STANDARD-Bericht "'Steuerzahler lassen 220 Millionen liegen'"

Von Günther Strobl - Ausgabe vom 6.2.2004

Wien (OTS) - Weil sich viele Steuerzahler nicht die Mühe machen
und oft auch nicht wissen, dass sie mit der Arbeitnehmerveranlagung Geld zurück- bekommen können, bleibt dem Finanzminister Jahr für Jahr ein saftiges "Körberlgeld".

Wien - Österreichs Steuerzahler murren in der Regel, wenn sie die Abzüge sehen, holen ihnen zustehende Gelder aber vielfach nicht ab. "Wir schätzen, dass die Lohnsteuerpflichtigen Jahr für Jahr etwa 220 Millionen Euro liegen lassen", sagte der Steuerexperte der Arbeiterkammer (AK), Otto Farny, dem Standard. "Ein schönes Körberlgeld für den Finanzminister."

Und die Rechnung geht so: In Österreich gibt es gut 3,5 Mio. Lohnsteuerzahler, in die Finanzämter gelangen aber nur rund 2,5 Mio. Arbeitnehmerveranlagungen - früher hieß das Jahresausgleich. Wenn man die Differenz von einer Million mit der durchschnittlichen Gutschriftsumme pro Arbeitnehmerveranlagung von 220 Euro multipliziert, ist man bei den vorhin genannten 220 Mio. Euro.

"Wenn man bedenkt, dass das meist Leute mit relativ kleinen Einkommen sind, ist das eine erkleckliche Summe", sagte Farny. Die Gutverdiener würden sich in der Regel auch besser auskennen und hätten Steuerberater bei der Hand.

Im Finanzministerium heißt es, dass sich unter den Leuten, die keine Arbeitnehmerveranlagung machen, viele Pensionisten befinden, die zum Teil keine Sonderausgaben haben und deshalb auch keinen Jahresausgleich machen. Die durchschnittliche Gutschrift pro Arbeitnehmerveranlagung habe im Vorjahr 390 Euro betragen. Rund 100.000 Lohnsteuerpflichtige hätten die Arbeitnehmerveranlagung über den Internetdienst "FinanzOnline" abgewickelt - Tendenz steigend.

Auch Oliver Ginthör, Präsident des Vereins Österreichischer Steuerzahler, schätzt, dass bis zu 200 Mio. Euro einfach liegen bleiben. "Die Steuererklärung ist relativ kompliziert, viele möchten mit der Finanzbehörde nichts zu tun haben, manche wissen auch nicht, dass sie gegen einen Nachzahlungsbescheid berufen können." Das sind laut Ginthör die Hauptgründe, warum so viel Geld nicht abgeholt wird. Die Frist, um Steuerermäßigungen für Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen lukrieren zu können, reicht fünf Jahre zurück.

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