FORMAT: Rettberg-Vermögen in Wien gefunden

Anwalt Gerhard Eckert packte gegenüber der Justiz aus - FORMAT zitiert aus den Vernehmungsprotokollen

Wien (OTS) - Der Wirtschaftsabteilung des Gendarmeriekommandos Niederösterreich hat 4,4 Millionen Euro des flüchtigen und nach eigenen Angaben völlig mittellosen Ex-Libro-Chefs André Maarten Rettberg in Wien gefunden. Das berichtet das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner aktuellen Ausgabe.

Konkret hat Rettberg, für den die Unschuldsvermutung gilt, laut FORMAT über einen Gewinnschein eine Gesamtsumme von 4,4 Millionen Euro in die Beteiligungsgesellschaft VCH investiert. Das geht aus FORMAT exklusiv vorliegenden Verhörprotokollen des vor zehn Tagen inhaftierten Rettberg-Anwaltes Gerhard Eckert hervor. Eckert, für den die Unschuldvermutung gilt, bei seiner Vernehmung im Landesgericht Wiener Neustadt: "Rettberg hat in der ersten Hälfte 2001 im Bereich der VCH-IMB-Gruppe in Form eines Gewinnscheines in der Größemnordnung von etwa 60 Millionen Schilling investiert."

Wie FORMAT weiter berichtet, hat Rettberg seinen Gewinnschein an die im Wiener Palais Auersberg domizilierte Exposa Liegenschaftsverwaltung Gmbh verpfändet. Eckert bei seiner Vernehmung: "Die Esposa ist eine Gesellschaft, die die Aufgabe hat, die wirtschaftliche Zukunft des Herrn Rettberg zu begleiten." Sowohl die VCH-IMB-Gruppe als auch die Esposa stehen im Einflussbereich der Unternehmer und Rettberg-Vertrauten Friedrich Lind und André de Roode. Geschäftsführer der VCH ist laut FORMAT Falko Müller-Tyl, der auch für die Entwicklung des Frauen-Energydrinks very verantwortlich ist.

Rettberg hatte laut dem FORMAT vorliegenden Gerichtsakt somit nach Bedarf Zugriff auf liquide Mittel, unter anderem für Anwaltsspesen und Vergleiche mit den Gläubigerbanken BA-CA und Oberbank. Eckert beim Verhör: "Esposa hat es übernommen, Rettberg in seinen diversen Verfahren zu unterstützen, an abschließenden Vergleichen mitzuwirken, Honorare zu übernehmen, und die für seine straf- und zivilrechtliche Verteidigung notwendige Hilfestellung zu geben." Auch sonst sei an eine "wechselseitige wirtschaftliche Befruchtung für die Zukunft gedacht gewesen." Eckert gab zu Protokoll, dass er und seine Partner die Vorgehensweise zu jedem Zeitpunkt als legal betrachtet hätten.

Die Kripo vermutet laut FORMAT, dass Rettberg wissentlich Geld an seinen Gläubigern vorbei geschleust hat, was im schlimmsten Fall den Tatbestand der betrügerischen Krida erfüllt. Rettberg, der mit dem Argument der Vermögenslosigkeit bei den Banken Nachlässe in Höhe von 75 Prozent erzielt hat, dürfte sich des Risikos bewusst gewesen sein. FORMAT zitiert aus einem im Gerichtsakt befindlichen Schreiben Eckerts an Rettberg: "Sie haben uns ungeachtet des Umstandes, dass Sie für diese Verbindlichkeiten tatsächlich haften, beauftragt, die zu erwartende Ansspruchsstellung beider Banken zu bestreiten und zu versuchen, auch im Zuge von Prozessen einen für Sie günstigen Vergleich herbeizuführen."

Besondere Kritik üben die Ermittler im Gerichtsakt daran, dass Rettberg trotz seines vorhandenen Vermögens auch noch Verfahrenshilfe beantragt hat. Eckert erklärt das im Protokoll knapp mit "sparsamer Gestion" Rettbergs.

Wie FORMAT weiter berichtet haben die Ermittler am Mittwoch-Abend bei der Öffnung eines Schließfaches in Wien-Hernals eine Überraschung erlebt: Sie fanden nämlich nur ein Paar Schischuhe sowie einen Zettel mit einem einzigen Wort darauf - "ätsch".

Rückfragen & Kontakt:

Hannes Reichmann, Bernhard Salomon
FORMAT-Wirtschaft, Tel.: (01) 217 55 - 4149

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FMT0001