Fischer: Die Geschichte beeinflusst das Denken der Menschen

Symposium zum 70.Jahrestag der Ereignisse des Jahres 1934

Wien (SK) "Die Geschichte beeinflusst das Denken der Menschen", erklärte der zweite Nationalratspräsident Heinz Fischer in seiner Eröffnungsrede zu dem Symposium zum 70.Jahrestag der Ereignisse im Jahr 1934. Gerade zu Anfang der zweiten Republik war "die Schmerzlichkeit des Aufarbeitens groß" - umso erfreuter zeigte sich Fischer, dass es nun gemeinsam mit Nationalratspräsident Khol gelungen ist, viele namhafte Wissenschafter und Forscher für dieses Symposium zu gewinnen. Für die Konsensdemokratie der zweiten Republik waren die Ereignisse des Februar 1934 und der Folgejahre von entscheidender Bedeutung - eine intensive Auseinandersetzung sei daher unumgänglich, unterstrich Fischer. ****

Die Aufarbeitung der Ereignisse des Jahres 1934 war ungleich schwieriger als die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit Österreichs, erklärte Heinz Fischer. Schließlich konnten Sozialdemokraten und Christdemokraten auf das "unfassbare Unrecht" zwischen 1938 und 1945 "gemeinsam zurückblicken". "Der Blick auf die Zeit zwischen '34 und '38 ist viel schwieriger, weil die Standpunkte und Betroffenheiten unterschiedlich sind." Fischer zeigte sich daher erfreut, dass man nach 70 Jahren zu einem gemeinsamen Symposium zu diesem komplexen Kapitel österreichischer Zeitgeschichte geladen hat und sich "sehr ernsthaft und verantwortungsvoll" den offenen Fragen stellt.

In Bezug auf die Schuldfrage erwartet Fischer mit Interesse das Urteil der geladenen Historiker. Man müsse sich damit auseinandersetzen, "ob das, was zwischen 1934 und 1938 passiert ist, als verdienstvolle Abwehr gegen den Nationalsozialismus verstanden werden kann, oder ob damit erst die Möglichkeit eines breiten, aussichtsreichen Widerstands reduziert wurde." Die Schuld könne zweifelsohne nicht ausschließlich auf einer Seite gesucht werden -einfach zu sagen, es gibt "zwei gleich große Hälften der Schuld, ist aber auch zu simpel und zu flach", sagte Fischer.

Das heute, von Nationalratspräsident Khol, verwendete Zitat von Ingeborg Bachmann, "die Geschichte lehrt, aber sie findet keine Schüler", erscheint Fischer "zu pessimistisch". Die Lehren, die man aus den Ereignissen der ersten Republik gezogen hat, seien doch ein wesentlicher Grund für die konsensuale Zusammenarbeit der zweiten Republik. "Es war und ist relevant für die Entwicklung der zweiten Republik und daher beschäftigen wir uns damit."

Die Geschichte lehrt laut Fischer aber auch, dass man "mit der Verschiebung vom Konsens zum Konflikt" in einer Demokratie "vorsichtig umgehen muss". Fischer abschließend: "Politik braucht die Auseinandersetzung, aber es muss auch Zonen der Gemeinsamkeit geben -diese zu verteidigen und zu vergrößern erscheint mir wertvoll." (Schluss) dp

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