Experten diskutieren über Österreich im europäischen Widerstand

Deutscher Historiker Kindermann referiert über "Österreich gegen Hitler" - Botschafter Steiner: Respekt vor den Opfern des Widerstands gegen den Nationalsozialismus zeigen

Wien (OTS) - Gestern Abend diskutierten an der Politischen
Akademie der ÖVP Univ.-Prof. Dr. Ger van Roon (Universität Amsterdam), Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Gottfried-Karl Kindermann (Universität München) und Staatssekretär a. d. Botschafter Dr. Ludwig Steiner unter Leitung von Hon.-Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer (DÖW) über den österreichischen und den europäischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.+++

Kindermann präsentierte die Thesen seines Werkes "Österreich gegen Hitler. Europas erste Abwehrfront 1933-1938." Diese Dimension der österreichischen Geschichte werde verleugnet, kritisierte er. Österreich weltpolitische Rolle sei nicht nur als erstes Angriffsziel Hitlers, sondern auch als erster Gegner des Dritten Reiches und des Nationalsozialismus zu sehen.

Neuer österreichischer Patriotismus gegen Nationalsozialismus

Kindermann verwies auf den neuen österreichischen Patriotismus der Christlich-Sozialen. "Hinsichtlich ihrer Einstellung zu Österreich haben die Christlich-Sozialen die bedeutendste Wende in der politischen Geistesgeschichte Österreichs bewirkt", sagte Kindermann. Erstmals sei ein österreichischer Selbstbehauptungswillen propagiert worden. Hitler habe die Gründung der Vaterländischen Front als "Faustschlag ins Gesicht" empfunden und eine "Verschweizerung" Österreichs befürchtet. Der Historiker erinnerte daran, dass die österreichische Bundesregierung nur fünfeinhalb Monate nach Hitlers Regierungsantritt die NSDAP verboten habe. Auch seien eine gezielte Aufrüstung erfolgt und Anhaltelager für NS-Gewalttäter eingerichtet worden. Dollfuss habe den Nationalsozialismus öffentlich als kriminelles System bezeichnet und erklärt, wer nicht dagegen Front beziehe, mache sich mitschuldig. Kindermann: "Welcher andere Regierungschef im damaligen Europa hätte so gesprochen?" Es gehöre zum Ruhm Österreichs, dem Nationalsozialismus fünf Jahre widerstanden zu haben, bilanzierte der Historiker. Der österreichische Patriotismus, der in der Ersten Republik alles andere als selbstverständlich gewesen sei, habe heute überparteiliche Form angenommen.

Respekt vor Opfern bewahren

Botschafter Ludwig Steiner berichtete als ehemaliger Widerstandskämpfer über Entwicklung und Besonderheiten des österreichischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Die Folgen der "furchtbaren Ereignisse von 1934" hätten anfangs auch den Widerstand geprägt. Ende 1937 sei es erst zu Kampfgemeinschaften aller Gegner der Nationalsozialisten bei Auseinandersetzungen auf der Straße gekommen. Steiner rief dazu auf, den Respekt vor den Opfern über alle Perioden zu sichern. Man müsse sowohl den Widerstand als auch die Mittäterschaft aufzeigen. "Steiner: Die Wahrheit ist allen zumutbar - auch, wenn es wehtut." (Schluss)

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