DER STANDARD-Bericht "Der Konsulent als Librettist"

Von Thomas Trenkler - Ausgabe vom 13.2.2004

Wien (OTS) - Ex-Intendant Rudi Klausnitzer, Chef der Verlagsgruppe News, ist nach wie vor nicht nur Berater der Vereinigten Bühnen Wien und Producer diverser Musicals: Er kassiert auch Tantiemen als Autor des Originalscripts von "Barbarella", das am 11. März uraufgeführt wird.

Wien - Die Liste des Leading Teams für das Space-Musical Barbarella, von den Vereinigten Bühnen Wien im Internet unter www.musicalvienna.at veröffentlicht, erscheint auf den ersten Blick vollständig:

"Musik: Dave Stewart, Regie & Choreografie: Kim Duddy, deutsche Übersetzung: Michael Kunze, Bühnenbild: Mark Fisher, Lichtdesign:
Willie Williams, Kostüme: Pa^tricia Field und David Dal^rymple" und so weiter. Doch der Name des Producers fehlt. Zudem hatte Rudi Klausnitzer, als Intendant der Vereinigten Bühnen (bis zum Sommer 2002) der Initiator, beteuert, dass dieses Musical keine Kopie des Films sein werde. Da aber Kunze "nur" die deutsche Übersetzung besorgte: Von wem stammt das Originalscript? Und warum wird der Autor, wie international üblich, nicht genannt? Weil es nicht opportun erscheint?

Tatsache jedenfalls: Klausnitzer, Manager der Verlagsgruppe News, ist nicht nur Konsulent der Vereinigten Bühnen (der Vertrag läuft bis Jahresende), sondern auch Producer von Barbarella und Autor des englischen Scripts. Gegenüber dem Standard bestätigt er, in beiden Funktionen Teil des Leading Teams zu sein. Und er erhält Tantiemen in unbekannter Höhe (übers Geld spricht er nicht gerne).

Zudem hat sich Klausnitzer, als er zu News wechselte, ausbedungen, die von ihm initiierten Projekte weiterbetreuen zu dürfen, darunter neben Barbarella auch Mayerling (Frederic Morton) und Wallstreet.com (Leon de Winter). Als Producer fungiert er zudem bei älteren Produktionen wie Wake Up, Tanz der Vampire oder Elisabeth (derzeit wieder im Theater an der Wien).

Klausnitzer schweigt

In einem Standard-Interview, am 11. Oktober 2000 erschienen, sagte Klausnitzer: "Jede künstlerische Tätigkeit, die werkbezogen ist, wird normalerweise honoriert. Ich habe bei Produktionen in Österreich auf diese Tantiemen verzichtet. Aber wenn die Produktion ins Ausland geht, dann bekomme ich das Geld." Im Fall der Stuttgarter Produktion von Tanz der Vampire erhielt er eine Beteiligung von "rund einem halben Prozent der Box-Office-Einnahmen".

In Österreich hatte er auf die Tantiemen verzichtet, weil er Intendant war. Den Job legte Klausnitzer aber im Sommer 2002 nieder. Ob er daher noch immer auf die Tantiemen verzichtet? Klausnitzer gibt keine Antwort zu Vertragsdetails.

Zudem konnten die Auslandsaktivitäten ziemlich gesteigert werden:
Elisabeth lief bis 2003 in Essen, Tanz der Vampire läuft seit Dezember 2003 in Hamburg, Mozart! ist seit März 2003 in Budapest zu sehen, Jekyll & Hyde hatte im Frühjahr 2003 in Köln Premiere. Klausnitzer soll daher im Vorjahr aufgrund der Beteiligungen insgesamt zwei Millionen Euro verdient haben, eine Summe, die in Fachkreisen für denkbar erachtet wird. Er selbst bestreitet sie aber - und schlug dem Standard eine Wette vor: "Was bekomme ich von Ihnen, wenn ich nicht einmal ein Zehntel der Summe verdient habe?" Die konkrete will er dennoch nicht nennen.

Zechners Versprechen

Ein Ende von Klausnitzer als Producer ist nicht absehbar: Kathrin Zechner, Intendantin ab 2005, musste sich vertraglich verpflichten, bei ihrer Programmgestaltung auf Elisabeth, Barbarella und Mayerling Rücksicht zu nehmen. Sie selbst werde sich aber weder als Producer oder als Autor einsetzen, verspricht Zechner gegenüber dem Standard:
"Anregungen zu liefern gehört zu meinem Job. Dafür werde ich bezahlt. Und den fülle ich zu 100 Prozent aus. Ich werde also z. B. keine Scripts schreiben."

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