"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das Bett als Aufstiegshilfe und die Ohnmacht der Frauen" (von Claudia Gigler)

Ausgabe vom 06.02.2004

Graz (OTS) - Was ist es, was viele Frauen und auch Männer so sehr empört an der Äußerung des obersten Beamten in der Steiermark, wonach es halt vorkomme, dass "das Bett als Aufstiegshilfe gesehen wird"?

Zum Einen: Der Vorwurf, sich als "Betthaserl" hochgedient zu haben, ist etwas, das an die intimste Seite unserer Persönlichkeit rührt. Der Verwurf lautet: Man hat seinen Körper verkauft, um dafür ein höheres Gut zu erringen: Eine berufliche Stelle, einen aufwendigen Lebensstil, eine gesellschaftliche Position. Die Frau als Ware, derer man sich bedient, die man aber nicht respektiert. Nur der, der die Ware nützt, ist gesellschaftlich akzeptiert. Die Ware ohne Benützer ist nichts wert.

Zum Zweiten: Wer sich verkauft hat, hatte es offenbar nötig. Also kann dieser Jemand sonst nichts können. Also sind auch jene versucht, ihre Meinung zu revidieren, die diesen Jemand gar nicht kennen, die aber mitentscheiden über Aufstieg oder Fall dieser Person.

Zum Dritten: Der Vorwurf, sich als "Betthaserl" hochgedient zu haben, ist leicht erhoben. Die Wirkung entfaltet sich ohne Beweis. Gegenbeweise gibt es selten, verzweifeltes Bemühen darum wirkt erst recht lächerlich.

Zum Vierten: Mit geringem Aufwand Menschen an die Wand drücken zu können, bedeutet Macht. Der lächerlichste und unfähigste Mann darf sich stark fühlen, wenn er mit wissender Miene das Gerücht in die Runde streut, eine Frau habe sich den Weg nach oben erschlafen, sei's beruflich oder privat. Die Aufmerksamkeit der anderen ist garantiert. Anmerkung am Rande: Wirkt auch als Totschlagargument von Frau zu Frau.

Das bedeutet: Besonders betroffen von dieser Art Mobbing sind die Frauen, weil viele im Innersten immer noch überzeugt davon sind, dass Frauen dazu da sind, dass man sich ihrer bedient, dass Frauen nicht so gut sind wie Männer, dass sie darauf aus sind, Männer zu umgarnen und dass man auf anderer Ebene leichtes Spiel gegen sie hat.

Es bedeutet auch: Alle Frauen sind potenziell betroffen, nicht nur ein tatsächliches Opfer oder eine "Täterin".

Eine Frau wehrt sich verzweifelt dagegen, das sie gegen ihren Willen als "Betthaserl" missbraucht wird. Zum selben Zeitpunkt nährt ihr oberster Chef das Vorurteil, wonach viele ihresgleichen es darauf geradezu abgesehen haben. Damit ermutigt er weitere Täter und stellt das Opfer bloß.

Die meisten Frauen wissen das. Viele Männer wissen es. Landeshauptfrau Waltraud Klasnic sollte es wissen. Das Problem sind die, die, es nicht wissen können, weil sie sich weigern, die gesellschaftliche Realität anderer zur Kenntnis zu nehmen.****

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