Nutzung von Erdwärme als Beitrag zum Klimaschutz

Neues Pilotprojekt Tunnelthermie - Sportmittelschule Hadersdorf mit Wärme aus dem Lainzer Tunnel beheizt

Wien (OTS) - "Die Nutzung von Erdwärme hilft, den Einsatz von Primärenergie und damit den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu verringern und stellt daher einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz dar" betonte die Klimaschutzkoordinatorin der Stadt Wien, Christine Fohler-Norek am Donnerstag anlässlich des Beginns der Einspeisung von Wärme aus dem Lainzer Tunnel in die Heizung der Sportmittelschule Hadersdorf in Penzing. "Mit diesem heute in Betrieb genommenen Pilotprojekt wollen wir Erfahrungen für eine breitere Nutzung von Wärme aus Tunnelbauwerken sammeln", so Fohler-Norek weiter.

Die Sportmittelschule der Stadt Wien in Hadersdorf wird damit ab sofort mit Wärme aus dem Lainzer Tunnel beheizt. Dabei wird eine neue Technologie, die sogenannte "Tunnelthermie" erprobt. Begleitende wissenschaftliche Untersuchungen dienen dazu, diese zu optimieren und für eine breite Anwendung fit zu machen.

Geringerer Gasverbrauch spart Geld und CO2

Bei dem Pilotprojekt werden rund 200 MWh/Jahr zu Heizzwecken über eine Wärmepumpe aus dem Lainzer Tunnel in die Schule transportiert. Zur Spitzenabdeckung wird zusätzlich konventionell Heizenergie über die bestehende Gaszentralheizung geliefert.

Durch die Nutzung der Erdwärme können ca. 25 000 m3 Erdgas und damit mehr als EUR 10.000 pro Jahr eingespart werden. Die jährlichen Emissionen an CO2 verringern sich um etwa 30 t. Außerdem verringert sich die emittierte Menge "konventioneller" Luftschadstoffe wie NOx oder CO.

Tunnelthermie - eine innovative Technologie

Die großen mit der Erde in Berührung stehenden Tunnelwände bilden eine ideale Möglichkeit für die Erdwärmegewinnung. Die Bauteile des Tunnels, die man ja ohnehin herstellen muss, werden als Absorberbauteile herangezogen und mit Rohrleitungen ausgerüstet.

Die Bohrpfähle der Tunnelwand werden genützt, um mittels Absorberleitungen, in denen eine Wärmeträgerflüssigkeit zirkuliert, dem Erdreich die erforderliche Wärme zu entziehen. Bei diesem Verfahren wird der geothermische Umstand genützt, dass die Temperaturen im Boden ab einer gewissen Tiefe im Jahresdurchschnitt bei ca. 11 Grad Celsius konstant bleiben.

Von den Pfählen führen Sammelleitungen zu einem Sammelschacht. Die aus dem "wärmeren" Erdreich gewonnene Wärmemenge wird via Wärmepumpe auf Nutztemperaturhöhe (ca. 45 Grad) gebracht und kann somit zum Beheizen und zur Brauchwasserbereitung der angeschlossenen Abnehmer - im konkreten Fall in der Sportmittelschule Hadersdorf -eingesetzt werden. Diese Methode der Erdwärmegewinnung wird als "Tunnelthermie" bezeichnet.

Das Forschungsprojekt ist auf Initiative der HL-AG gemeinsam mit der Technischen Universität Wien und dem Planungsbüro iC Consulenten entstanden, das durch die Schieneninfrastrukturfinanzierungsgesellschaft (SCHIG) unterstützt und durch Mittel aus dem ERP-Fonds gefördert wird. Die WIEN ENERGIE-Tochter ENERGIECOMFORT Energie- und Gebäudemanagement GmbH zeichnet für die Finanzierung und technische Umsetzung des Projekts von der Wärmeübergabestelle am Bahnkörper bis zur Einbindung in das Heizsystem der Schule verantwortlich. Die Bauausführung erfolgt durch Nägele Energie- und Haustechnik GmbH.

Seitens der Stadt Wien haben die Klimaschutzkoordinationsstelle der Magistratsdirektion, die Bezirksvorstehung des 14. Bezirks und die MA 34 (Bau -und Gebäudemanagement) als technische Fachabteilung für die MA 56 (städtische Schulverwaltung) wesentliche Beiträge für die wirtschaftliche Realisierung des Projekts geleistet.

Tunnelthermie als Beitrag zum Klimaschutzprogramm der Stadt Wien (KliP)

Das Klimaschutzprogramm der Stadt Wien sieht unter anderem die verstärkte Nutzung von erneuerbarer Energie - neben Solarenergie, Wasser- und Windkraft sowie Biomasse ist dies auch Erdwärme - für Raumwärme und Warmwasserbereitung vor. Dadurch müssen weniger fossile Energieträger (Kohle, Öl, Gas) eingesetzt werden, bei deren Verbrennung das Treibhausgas CO2 entsteht. Durch den Einsatz erneuerbarer Energie können daher die Treibhausgasemissionen verringert werden.

In Wien gibt es zahlreiche Tunnelbauwerke, nicht nur Eisenbahn-, sondern auch U-Bahn- und Straßentunnel. Theoretisch besteht ein hohes Potential an "Tunnelwärme" und damit eine große Chance für den Klimaschutz. Ob diese tatsächlich technisch und wirtschaftlich sinnvoll realisiert werden kann, soll das Pilotprojekt in Hadersdorf klären.

Nutzung der Erdwärme auch bei den Wiener Linien

Der Einsatz von Erdwärmeanlagen ist auch beim Ausbau der U2 geplant, und zwar für die Stationen Schottenring, Taborstraße, Praterstern und Messe. Damit werden die Stationen energieautark sein und es können 60 % der Energiekosten eingespart werden.

Ein weiterer Vorteil der Nutzung der Erdwärme besteht in dem relativ konstanten Temperaturniveau von 10 - 15GradC der betreffenden Erdschichten. Dadurch ist es auch möglich, die im Sommer im Vergleich zur Lufttemperatur niedrigere Temperatur des Bodens für die Kühlung der Stationsbauwerke zu nutzen.

o Infos zum Klimaschutzprogramm im Internet:
http://www.wien.gv.at/umwelt/klimaschutz/klip/
(Schluss) cfn

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Regina Köppl
MD-Klimaschutzkoordination
Tel: 4000-75084
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