burtscher abschließend.

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