"Neues Volksblatt" Kommentar: "Niemals" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 13. Februar 2004

Linz (OTS) - =

Der Grundkonsens, dass Politik Menschen in Österreich
nie wieder dazu führen darf, aufeinander zu schießen, steht im Gegensatz zur nach wie vor nicht abgeschlossenen politischen Aufarbeitung des Bürgerkriegs vor 70 Jahren. Das differenzierte Bild, das die Geschichtswissenschaft heute bietet, kontrastiert auf politischem (SP-)Feld nach wie vor mit zu oberflächlichen Schwarz-Weiß-Schemata.
Natürlich sind autoritäre Regimes, selbst wenn sie, wie damals, im Zeitgeist liegen, der falsche Weg. Natürlich sind Hinrichtungen, die Todesstrafe an sich, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Was in der politischen Bewertung aber viel zu kurz kommt, ist die Bedrohung, die beide Seiten voneinander empfunden haben und mit der beide Seiten auch bewusst Politik betrieben haben - einmal autoritär, einmal revolutionär. Dazu kommt der Hintergrund der Nazi-Bedrohung, deren Dimension auf sozialdemokratischer Seite vielen (noch) nicht so bewusst wie etwa Dollfuß war.
Was aus all dem für heute mitzunehmen ist? Verbale Gewalt und Radikalität senken die Hemmschwellen zu physischer Aggression. Und:
Wer zu Waffen greift, schafft immer auch Opfer.

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