DER STANDARD-Bericht "Klärung 'binnen kurzer Frist'"

In Umfrage schwindet Sympathie für Grasser, in der ÖVP die Geduld (Colette M. Schmidt, Thomas Neuhold, Hannes Schlosser) - Ausgabe vom 6.2.2004

Wien (OTS) - - Während die ÖVP-Spitze an Karl Heinz Grasser festhält, zeigt eine OGM-Umfrage für Format, dass eine Dreiviertelmehrheit der Österreicher die Vorwürfe gegen den Finanzminister für mehr oder weniger gerechtfertigt halten.

Vor diesem Hintergrund mehren sich in der ÖVP die Stimmen, die kein Verständnis für das Verhalten Grassers zeigen. Der VP-Bundesrat Vincenz Liechtenstein sagte zum Standard, er sei "natürlich verärgert und erstaunt. Ich kenne mich bei der Geschichte überhaupt nicht mehr aus. Ich versteh’ nicht, warum der Minister nicht redet. Ich kann ihn aber nicht einschätzen, ich kenne ihn ja persönlich überhaupt nicht." Wenn man nichts "angestellt" habe, sei es erstaunlich "wenn ein Betrag von 283.000 Euro zum Staatsproblem wird". Gerade weil es sich bei "New Economy" um einen kleinen Verein handle, müsse der Vereinsobmann Matthias Winkler doch ganz genau Bescheid wissen, "was mit dem Geld passiert ist".

Liechtenstein betont, dass die Causa in ein bis zwei Tagen erledigt sein sollte. Ob er Grasser dessen Rücktritt nahe legt, kommentiert Liechtenstein so: "Wenn das so weitergeht, muss man das schon so sagen."

Aus dem Büro der steirischen VP-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic hieß es unterdessen zur Causa Grasser: "Die Landeshauptfrau hat dazu derzeit keine Meinung."

Auch Wirtschaftsbundobmann und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl ließ dem Standard ausrichten, dass er sich aus der Diskussion um den Finanzminister heraushalten wolle. Deshalb wurde am Donnerstag Wirtschaftskammergeneralsekretär Christian Domany vorgeschickt, der dementierte, dass es eine finanzielle Beteiligung der Kammer an den Pensionsreform-Inseraten vom Juni 2003 gegeben habe. Laut News hätte die WKÖ 50.000 Euro für die regierungsfreundlichen Inserate "Jetzt handeln - für die Zukunft" gespendet.

Während sich Leitl ausschweigt, stellt sich der Salzburger VP-Landeshauptmannkandidat Wilfried Haslauer mit "voller Rückendeckung" hinter Grasser. Er kenne zwar "nicht alle Fakten der so genannten Affäre Grasser", sagte Haslauer im Standard-Gespräch, er sei aber dennoch davon überzeugt, dass Grasser "die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden", ausräumen könne. Auch Wirtschaftsminister Martin Bartenstein geht davon aus, dass "binnen kurzer Frist" alle offenen Fragen über die Mittelverwendung aufgeklärt würden.

SP-Finanzsprecher Christoph Matznetter fordert indessen von Grasser Aufklärung über weitere von News aufgestellte Behauptungen. Bestätigt wurde inzwischen, dass das Segel eines Behindertenbootes mit dem Sponsoraufdruck "www.karlheinzgrasser.at" finanziert wurde -dementiert wurde allerdings, dass aus der Vereinskassa Reisen nach den USA finanziert wurden.

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